Rendite auf dem Schirm

Branchenfonds bieten Möglichkeiten für verschiedene Anlegertypen. Das gilt auch für den Telekommunikationssektor. Ein Beitrag der Morningstar-Analystin Barbara Claus.

Der Telekommunikationssektor stand in den letzten Jahren weniger im Fokus der Anleger. Zum einen gilt die Branche nicht als klassischer Wachstumsmarkt, mit vergleichsweise soliden, aber wenig aufregenden Geschäftsmodellen, zum anderen erinnern sich viele Anleger noch mit Schaudern an das Platzen der Internetblase 2000/2001. Hinzu kommt, dass auch in den Jahren nach der TMT-Krise die Wertentwicklung der Telekomaktien sowohl auf europäischer als auch globaler Ebene hinter der des Gesamtmarktes zurückblieb. Ob und wann ein Comeback dieser Aktien ansteht, lässt sich nicht prognostizieren. Allerdings deutet die mangelnde Aufmerksamkeit der Anleger laut unseren Morningstar-Aktienanalysten auf eine leichte Unterbewertung verglichen mit dem Gesamtmarkt hin.

Warum sollte man Fonds aus der Branche wählen?

In Niedrigzinsphasen könnten Telekomaktion eine Alternative für Anleger auf Renditesuche darstellen. In vielen Portfolios wurde bereits der Anteil an Aktien von Unternehmen mit hohen und regelmäßiger Dividendenzahlungen sowie einem soliden Geschäftsmodells erhöht, da Anleihen keine sichere Rendite mehr bieten. Auch wenn Aktien generell ein höheres Risikoprofil aufweisen, ist die Nachfrage nach Aktien mit stabilen Cashflows und Dividenden gestiegen, wie z.B. Titel im Bereich des defensiven Konsums. Dies äußert sich auch in einer im historischen Kontext und im Vergleich zum Gesamtmarkt hohen Bewertung. Daher könnten Telekomaktien eine Alternative darstellen. Zum einen zählen sie zu den Infrastrukturunternehmen, die den Vorteil haben, dass sie in der Regel über wiederkehrende, stabile Cashflows verfügen, zum anderen zeichnen sie sich durch attraktive Dividendenrenditen aus. Das vergleichsweise defensive Profil dieser Aktien schlägt sich auch in niedrigeren Risikokennzahlen, relativ zum Gesamtmarkt, nieder.

Es gibt jedoch auch einige Negativpunkte des Telekommunikationssektors: Zum Beispiel der hohe Kapitaleinsatz der Unternehmen, vor allem wenn sie eigene Netze bereitstellen, was ihr Wachstumspotenzial begrenzt. Dazu kommt, dass sie dem Einfluss der Regulierungsbehörden unterworfen sind und ihre Marktmacht begrenzt ist, da sich die Geschäftsmodelle ähneln, was zu einem starken Wettbewerb führt.

Für Anleger, die in Telekommunikationsaktien investieren möchten, stehen aktiv verwaltete Fonds zur Verfügung sowie ETFs auf globale und europäische Sektorindizes.

Unsere Morningstar-Branchenkategorie Telekommunikation umfasst sowohl global anlegende als auch auf Europa fokussierte Fonds, was beim Vergleich der Wertentwicklung berücksichtigt werden muss, da sich die Anlageuniversen hier unterscheiden und darüber hinaus auch Währungsbewegungen eine Rolle spielen. Daher sind die Morningstar-Sterne Ratings, die sich auf die risikoadjustierte Rendite eines Fonds im Vergleich zu seiner Kategorie beziehen, an dieser Stelle auch mit Vorsicht zu genießen. So weisen die Portfolios der global anlegenden Fonds durchschnittlich einen Nordamerika-Anteil – und damit grob gesagt auch ein US-Dollar Exposure von ca. 40 Prozent auf.

Telekommunikationsfonds sind in Deutschland ein Nischenmarkt

Der Performancevergleich zeigt, dass die global aufgestellten Fonds, wie auch bei den zuvor betrachteten Indizes, in den letzten Jahren die Nase deutlich vorn hatten. Insgesamt umfasst das investierte Anlegervolumen in den in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Telekommunikationsfonds derzeit lediglich 1,7 Milliarden Euro, was den Sektor zu einem Nischenmarkt macht. Anleger haben hier die Wahl zwischen einem ETF, der einen Sektorindex abbildet oder alternativ einen aktiv verwalteten global oder europäisch investierenden Sektorfonds. Bei den ETFs auf den Index Stoxx 600 Telecom ist allerdings zu beachten, dass dieser hoch konzentriert ist: Zum einen enthält er lediglich 23 Titel, zum anderen dominieren drei große Anbieter den Index: Vodafone mit einem Anteil von 20,49 Prozent, gefolgt von der Deutschen Telekom mit 15,24 Prozent und Telefonica mit 13,33 Prozent Anteil. Die globale Benchmark MSCI World Telecom Services ist breiter gestreut mit 41 Aktien, wobei allerdings auch hier zwei Werte bereits über ein Drittel des Indexes ausmachen, AT&T mit 20,71 Prozent und Verizon mit 17,61 Prozent. Aktiv verwaltete Fonds sind daher, zumindest was die Konzentration in einzelnen Aktien angeht, aufgrund der UCITS-5/10/40-Regel, die Positionen über zehn Prozent für aktive Fonds nicht zulässt, besser diversifiziert.

 

Drei Fonds im Fokus: Deka-Telemedien, DWS Telemedia Typ O und Fidelity Global TeleComms

Anlegern stehen darüberhinaus drei aktiv verwaltete, global investierende Sektorfonds zur Verfügung, die ein Volumen von mehr als 100 Millionen Euro aufweisen: Deka-Telemedien, DWS Telemedia Typ O und Fidelity Global TeleComms. Wir empfehlen bei aktiv verwalteten Fonds grundsätzlich, auf ein gewisses Mindestvolumen zu achten, da Fondsgesellschaften regelmäßig ihre Produktpaletten überprüfen und kleinvolumige Nischenfonds regelmäßig eingestellt werden. Ein etwas höheres Fondsvolumen macht die Abwicklung des Fonds unserer Erfahrung nach weniger wahrscheinlich.

Der Deka-Telemedien ist mit einem Fondsvolumen von 417 Millionen Euro der mit Abstand größte Fonds für Telekomaktien. Anleger sollten jedoch beachten, dass dieser Fonds nicht nur in Aktien aus dem Bereich Telekommunikation, sondern auch in Medienunternehmen investiert. So finden sich unter den Top-10-Aktien, die ca. 43 Prozent am Gesamtportfolio ausmachen, auch Titel wie Time Warner, Walt Disney oder Facebook, was der Wertentwicklung des Fonds in den letzten Jahren zuträglich gewesen sein dürfte. Ebenso sein US-Anteil von 47 Prozent gegenüber der breiten Kategorie, die mit ca. 26 Prozent hier weniger hoch gewichtet ist, da sie neben globalen auch europäisch anlegende Fonds umfasst. Der Deka-Telemedien ist mit laufenden Kosten von 2,16 Prozent sehr teuer, auch im Vergleich mit anderen Sektorfonds, die schon durch Preisaufschläge gegenüber breiter aufgestellten Fonds auffallen. Dazu kommt eine erfolgsabhängige Gebühr von 25 Prozent, sofern der Fonds besser als seine Benchmark Deka-Telemedia-Index abschneidet.

Mit 269 Millionen Euro Fondsvolumen ist der DWS Telemedia Typ O kleiner, aber mit laufenden Kosten von 1,70 Prozent p.a. auch fast 50 Basispunkte günstiger als der Deka-Fonds. Jedoch kann auch in diesem Fall eine Erfolgsgebühr von 25 Prozent auf die Outperformance gegenüber der Benchmark MSCI World Telecommunication Services den Fonds sehr teuer machen. Trotz eines ähnlichen Namens ist dieser Fonds aktuell jedoch stärker auf Aktien aus dem Bereich Telekommunikation fokussiert. Zwar werden Medienaktien hier ebenfalls beigemischt, doch ist aktuell lediglich Time Warner mit einem Gewicht von 2,96 Prozent in den Top-10-Titeln vertreten und belegt hier Platz acht. Mit 65 Titeln ist das Portfolio im Vergleich mit den Indizes zwar diversifizierter, doch sollten Anleger beachten, dass auch hier die Top-10-Titel ca. 46 Prozent am Gesamtportfolio ausmachen und der Anteil an US-Aktien bei 59 Prozent liegt.

Mit 115 Millionen Euro Volumen liegt der Fidelity Global TeleComms auf Platz drei. Das Portfolio ist mit 32 Aktien zwar konzentrierter als bei seinen beiden größeren Pendants, doch setzen Anleger hier auf ein Portfolio, das ausschließlich in den Telekommunikationssektor investiert. Dies zeigt sich auch in der Wertentwicklung des Fonds, die deutlich hinter den Telemedienfonds zurückbleibt und sich als einziger Fonds im Value-Segment der Morningstar Style Box bewegt (die Fonds von Deka und DWS bewegen sich im Growth- bzw. Blend-Bereich). Die Aktien von AT& T und Verizon sind in diesem Fonds jeweils mit ca. zehn Prozent vertreten, gefolgt von der Deutschen Telekom mit ca. sieben Prozent. Die Konzentration in den Top-10-Aktien von 64 Prozent ist daher auch sehr hoch. Anleger sollten allerdings beachten, dass asiatische Aktien derzeit einen Portfolioanteil von ca. 41 Prozent aufweisen, mit einem Schwellenländeranteil von insgesamt 14 Prozent. Mit laufenden Kosten von 1,95 Prozent gehört dieser Fonds zwar ebenfalls nicht zu den günstigsten Vertretern der Kategorie, er verlangt jedoch von Anlegern keine zusätzliche Erfolgsgebühr.

Fazit

Insgesamt lässt sich festhalten, dass sich die Vergangenheitsperformances der Fonds aus der Branchenkategorie Telekommunikation aufgrund ihrer Heterogenität nur schwer vergleichen lässt. Diese ist kein Indikator für die zukünftige Wertentwicklung und daher mit Vorsicht zu genießen. Anleger sollten sich vor der Investition genau überlegen, wie sie in den Sektor investieren möchten. Es stehen im Wesentlichen drei Möglichkeiten zur Verfügung: kostengünstige ETFs, die in hoch konzentrierte europäische oder globale Sektorindizes investieren; globale Fonds, die auch andere Branchen berücksichtigen, dabei aber mehr Kosten verursachen oder globale Sektorfonds, deren regionaler Anlageschwerpunkt über Europa und den USA hinausgeht. //




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Bitte lasse dieses Feld leer.]

Bei unseren Lesern momentan beliebt