Skepsis aufgrund wachsenden US-Haushaltsdefizit

Das US-Haushaltsdefizit bereitet Anlegern zunehmend Sorgen. Eine Marktkorrektur war daher abzusehen und wohl auch längst überfällig, auch wenn wir diesen als gesunden Rücksetzer ansehen, der für neue Impulse sorgen könnte. Matthew Benkendorf, CIO der Quality Growth Boutique von Vontobel Asset Management, kommentiert.

Die jüngste Marktkorrektur hat uns nicht wirklich überrascht. Unserer Ansicht nach war dies unumgänglich, der Zeitpunkt jedoch ungewiss. Die Märkte waren in den letzten Jahren extrem selbstgefällig geworden, was sich in dem starken und steilen Kursanstieg des vergangenen Jahres und im Januar 2018 niederschlug. Doch obwohl die Anleger die Wahrscheinlichkeit der von Volkswirten für dieses Jahr prognostizierten Zinserhöhungen genau verfolgen, sind wir der Auffassung, dass der Markt die Aussicht auf Zinserhöhungen zumindest am kurzen Ende der Kurve nicht ausreichend zur Kenntnis genommen hat. Wir glauben auch, dass der Markt den Anstieg der Inflationsrate, die nahe am Ziel der Fed liegt, nicht vollständig akzeptiert hat. Die geldpolitischen Entscheidungen der Fed deuten zudem darauf hin, dass sich diese innerhalb oder in der Nähe ihres Mandats befindet, was jedoch von den Aktien- als auch den Anleihemärkten eher skeptisch betrachtet wird.

Schließlich haben die Aktienmärkte in den letzten Jahren mehrheitlich gute Nachrichten reflektiert. Dazu gehören die Deregulierung in den USA, ein höheres Beschäftigungs- und Lohnwachstum und die jüngste Steuersenkung. Die andere Seite der Gleichung ist jedoch, dass die Anleger ihre Aufmerksamkeit nun auf schlechte Nachrichten wie das US-Haushaltsdefizit gerichtet haben, das für uns der wichtigste Auslöser für die jüngste Marktkorrektur gewesen ist. Denn mit dem neuen Steuergesetz erhöht die Trump-Administration das ohnehin schon nicht tragfähige Haushaltsdefizit, und der jüngste weitgefasste Haushaltsdeal dürfte es noch weiter ausweiten. Der Markt versucht außerdem die Möglichkeit weiterer Stimmuli für die Infrastruktur zu verdauen – auch wenn die Wahrscheinlichkeit dafür gering ist. Das könnte zu einem noch größeren Defizit führen, es sei denn, Kosteneinsparungen gleichen dies aus. Das würde dem Feuer nur noch mehr Brennstoff zuführen.

Tatsächlich hat das wachsende Haushaltsdefizit das Konzept der „Bond Vigilante“ lange Zeit wieder in den Vordergrund gerückt. Der Ökonom Ed Yardeni prägte diesen Begriff in den 1980er Jahren. Er bezeichnet Investoren, die ihre Positionen verkaufen, um fiskalische Disziplin durchzusetzen. Diese Art von Investoren fehlt schon seit geraumer Zeit, da die Zentralbanken große Abnehmer von Staatsanleihen sind. Allerdings reduzieren die Zentralbanken jetzt ihre stimulierenden Maßnahmen, was sich im Abbau der aufgeblähten Zentralbankbilanzen sowohl bei der US-Notenbank als auch in Europa zeigt. Zudem ist nicht ganz auszuschließen, dass als nächstes Japan und die Bank of England folgen werden.

Wir sind daher der Meinung, dass es sich bei den jüngsten Marktentwicklungen um eine gesunde Korrektur handelt. Denn eine Portion Skepsis, die an die Märkte zurückkehrt, ist eine gute Sache. Bewertungen sollten in einem Umfeld positiver Indikatoren oder fehlender Risiken auf einem bestimmten Niveau liegen. Aber es stimmt auch, dass sie ein neues Gleichgewicht finden müssen, das mehr negative Nachrichten widerspiegelt.

Da sich einige der Bedenken der Anleger bereits in den Vermögenspreisen widerspiegeln, gehen wir davon aus, dass die Märkte künftig schwankungsanfälliger werden. Das anhaltende Umfeld mit niedriger Volatilität war für die Anleger zwar angenehm, die Dynamik jedoch nicht gesund. Der Markt hat die Informationen nicht effektiv verdaut und war daher nicht so effizient, wie er sein könnte.




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