Rückgang bei Aktien: Verbitterung?

Olivier de Berranger, Chief Investment Officer (CIO) bei La Financière de l’Echiquier, sieht die Stressmomente an den Märkten viel mehr als Chancen, Einstiegspunkte bei bestimmten Themen zu finden und die Bewertungen wieder auf angemessenere Niveaus zurückkehren zu lassen. Doch wie erklären sich die Kursrückgänge?

Zum Ende des ersten Quartals 2018 steht eines fest: Für einen Euro-Anleger liegt keiner der großen Aktienindizes im Plus. Daraus ergeben sich zwei Fragen: Warum dieser Rückgang bei Aktien? Und: Wird das makroökonomische Szenario dadurch infrage gestellt?

Trotz der Rückkehr einer deutlichen Volatilität an den Märkten für Risikoanlagen bleibt unser gesamtwirtschaftlicher Ausblick unverändert. Das Gesamtbild ist nach wie vor ein robustes und synchrones weltweites Wachstum, wobei die Schwellenländer allmählich die Industrieländer ablösen. Zudem erfolgt ein schrittweiser Anstieg der Inflation und der langfristigen Zinssätze – vor allem in den USA. Wir sind weiterhin überzeugt, dass es zu einem Anstieg der Löhne in den USA und der Annäherung der Inflationsrate an den Zielwert von 2 % bis Ende des Jahres kommen wird. Die Äußerungen der Fed gehen trotz der zurückhaltenden Aussagen von Jerome Powell in diese Richtung.

Warum also diese Flaute an den Aktienmärkten? Einerseits war die erste Korrektur Anfang Februar unmittelbar mit der bereits genannten Inflationsfrage verknüpft. Die US-Löhne stiegen überraschend und lösten an den Märkten eine heftige Reaktion aus, was diese Problematik endlich in den Köpfen der Anleger hätte verankern müssen.

Andererseits sind zwei Risiken, die 2017 nicht zur Diskussion standen, erneut aufgetaucht. Zu nennen ist hier vor allem das „Mikro“-Risiko im Technologiesektor, der die Märkte Ende März schwer belastet hat. Die Dynamik eines Sektors oder gar eines Titels, der alle Märkte ins Wanken bringen kann, war ein mitunter in Vergessenheit geratenes Phänomen. Nur wenig überraschend ist jedoch, dass es in dem Sektor mit der höchsten Wertentwicklung und Marktkapitalisierung der vergangenen Quartale wiederauftaucht.

Überdies gibt es vor allem ein politisches und geopolitisches Risiko, das sich im Wesentlichen auf den US-Präsidenten Donald Trump und seinen Protektionismus konzentriert. Es handelt sich hierbei jedoch bisher eher um Positionen als um Maßnahmen, die die Dynamik der Weltwirtschaft ausbremsen könnten. Die Reform bei den Zöllen auf Stahl und Aluminium veranschaulicht es: Die den einzelnen Ländern gewährten Ausnahmen machen fast 70 % der US-Importe aus. Auch wenn die Märkte nicht an die Methode Trump gewöhnt sind, stellt sie dennoch eine Methode für Verhandlungen dar. Die Reaktionen der chinesischen Regierungsstellen auf die Attacken des US-Präsidenten sind zudem vorerst noch moderat. Das Risiko eines umfassenden Handelskrieges erscheint gering. Allerdings ist das Risiko, dass Donald Trump vermehrt populistische Äußerungen bis zu den Halbzeitwahlen tätigt, deutlich höher.

Trotz ihrer negativen Auswirkungen auf die Aktienmärkte stellen diese Aspekte unsere Analyse der gesamtwirtschaftlichen Lage und insbesondere der Robustheit der Weltwirtschaft nicht infrage. Die Stressmomente an den Märkten sollte man daher als das nehmen, was sie sind: Chancen, Einstiegspunkte bei bestimmten Themen zu finden und die Bewertungen wieder auf angemessenere Niveaus zurückkehren zu lassen.




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