Technologische Vorreiter: Das Wachstum beschleunigt sich

Zwar haben Technologiewerte kurzfristig eingebüßt, aber langfristig bleiben sie wohl ein treibender Faktor für die Rendite. Frank Schwarz, Portfoliomanager des MainFirst Global Equities Fund, kommentiert.

Die jüngsten Kursrücksetzer bei Technologietiteln könnten Anlegern, die von strukturellen Wachstumstrends profitieren möchten, attraktive Einstiegsmöglichkeiten bieten. Zu dieser Einschätzung kommt Frank Schwarz, Portfoliomanager des MainFirst Global Equities Fund, nachdem der MSCI World Information Technology Index im Oktober um rund zwölf Prozentpunkte nachgab. Er spricht von einer temporären Korrektur, die auf Unsicherheit und Gewinnmitnahmen in der laufenden Reporting-Saison beruhe. Mit einem durchschnittlichen organischen Umsatzwachstum von 28 Prozent bei seinen Portfoliounternehmen in der aktuellen Saison sei der wichtigste Indikator weiterhin intakt. Schwarz rechnet langfristig mit steigenden Gewinnmargen und mit zweistelligen Wachstumsraten bei technologischen Vorreitern – auch abseits von Facebook, Amazon und Alphabet (Google).

„Steigende Rechenleistung bei gleichzeitig fallenden Produktionskosten ist ungebrochen der größte Wachstumstreiber bei technologischen Neuerungen“, sagt Schwarz. Ein Beispiel: Smartphones besitzen heute nicht nur mehr Speicherkapazität als ein klassischer Desktop-PC vor 15 Jahren. Jeder einzelne Byte Speicher wird auch günstiger produziert: Kostete beispielsweise die Herstellung eines Gigabytes Speicherplatz 1957 noch rund zwei Millionen US-Dollar, sind es heutzutage gerade einmal 0,02 US-Dollar. „Die gleiche Entwicklung ist auch bei aktuellen Innovationen wie etwa Batterien von Elektroautos oder im 3D-Druck festzustellen, die erst am Anfang ihrer Entwicklung und Nutzung stehen“, berichtet der Fondsmanager. So seien die Produktionskosten von Elektroauto-Batterien in den vergangenen zwölf Jahren um ein sechsfaches gefallen, die Kosten im 3D-Druck sogar um den Faktor 400 – innerhalb von nur sieben Jahren.

Informationstechnologien als Wachstumsbeschleuniger

Der technologische Wandel schreitet nicht einfach nur fort, sondern beschleunigt sich fortlaufend. In der Informationswissenschaft wird dies etwa mit dem Mooreschen Gesetz erklärt. Es besagt, dass sich die Rechenleistung alle zwei Jahre verdoppelt, was auf eine Verdopplung der Transistoren in einem integrierten Schaltkreis zurückgeführt wird. Einzig die Grenzen der Physik schränken dieses Wachstum ein. Laut Ray Kurzweil, Director of Engineering bei Google, ermöglichen es jedoch neue Technologien, diese physikalischen Grenzen zu überwinden. Er postuliert daher in seinem Gesetz vom steigenden Ertragszuwachs („Law of Accelerating Returns“), dass sich die Leistung sogar jedes Jahr zu verdoppeln beginnt, sobald die Informationstechnologie die Triebkraft für Innovationen ist.

„Vom immer schnelleren technologischen Fortschritt profitieren nicht nur die Endnutzer. Gewinner sind auch die Unternehmen, die den steigenden Datenbedarf in technologischen Trends befriedigen und somit den Fortschritt ermöglichen“, so Schwarz. So beispielsweise Nvidia, das als einer der größten Entwickler von Grafiktechnologien und Chipsätzen zuletzt einen Rekordzuwachs auswies. Allein die Rechenzentrumssparte konnte im zweiten Quartal 2018 einen Zuwachs von 83 Prozent verzeichnen. Auch langfristig gehöre Nvidia mit seinen neuesten Entwicklungen zu den Vorreitern: „Die aktuellste Nvidia-Grafikkarte ist sechsmal so leistungsstark wie sein Vorgängermodell. Mit vollständig neuartigen Technologien bietet sie Einsatzmöglichkeiten über die Unterhaltungsindustrie hinaus“, sagt Schwarz. Nvidia bediene mittlerweile auch Absatzmärkte wie künstliche Intelligenz, autonomes Fahren und die Medizindiagnostik: „Die Grafikkarte kann beispielsweise in der Biophotonik zur Krebserkennung eingesetzt werden“, sagt Schwarz.

Ähnlich wie Smartphones und Big Data heute das Wirtschaftswachstum antreiben, dürften strukturelle Wachstumstrends wie Automatisierung, künstliche Intelligenz und Elektromobilität die zukünftige Konjunktur prägen. Schwarz sieht entsprechend positionierte Vorreiter-Unternehmen daher trotz temporärer Kursvolatilitäten als attraktive Renditequellen, die langfristig hohe Wachstumsraten aufweisen dürften.




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