Profiteure der Digitalisierung

Schwellenländer können den globale Trend zur Digitalisierung nutzen, um den Abstand zu Industrienationen zu minimieren. Und dabei verbuchen sie erste Erfolge. Schwellenmarktexperte Gonzalo Pangaro von T. Rowe Price über die Trends der Informationstechnologie in Asien, vor allem China.

Industrie 4.0, Internet der Dinge, autonomes Fahren, künstliche Intelligenzen, virtuelle Realität – die Digitalisierung wird unsere Zukunft bestimmen. Bereits jetzt bestimmt sie unseren Alltag. Unternehmen aus dem Bereich sind zentrale Akteure der Weltwirtschaft. Die fünf größten Unternehmen der Welt nach Marktwert sind laut „Forbes“ Apple, Alphabet, Microsoft, Amazon und Warren Buffets Konzern Berkshire Hathaway. Jeder der ersten vier Konzerne revolutionierte den Markt. Microsoft machte der breiten Masse den Personal Computer zugänglich, eine Internetnutzung ohne Alphabets Google ist kaum vorstellbar und Amazon löste weltweit ein Erdbeben im Einzelhandel aus. Apple brachte vor gerade einmal zehn Jahren das erste iPhone auf den Markt, erfand damit das Smartphone und änderte alles.

2006, im Jahr vor dem iPhone lag Apples Börsenwert bei rund 70 Milliarden US-Dollar. Mittlerweile hat dieser sich mehr als verzehnfacht. Etwa 2,3 Milliarden Menschen weltweit nutzen ein Smartphone. Damit einher geht die Möglichkeit, mobil ins Internet zu gehen. Das hatte und hat Auswirkungen auch auf die anderen Giganten der Branche. Microsoft entwickelte ein eigenes Smartphone, das jedoch in diesem Jahr wegen mangelnden Erfolges eingestellt wurde. Alphabet, beziehungsweise Google, sammelt über das hauseigene Smartphone oder über Google Maps noch mehr wertvolle Nutzerdaten als nur über seine Suchmaschine. Mit der Amazon-App lässt es sich auch von unterwegs shoppen oder ein Video über Amazon-Prime gucken. Auch das sechstgrößte Unternehmen der Welt, Facebook, hätte ohne mobiles Internet und Smartphones niemals seine unglaubliche Entwicklung genommen.

Informationstechnologie im Aufschwung

Apple, Microsoft, Amazon, Google und Facebook gehören auch zu den größten zehn Positionen im MSCI-World-Market- Index. Vor zehn Jahren gehörte lediglich Microsoft zu den Top 10. Diese Entwicklung zeichnet sich jedoch nicht nur im MSCI World-Index ab, der 23 sogenannte Developed Markets, also Industrieländer abbildet. Der Sektor Informationstechnologie hat sich auch im MSCI-Emerging-Markets-Index im Laufe der vergangenen zehn Jahre deutlich verändert. Dieser vielbeachtete Index umfasst derzeit 24 Länder der ganzen Welt, die als Schwellenländer eingestuft sind. Dazu gehören beispielsweise Brasilien, Polen, Südafrika, China und Indien. Im Emerging- Market-Index vollzieht sich eine ähnliche Entwicklung, wie sie auch im World-Index zu beobachten ist.

Vor zehn Jahren war unter den größten zehn Positionen im Index der Schwellenländer mit Samsung ebenfalls lediglich eine Firma aus dem Bereich Informationstechnologie vertreten. Bis 2012 schaffte der taiwanesische Hersteller von Halbleitern Taiwan Semiconductor es unter die ersten zehn. Mittlerweile zeichnet sich im Index ein den Industrienationen recht ähnliches Bild ab: Von den am stärksten gewichteten zehn Positionen sind sechs IT-Unternehmen. Mit den chinesischen Konzernen Tencent und Alibaba sind zwei Akteure aufs Tableau getreten, die weltweit mittlerweile zu den größten Börsenunternehmen nach Marktwert zählen. Tencent belegt in der „Forbes“-Liste den zehnten, Alibaba den zwölften Rang. Insgesamt ist der IT-Sektor des MSCI-Emerging-Market-Indexes sogar stärker ausgeprägt, als das im World-Index der Industrieländer der Fall ist. An Letzterem machte das Segment „IT“ Ende September dieses Jahres einen Anteil von rund 16 Prozent aus, beim Emerging-Markets- Index ist der Anteil mit knapp 28 Prozent deutlich größer.

Diese Zahlen zeigen, welche große Bedeutung die Digitalisierung und die digitale Wirtschaft für die Schwellenländer haben. Die entstehenden Möglichkeiten eröffnen diesen Ländern Perspektiven, die sie in traditionellen Wirtschaftsbereichen nicht haben. Klassischerweise erfolgte der Wissenstransfer von Developed zu Emerging Markets. In den Industrienationen entstanden Innovationen, neue Produktionen und Standards, die mit einiger Verzögerung an die Schwellenländer weitergegeben wurden. Diese Systematik ändert sich durch Digitalökonomie. Die Entwicklungen im Technologie-Sektor treiben die Wirtschaften an, traditionelle Faktoren wie beispielsweise Rohstoffe verlieren an Bedeutung. Durch die ökonomischen Impulse steigen zudem die Löhne und die Nachfrage in den Ländern selbst – ein entscheidender Faktor für eine positive Konjunktur.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt