Kein Optimismus im Optionshandel

Optimismus mag in vielen Lebenslagen eine hilfreiche Geisteshaltung sein, nicht aber im Optionshandel. Das zeigt ein neues Forschungspapier von Swiss Finance Institute-Professor Paul Schneider von der Università della Svizzera Italiana.

Wir untersuchten auf Basis der kotierten Geld-Brief-Spannen am Markt für liquide S&P 500-Optionen, wie sich verschiedene subjektive Einschätzungen auf die Risikopräferenzen und damit auf die Handelsstrategien von Optimisten, Pessimisten und Pragmatiker am Optionsmarkt auswirken.

Optimisten versus Pessimisten

Während die Optimisten an ein außerordentliches Aufwärtspotenzial des Marktes glauben, erachten die Pessimisten die Wahrscheinlichkeit einer katastrophalen Marktentwicklung als sehr groß. Pragmatiker wiederum sind der Ansicht, dass den Ausübungskursen am Optionenmarkt relevante Informationen zu Grunde liegen und ziehen daraus ihre Schlüsse.

Wir stellten fest, dass die drei Arten von Akteuren eine überraschend geringe Vielfalt von Strategien nutzen. Mit wenigen Ausnahmen hielten die Pessimisten Short-Positionen auf den S&P 500 selbst sowie auf Varianzswaps, mit den Optimisten als Gegenparteien. Die Pragmatiker füllten Handelslücken mit opportunistischen Transaktionen.

Überraschende Erkenntnisse

Diese Marktabweichung überrascht, da die negative Varianzprämie im S&P 500 Markt in der Regel als Versicherungsprämie gegen Markteinbrüche interpretiert wird. Um den Kontext zu verstehen, in dem diese unerwarteten Handelsallokationen stattfinden, muss man sich von der Vorstellung lösen, dass Pessimisten gegenüber Optimisten zwangsläufig eine größere Aversion gegen Abwärtsrisiken zeigen.

In gleicher Weise sind Optimisten nicht zwangsläufig risikofreudiger. Analogien sind leicht zu finden. Im Umkehrschluss sind Optimisten nicht zwangsläufig risikofreudiger, wie die nachfolgende Analogie illustriert. So gehören Badehose und Strandtuch in das Feriengepäck eines Pessimisten, obwohl schlechtes Wetter zu erwarten ist.

Aversion gegen Abwärtsrisiken häufig anzutreffen

Im Gegensatz dazu verzichten Optimisten auf die beiden Utensilien, weil sie sich nicht mit dem zusätzlichen Gewicht belasten wollen, obwohl sie stark mit einem sonnigen Tag rechnen. Die Aversion gegen Abwärtsrisiken ist die markanteste und am durchgängigsten beobachtete Eigenschaft der menschlichen Entscheidungsfindung, auch wenn hinsichtlich ihrer Ausprägung große Unterschiede existieren, die nicht zwangsläufig mit den Erwartungen korrelieren. Positives Denken zahlt sich nicht immer aus, das ist klar, im Optionenhandel ist Optimismus definitiv wenig zielführend.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt