„Risiken auf Portfolioebene sinken auf neue Tiefs“

Infolge der Abwertung des US-Dollars ist die Portfolioperformance europäischer Investoren im Jahr 2017 erheblich belastet worden. Dies belegt das „Global Portfolio Barometer“ von Natixis Investment Managers (Natixis). Im Gegensatz dazu konnten US- und lateinamerikanische Portfolios von dieser Entwicklung profitieren.

Für die Aktienmärkte war 2017 ein hervorragendes Jahr. Deshalb überrascht es nicht, dass die Investoren mit den größten Investments in Aktien bessere Ergebnisse erzielt haben als Anleger, die weniger stark auf diese Anlageklasse ausgerichtet waren. In einem Jahr, in dessen Verlauf US-Aktien in US-Dollar gerechnet mehr als 20% zugelegt haben, hätte ein europäischer Investor aber lediglich einen Zuwachs von 6% verbucht, weil der US-Dollar gegenüber dem Euro abgewertet hat. Bei in US-Dollar investierten Anlegern war hingegen genau das Gegenteil der Fall: Europäische Aktien legten auf Euro-Basis zwar lediglich etwa 10% zu, berücksichtigt man aber die Aufwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar, so hätten Dollar-Investoren ein Plus von 25% verzeichnet.

Das Währungsrisiko beschränkte sich jedoch nicht nur auf Aktienallokationen. So deuten die Analysen darauf hin, dass in US-Staatsanleihen investierte Anleger aus Europa in einer vermeintlich sicheren Anlageklasse teilweise sogar zweistellige Verluste erlitten haben, weil sie das Währungsrisiko nicht abgesichert hatten.

Unserer Erfahrung nach sichern Anleger das Währungsrisiko bei Aktien- oder Mischfonds im Allgemeinen gar nicht, bei Rentenfonds zu lediglich rund 50% ab. Das ‚Barometer‘ belegt jedoch, dass es beträchtliche Auswirkungen auf den Gesamtertrag haben kann, wenn man das Währungsrisiko nicht absichert. Falls man weltweit investiert, muss man bei seinen Engagements sowohl die Kursentwicklung internationaler Vermögenswerte als auch die Tendenz der Wechselkurse im Blick haben. Das Währungsrisiko ist auf Portfolioebene eine bedeutende Risikoquelle und oftmals ist den Anlegern das Ausmaß des währungsspezifischen Risikos, das sie eingehen, gar nicht bewusst.

Anleihen legen im Vergleich zu Aktien unspektakuläre Ergebnisse vor

Die Anleihenmärkte verzeichneten zwar insgesamt positive, im Vergleich zu Aktien allerdings unspektakuläre Ergebnisse. Mit Wertentwicklungsbeiträgen von 2,2% bzw. 1,7% profitierten latein- und US-amerikanische Investoren von ihren Anlagen in Anleihen am meisten. Im Gegensatz dazu waren die Performancebeiträge in Deutschland mit 0,2% am niedrigsten. Dies war zweifellos den negativen Renditen deutscher Bundesanleihen geschuldet.

Die Anleihenmärkte der Schwellenländer entwickelten sich im Jahr 2017 recht gut. So gewannen Lokalwährungsanleihen auf US-Dollar-Basis 14% hinzu, während Hartwährungspapiere etwa 10% zulegten. Es überrascht nicht, dass Anleger aus Lateinamerika am stärksten auf dieses Anlagesegment ausgerichtet waren und dementsprechend von dieser Performance auch am meisten profitierten. Insgesamt verbuchten Investoren Zuwächse, die sich in Schwellenländeranleihen engagiert haben und dabei das Währungsrisiko absicherten.

Alternative Investments verzeichneten in sämtlichen Regionen positive Wertentwicklungsbeiträge. Sie entwickelten sich mit Ausnahme Großbritanniens, wo die größte Allokation – Multi-Alternatives – unterdurchschnittlich tendierte, überall besser als die jeweiligen Anleihenmärkte. Die Erträge reichten von 2,4% in Deutschland bis 11,6% in der Schweiz. In den letzten Jahren haben die Anleger ihre Engagements in alternativen Investments wegen ihres Strebens nach Rendite auf Kosten von Anleihen ausgebaut. Im Jahr 2017 hat sich dies im Wesentlichen ausgezahlt. Allerdings ist die Gewichtung in alternativen Investments mit durchschnittlich rund 10% immer noch relativ niedrig, denn die Ausrichtung auf Anleihen beträgt im Vergleich dazu ungefähr 30%.

Sowohl Aktien als auch Anleihen haben sich im Jahr 2017 sehr gut entwickelt. Von den Investoren hören wir jedoch immer häufiger, dass sie nicht wissen, wie sie ihr Kapital anlegen sollen, und diese Entscheidung deshalb zunehmend an Multi Asset-Manager ‚outsourcen‘. Dieser Trend lässt sich auch im Anleihensektor beobachten, wo global ausgerichtete, flexible Fonds beliebt sind aufgrund ihrer Fähigkeit, sich an wechselnde Märkte anzupassen. Die Anleger befürchten nämlich, dass es zeitgleich zu einem Anstieg der Zinsen und einem Einbruch der Aktienkurse kommen könnte.

Risiken auf Portfolioebene sinken auf neue Tiefs

In allen Regionen ist das Risiko auf Portfolioebene im Jahr 2017 gesunken. So wiesen die Portfolios US- und lateinamerikanischer Investoren 2017 eine Volatilität von extrem niedrigen 2% auf, nachdem diese im Jahr 2016 noch bei 6,8% gelegen hatte.

Das in 2017 außerordentlich niedrige Risikoniveau spiegelt sich auch in dem Umstand wider, dass man an den Aktienmärkten auf Basis des VIX-Index* ebenso wenig wie an den Anleihenmärkten (unter Berücksichtigung des MOVE-Index**) derzeit irgendwelche Risiken wahrnimmt, denn diese beiden Indizes sind 2017 auf Rekordtiefs gesunken. Das politische Risiko war 2017 ebenfalls niedriger als erwartet, weil populistische Parteien geringere Auswirkungen auf die Wahlergebnisse in Europa hatten als ursprünglich angenommen. Darüber hinaus profitierten die Anleger von einer synchron verlaufenden Verbesserung der Konjunkturaussichten sowohl in den Industriestaaten als auch in den Schwellenländern. Diese Faktoren trugen dazu bei, die Marktrisiken auf Allzeittiefs nach unten zu treiben. Wie die jüngste Verkaufswelle am Markt aber gezeigt hat, liegt die Phase extrem niedriger Volatilität unserer Meinung nach inzwischen hinter uns, sodass wir es im Jahr 2018 wieder mit dem Faktor Risiko zu tun bekommen werden.

Veränderungen gegenüber 2016

Das „Barometer“ hat einige interessante Veränderungen offenbart, die sich seit Ende 2016 auf Portfolioebene vollzogen haben. So haben die Anleger ihre Engagements in risikobehafteten Anlageformen erhöht – und zwar insbesondere in internationalen Aktien. Auch die Allokationen in Multi Asset-Fonds sind angestiegen, weil die Investoren befürchten, dass die Aktienkurse einbrechen und die Zinsen gleichzeitig steigen könnten. Deshalb übertragen sie die Entscheidungen beim Portfoliomanagement immer mehr auf Externe. Außerdem haben die Anleger ihre Gewichtung in Credits geringerer Qualität reduziert.




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