Verhinderte Jahresendrallye

Anleger, die auf eine Jahresendrally hoffen, warten bisher vergebens. Damit sie noch vor Silvester eintreten kann, müsste Donald Trump seine protektionistische Handelspolitik lockern.

Es scheint sich alles gegen die langerhoffte Jahresendrally verschworen zu haben. Bei den seit Monaten schwelenden Krisenherden US-Handelsstreit, Italien, schwankende Schwellenländer wie Türkei oder Argentinien oder die verschiedenen Sanktionsfelder, wie der Iran, werden nur mühsame Fortschritte gemacht und Lösungen für diese Probleme scheinen fern. Darüber hinaus müssen die Finanzmärkte erkennen, dass der Ukraine-Russland-Konflikt bei weitem nicht gelöst ist. Im Gegenteil, die Spannungen steigen und es drohen kriegerische Auseinandersetzungen. Kein Wunder, dass Stimmungsindikatoren wie der europäische Einkaufsmanagerindex oder der deutsche ifo-Geschäftsklimaindex weiter nachgeben und sich abkühlen. Aber nach wie vor verharren diese Indikatoren in einem Bereich, der immer noch Wachstum anzeigt. Das erklärt, warum die Aktienmärkte sich derzeit in einer Seitwärtstendenz einigeln, die sich auf einem gedrückten Niveau befindet. Die Bedingungen, welche die Handbremsen für die Jahresendrally lösen könnten, sind bekannt. Doch sie wollen nicht eintreten.

US-Protektionismus verschiebt Jahresendrally

Währenddessen erweist sich der US-Präsident wieder einmal als besonders begabter Verhandlungsführer. Kurz vor den Gesprächen mit der chinesischen Delegation über die Handelszölle gibt er bekannt, dass das Ergebnis bereits mehr oder weniger feststeht: Die Zollerhöhung von zehn Prozent auf 25 Prozent bei bereits mit Zöllen belegten Waren kommt und die restlichen Einfuhren aus China will er gleichfalls mit Zöllen belegen. Die Quittung für diese Strategie kommt bereits. Selbstverständlich erhöhen die Zölle die Kosten für US-amerikanische Unternehmen und Verbraucher. Und ebenso selbstverständlich wird das sensible internationale Lieferketten-Geflecht auch von US-Unternehmen empfindlich gestört. Nachdem der Motorrad-Hersteller Harley-Davidson angekündigt hatte, will nun auch der Automobil-Gigant GM drastisch sparen. Das beinhaltet Werkschließungen, die etwa 15.000 Arbeitsplätze kosten werden. Donald Trump versucht, die Schuld von sich zu weisen, aber die Auswirkungen seiner protektionistischen Handelspolitik beginnen erst, sich zu zeigen.

Die Jahresendrally wird sich wohl über Silvester hinaus verschieben; oder zumindest so weit, bis der ein oder andere populistische Regierungschef, ob nun in den USA oder Italien, zur Vernunft kommt.




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