Bestätigt wurde dieses Bild vom immer noch stark beachteten Ifo-Index, der seit kurzem ein Gesamtbild von rund 9.000 Unternehmen unter Einbezug der Services-Branchen abgibt. Auch hier schwächelte vor allem die Industrie. Zudem zeigte sich ein bemerkenswerter Unterschied zwischen der Beurteilung der gegenwärtigen Lage, welche von den Unternehmen immer noch relativ positiv eingeschätzt wird, und den zunehmend skeptisch beäugten Aussichten für die nächsten sechs Monate. Während ersterer Ifo-Teilindex nur um einen Punkt nachgab, rutschte die als Frühindikator wichtigere Erwartungskomponente um drei Stellen ab. Es war gleichzeitig der fünfte Rückgang dieser Kennziffer in Folge. In normalen Konjunkturzyklen gelten schon drei aufeinander folgende Rückgänge als Abschwungsignal. Nur gut, dass wir uns nicht in einem normalen Konjunkturzyklus befinden.

Was bedeutet das für Anleger?

Es ist also die Wachstumsunsicherheit, welche viele Investoren Vorsicht walten lässt. Nach wie vor ist die Frage nicht beantwortet, ob die gegenwärtige Erholung von Risikoanlagen eine angemessene Korrektur des übermäßigen Pessimismus‘ im Dezember darstellt oder das, was Marktteilnehmer gern als ‚Dead Cat Bounce‘ bezeichnen. In dieser Gemengelage trägt die Politik wenig dazu bei, der positiven, ersteren Interpretation zuzuneigen. Im Brexit-geplagten Großbritannien tut das krampfartige Dahinsiechen der Regierung May schon vom Zuschauen weh. In den USA dürfte die provisorische Beendung des Government Shutdown, der die Volkswirtschaft bis dato geschätzt 0,1 Prozentpunkte Wachstum pro Woche gekostet hatte, genau dies bleiben: provisorisch. Und die Tatsache, dass die chinesische Regierung wieder einmal das Füllhorn der Infrastrukturinvestitionen in die Hand nimmt, sorgt nicht gerade für Beruhigung, gilt doch nervöser Aktionismus der kommunistischen Partei als sicherster Konjunkturindikator in einer Volkswirtschaft, in der glaubhafte Statistiken nach wie vor schwer zu finden sind.

Solange also auch die politische Seite wenig Unterstützung bietet, fokussieren sich Anleger auf das, was einigermaßen fassbar erscheint: Zinsen und Gewinne. Die EZB hat letzte Woche relativ deutlich signalisiert, dass eine Anhebung des Einlagesatzes noch in diesem Jahr eher unwahrscheinlich ist. Und morgen dürfte auch die US-Fed den Zinsmärkten Recht geben, die einen weiteren Zinsschritt bis zur Jahresmitte zurzeit nur mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 25 Prozent einpreisen. Während also die Angst vor zu stark steigenden Zinsen wenig neue Nahrung erhält, rückt der Gewinnausblick der Unternehmen in den Mittelpunkt. Bleiben über den weiteren Verlauf der Berichtssaison die Firmenchefs zuversichtlich, dürften auch die Erholung der Aktienpreise und das Umfeld niedriger Volatilität in den nächsten Wochen anhalten.




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