„Substanzwerte mit Aufholpotenzial“

Wie stets ums Value? Holger Krohn, Leiter Vertrieb Institutionelle Deutschland bei Swisscanto Asset Management, gibt seine Einschätzungen zu den aktuellen Entwicklungen.

Die Unberechenbarkeit im globalen Handelsstreit bleibt ein beachtlicher Einflussfaktor auf die Aktienmärkte und dürfte im weiteren Jahresverlauf nicht spurlos an der US-Wirtschaft, anderen Wirtschaftsräumen und den Finanzmärkten vorbeigehen. Ein Blick auf die Vorlaufindikatoren zeigt, dass die handelspolitische Unsicherheit bereits am Ausblick der Unternehmen zu nagen beginnt, was zur Verschiebung von Investitionen und Neueinstellungen führen könnte. Spätestens mit der Ausweitung der Zölle auf die gesamten Importe aus China werden auch die US-Konsumenten die Auswirkungen des Handelsstreits zu spüren bekommen. Für Investoren ist es nun umso wichtiger bei der Aktienauswahl genau zu prüfen, welche Einflussfaktoren zu einem Investitionserfolg führen können.

Value im Rückstand

Im bisherigen Jahresverlauf konnten insbesondere attraktiv bewertete Titel die Erwartungen nicht erfüllen. Diese so genannten Substanzaktien liegen in allen Regionen hinter dem Gesamtmarkt zurück. Als Konsequenz sind sie im Vergleich zu Wachstumstiteln (Growth) so günstig zu haben wie schon lange nicht mehr. Einzig in der Dotcom-Blase bewegten sie sich auf noch tieferem Niveau. Aktuell weisen die günstigsten Titel (Value) ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von etwa zwölf auf, während für die teuersten Titel (Growth) ein Wert von zirka 28 gilt. Hieraus ergibt sich eine Differenz von minus 16. Und je negativer dieser Wert ist, umso günstiger werden Value-Titel relativ gehandelt. Entsprechend verfügen Substanzwerte über Aufholpotenzial.

Die Konjunkturentwicklung, welche sich auch im Anlagejahr 2018 bisher freundlich zeigt, erklärt mitunter das vorherrschende Faktorbild. Erfahrungsgemäß entwickeln sich Value-Titel in einem solchen Umfeld und bei nur allmählich steigender Inflation weniger stark als Wachstumsaktien. Daneben drückt wohl die Verflachung der Zinskurve auf die Margen prominenter Value-Vertreter – namentlich der Banken. Schließlich ist die ununterbrochen starke Kursentwicklung hoch bewerteter Titel, allen voran im IT-Sektor, augenfällig. Ob die mit diesen Unternehmen verbundene Euphorie auf lange Sicht gerechtfertigt ist, bleibt abzuwarten.

Gute Aussichten

Die makroökonomischen Vorzeichen stützen den Value-Faktor in der kurzen Frist nur bedingt. Allerdings sind die Renditeaussichten langfristig betrachtet äußerst vielversprechend. So schlugen Value-Titel ihre Wachstumskontrahenten im Vergleich seit 1975 deutlich. Dies unterstreicht auch die relative Stärke des MSCI World Value Index zum MSCI World Growth Index. Aktuell bedeutet der Wert von etwa zwei, dass sich Value-Aktien seit 1974 doppelt so gut entwickelt haben wie Growth-Titel. Zusammen mit der historisch tiefen Bewertung stellt Value momentan den attraktivsten Stil dar.

Unsere fundamentalen Portfolios zeichnen sich aus durch ein Übergewicht in Qualitätstiteln mit tiefer Bewertung. Gleichzeitig besteht ein Untergewicht in teuren Titeln mit niedriger Qualität. Gleiches gilt – nebst positiven Momentumeigenschaften – auch für unsere quantitativen aktiven Portfolios. Dies erfordert im aktuellen Umfeld Durchhaltevermögen, entspricht aber genau unserer langfristigen Anlagephilosophie. In der Überzeugung, dass Bewertungen im Zeitablauf wieder gegen ihren Mittelwert tendieren, bleiben wir unserem Ansatz treu. Damit zeigen wir uns nicht nur für eine sich abzeichnende Konjunkturverlangsamung gewappnet, sondern berücksichtigen auch die Empirie, dass langfristig orientierte Investoren mit einem disziplinierten Quality-Value-Ansatz signifikante Überrenditen erzielen.




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