Palmöl ist nicht gleich Palmöl

Die Anforderungen an die globale Agrarindustrie sind unterschiedlich: In Industrienationen achten die Konsumenten zunehmend auf Ihre Gesundheit, in ärmeren Gegenden geht es darum, die Menschen erst einmal satt zu bekommen. Kluge Anleger können von allem profitieren, ohne dabei die Umwelt auszubeuten.

Während es in weniger entwickelten Ländern darum geht, in klimatisch widrigen Verhältnissen immer mehr Menschen satt zu bekommen und mit hochwertigem Eiweiß zu versorgen, verändern sich in den entwickelten Staaten die Ernährungsgewohnheiten, das Gesundheits- und Wellnessbewusstseins steigt. Dementsprechend prägen Nahrungsmitteltechnologien und Innovationen auch hierzulande zunehmend das Bild der Lebensmittelindustrie.

Die globale Agrarwirtschaft profitiert von noch weiteren zahlreichen Treibern, wie der zunehmenden Verstädterung, den steigenden Einkommen in Schwellenländern und der strukturellen Nachfrage nach Biokraftstoffen. Gleichzeitig haben der Klimawandel und andere Faktoren zu einem Anstieg der Kostenkurve für den Anbau von Kulturpflanzen geführt. Prognosen gehen davon aus, dass die weltweite Wasser- und Energienachfrage bis 2030 um über 50 Prozent ansteigen wird.

Diese Trends verdeutlichen, wie wichtig es ist, Umwelt-, Sozial- und Governance-Faktoren in Anlageprozesse einzubeziehen, die auf Investitionen im weltweiten Agrar- und Nahrungsmittelsektor abzielen. Was dabei die dringendsten Anliegen sind, lässt sich nur schwer auf Anhieb beantworten – zu groß sind die Herausforderungen über alle Segmente der landwirtschaftlichen Wertschöpfungskette hinweg. Stellt die Produktion und die Logistik zu weiterverarbeitenden Unternehmen in vielen Schwellenländern das Problem dar, sind es in den Industrieländern eher die Überdüngung sowie schrumpfende Anbauflächen, aber auch die Entwicklung der Kosten. Darüber hinaus rückt der Einsatz von gentechnisch verändertem Saatgut immer wieder ins Zentrum der Diskussion, genauso wie das Thema Palmöl.

Nicht verallgemeinern

Gewiss, das Geschäft mit Palmöl ist für Außenstehende häufig mit Landnahme oder Entwaldung verbunden. In der westlichen Welt wird überdies in Frage gestellt, wie gesund Palmöl überhaupt ist. Doch die Nachfrage ist immens und wird weiter wachsen. Bei Degroof Petercam AM haben wir uns eingehend mit Palmöl auseinandergesetzt und investieren beispielsweise seit zehn Jahren in Sipef, einen belgischen Betreiber von Palmölplantagen. Wir betrachten Palmöl insofern als nachhaltig, wenn Unternehmen die notwendigen Maßnahmen ergreifen, um Mitglieder des „Roundtable on Sustainable Palmoil“ (RSPO) zu werden. Die Vereinigung hat große Fortschritte bei der Verbesserung der Vorschriften für Konsum und Produktion erzielt. Ein Unternehmen wie Sipef erzeugt Palmöl, dessen Produktion sich vollumfänglich nachverfolgen lässt. Für uns ergeben die Geschäftsmodelle von Palmölplantagen unter finanziellen wie nachhaltigen Gesichtspunkten Sinn.

In Indonesien zum Beispiel sind über 1,4 Millionen Menschen für ihren Lebensunterhalt auf den Rohstoff angewiesen. Auch die Sicherung einer tragfähigen Existenz gehört für uns zur Nachhaltigkeit. Deshalb müssen wir bei der Aufnahme von Positionen in unser Portfolio selektiv vorgehen und nur in Unternehmen investieren, die sich zu einer nachhaltigen Produktion und Unternehmensentwicklung verpflichtet haben. Dabei bevorzugen wir diejenigen Unternehmen, denen es gelingt, ihren Ernteertrag zu steigern und zugleich die Umwelt zu schonen. So können einige Unternehmen beispielsweise durch den Einsatz von neuem Saatgut ihren Hektarertrag im Vergleich zum Marktdurchschnitt signifikant erhöhen.

Landwirtschaft: Kernpunkt der SDGs

Die hohe Bedeutung von Nachhaltigkeit im Agrar-Bereich spiegeln auch die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen, die Sustainable Development Goals (SDGs), wider. Unmittelbar relevant für die Investmentstrategien, die auf nachhaltige Nahrungsmitteltrends abzielen, ist beispielsweise das zweite SDG-Ziel mit den Schwerpunkten „Hunger beenden“, „Ernährungssicherheit gewährleisten“, „Ernährung verbessern“ und „nachhaltige Landwirtschaft“ fördern.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt