Wachsende Risiken erfordern größere Vorsicht

Welche Risiken stehen im Anlegerfokus? Quentin Fitzsimmons, Portfoliomanager Global Fixed Income bei T. Rowe Price, sieht mögliche politische Risiken in den USA, Europa und einigen Schwellenländer. Auch die Zentralbanken können eine zentrale Rolle spielen.

Die geldpolitischen Maßnahmen der großen Zentralbanken dürften in der zweiten Jahreshälfte verstärkt prüfende Blicke auf sich ziehen, wenn Investoren nach weiteren Anzeichen dafür suchen, dass die Ära der expansiven Geldpolitik zu Ende geht. Die Erwartung, dass die Europäische Zentralbank auf einen Kurs der geldpolitischen Normalisierung zurückkehrt und die US-amerikanische Notenbank sowie die chinesische Volksbank ihre geldpolitischen Straffungsmaßnahmen beibehalten, kann eine Rückkehr der Volatilität mit sich bringen. In diesem zunehmend unsicheren Umfeld sei ein vorsichtiger Ansatz für festverzinsliche Wertpapieranlagen erforderlich, der sich vor allem auf Schwellenmärkte und sehr selektiv auf Unternehmensanleihen aus entwickelten Ländern konzentriere.

Verblassender „Trump-Effekt“ senkt Erwartungen – US-Unternehmensanleihen bieten dennoch Chancen

Als Donald Trump im vergangenen November zum US-Präsidenten gewählt wurde, kam es zu einem Ausverkauf an den US-amerikanischen Rentenmärkten angesichts der damals erwarteten Steuerkürzungen, regulatorischen Reformen und massiven Infrastrukturprogramme. Allein: Die zuletzt sichtbaren Schwierigkeiten des Präsidenten, den Kongress von seinen Ideen zu überzeugen, haben die anfänglichen Erwartungen der Märkte gedämpft. Und die Anleger haben begonnen, eine Umsetzung der geplanten Agenda als unwahrscheinlicher zu betrachten. Zugleich betont er, dass das Gewinnwachstum der US-Unternehmen weiterhin sehr stark erscheint: Für die nächste Zeit erwarten wir keine Ausfälle bei US-Unternehmensanleihen. Dies bietet die Möglichkeit, in Unternehmen mit soliden Fundamentaldaten zu investieren, sofern sie attraktiv bewertet sind.

Renditen bleiben in Europa wohl auch künftig niedrig

Die Zinswende in Europa ist zwar ein Thema, dass Anleger mit einiger Vorsicht beobachten sollten, dennoch dürfte Fitzsimmons zufolge die Europäische Zentralbank (EZB) die wirtschaftliche Erholung der Eurozone nicht durch aggressive Maßnahmen aufs Spiel setzen wollen. Für die europäische Zentralbank ist es momentan schwieriger, ihre expansive Geldpolitik zu drosseln als für die Fed in den USA. Im Gegensatz zu ihren US-amerikanischen Amtskollegen müssten die EZB-Verantwortlichen die Auswirkungen ihrer Aktionen nicht nur auf ein Land, sondern auf viele Nationen mit großen Unterschieden in der Kreditqualität berücksichtigen. Solange die EZB es vermeidet, die Märkte mit unerwarteten Maßnahmen zu überraschen, dürften die Renditen in Europa für den Rest des Jahres niedrig bleiben.

Hinzu komme in Europa die politische Ungewissheit angesichts des Wahlergebnisses aus dem Vereinigten Königreich – die Konservativen hatten im Juni ihre absolute Mehrheit im Unterhaus verloren. Während das Ergebnis dazu führen könnte, dass die britische Regierung nun einen pragmatischeren Ansatz für die Brexit-Verhandlungen verfolgt, dürften die Bedenken in der Innenpolitik die Anlegerstimmung belasten. In vielerlei Hinsicht sei Europa heute aber in einer stärkeren Position als Anfang 2017. So scheiterten die Rechtspopulisten bei den Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich. Das Wirtschaftswachstum ist auf dem Kontinent stark, das Vertrauen der Unternehmen ist hoch – dies spiegelt sich in einer zunehmenden Investitionsbereitschaft wider. Wie in den USA erwirtschaften auch die Unternehmen in Europa hohe Gewinne. Dies bietet fundamental orientierten Investoren Chancen, die in der Lage sind, attraktiv bewertete Unternehmen mit starken Fundamentaldaten zu identifizieren.




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