Mit Delphinen schwimmen

Wie lässt es sich mit richtungslosen Märkten am besten umgehen? Am ehesten sollte man sie ignorieren. Das ist nur etwas für kurzfristig agierende Händler und Computeralgorithmen. James Swanson, Chief Investment Strategist bei MFS Investment Management, kommentiert.

Unlängst gerierten sich die Märkte angesichts ihrer atemberaubenden Sprünge und Tauchmanöver wie ein Delphin im Meer. Oftmals wissen die Marktbeobachter gar nicht, wo sie als nächstes nach ihm Ausschau halten sollen. In den letzten Wochen lässt sich das Gleiche für die Märkte behaupten, die an einem Abend einen Kurssprung hinlegten, um am nächsten Morgen wieder einzubrechen.

Richtungslose Märkte ignorieren

Wie lässt sich mit derart richtungslosen Märkten am besten umgehen? Meines Erachtens sollte man sie ignorieren. Das ist nur etwas für kurzfristig agierende Händler und Computeralgorithmen. Wenn Sie jedoch als Anleger langfristig solide Renditen erwirtschaften wollen, um etwa in der Zukunft Ausbildungskosten oder eine solide Altersvorsorge zu bestreiten, müssen Sie sich folgende Fragen stellen:

1. Spielen die Schlagzeilen aus Washington oder der Wall Street wirklich eine Rolle? Die Antwort lautet nach Jahren der Analyse empirischer Daten: Nein. Schlagzeilen sind für Wähler von Bedeutung, aber nicht für Anleger. Ich glaube auch nicht, dass sie mit den Renditen korrelieren.

2. Was aber korreliert tatsächlich mit langfristigen Renditen? Meiner Erfahrung nach sind das die Generierung von freiem Cashflow und die Renditen auf den freien Cashflow.

3. Was bestimmt den freien Cashflow? Der freie Cashflow hängt nach meinem Dafürhalten vom Wirtschaftswachstum, von den Margen, vom richtigen Kapitalmanagement und von einer soliden Geschäftsleitung ab.

4. Welche anderen Bewertungskennzahlen sollte man im Auge behalten? Das Verhältnis zwischen Kurs und Cashflow (KFCV) spielt eine große Rolle. Meiner Ansicht nach, aber auch das Verhältnis zwischen Kurs und Buchwert (KBV) und das zyklisch adjustierte Kurs-Gewinn-Verhältnis (Shiller-KGV bzw. CAPE), die beide auf relativ anspruchsvolle Bewertungen hinweisen.

Eine gewisse Perspektive

Derzeit dominieren in den Schlagzeilen die Spekulationen rund um Handelskriege und Zölle. Zölle sind in der Tat wichtig, aber davon sind nur bestimmte Unternehmen und Branchen betroffen und in der Landwirtschaft nur bestimmte Feldfrüchte. Aus wirtschaftlicher Sicht wirken sie sich nicht auf den Markt als Ganzes aus und es mangelt ihnen an der erforderlichen Größenordnung, um den Wirtschaftszyklus zu beenden. Die unlängst verabschiedeten Steuersenkungen stellen, an sich, sämtlich diskutierte Zölle in den Schatten und lassen die jüngsten Initiativen Washingtons in Bezug auf den Handel vergleichsweise unbedeutend erscheinen.

Was die Generierung von freiem Cashflow angeht so befindet sich dieser unterhalb seiner Höchststände, gemessen an jedem in den Markt fließenden US-Dollar. Die Frage ist, ob Aufwärtspotenzial besteht. Schon möglich. Meine Analysen weisen indes darauf hin, dass die künftig zu erzielenden freien Cashflows aufgrund steigender Lohnkosten, höherer Finanzierungskosten und des zunehmenden allgemeinen und administrativen Aufwands unter Druck stehen. Die auf den freien Cashflow erzielte Rendite erscheint derzeit weniger attraktiv als zu Beginn dieses seit langem bestehenden Zyklus, der anfangs mit einem spektakulären Anstieg der FCF-Renditen (Free Cash Flow) aufwartete.

Anzeichen auf eine einsetzende Abschwächung des Wachstums

Während die Wirtschaft unvermindert expandiert und Anlagewerte weiterhin produktiv eingesetzt werden, gibt es Anzeichen auf eine einsetzende Abschwächung des globalen Wachstums. Meiner Einschätzung nach ist eine wachsende Wirtschaft für verbesserte Gewinne und Cashflows notwendig, aber nicht ausreichend. Um weiterhin steigende Cashflows zu verzeichnen, müssen Unternehmen ihre Kapitalkosten senken, die Löhne stabil bleiben oder zurückgehen oder die Produktivität deutlich steigen.

Meines Erachtens ist der aktuelle Einstiegspunkt an den Märkten trotz der jüngsten Korrekturen immer noch historisch hoch. Daher macht es für ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Risiko und Renditen keinen Sinn, voll investiert zu sein, bis die Kurse von Risikoanlagen weiter nachgegeben haben.

Cashflow wichtiger als Schlagzeilen

Anstatt also dem Delphin, d. h. den Schlagzeilen hinterherzujagen, sollte man den Cashflow im Auge behalten und umsichtig vorgehen. Wenn Sie nach einem Zufluchtsort Ausschau halten, um die derzeit volatilen Marktgewässer gut umschiffen zu können und überzeugendere Aktienbewertungen abzuwarten, dann bietet sich das kurze Ende des Marktes für US-Unternehmensanleihen mit Investment Grade als weniger riskantes Marktsegment an. Kurzfristige Unternehmensanleihen von hoher Bonität sind aufgrund verschiedener technischer Faktoren mittlerweile attraktiver bewertet. Dazu zählen vor allem eine Verlagerung zuungunsten kurzfristiger Unternehmensanleihen als Sondereffekt, da ihre Emittenten derzeit Barmittel außerhalb der USA infolge der jüngsten Steuerreform repatriieren.

Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) ist das Verhältnis von Aktienkurs zum Buchwert je Aktie. Das zyklisch adjustierte Kurs-Gewinn-Verhältnis (gemeinhin bekannt als Shiller-KGV bzw. CAPE) ist eine Bewertungskennzahl, die gewöhnlich auf den US-Aktienmarkt, gemessen am S&P 500 Index, Anwendung findet. Es wird als Kurs geteilt durch den gleitenden Durchschnitt der zehnjährigen inflationsbereinigten Unternehmensgewinne definiert.




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