Warum OXFAM falsch liegt

Didier Le Menestrel, Verwaltungsratsvorsitzender des französischen Vermögensverwalters La Financière de l’Echiquier (LFDE) erläutert, warum der den aktuellen OXFAM-Bericht für „intellektuell unredlich“ hält.

Jedes Jahr prangert die Nichtregierungsorganisation Oxfam den Kapitalismus an, so auch im aktuellen Bericht für 20181. Darin wird die übertriebene Großzügigkeit der im französischen Aktienindex CAC 40 notierten Unternehmen zugunsten ihrer Aktionären moniert, während gleichzeitig die ungleiche Verteilung von Gewinnen zum Nachteil der Beschäftigten und des Staates herausgestellt wird.

„Man darf unseren Mitbürgern kein dummes Zeug erzählen“, sagte der französische Emmanuel Macron am 12.4.2018 dem Fernsehsender TF1.

Die Darstellungen dieser Nichtregierungsorganisation sind intellektuell unredlich. Die Verteilung des Mehrwerts liegt allen, die an der Entwicklung von Unternehmen beteiligt sind, besonders am Herzen. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Der Mehrwert stellt, wie der Name schon sagt, die Wertschöpfung des Unternehmens dar. Um deren Nachhaltigkeit zu sichern, muss diese Wertschöpfung stets harmonisch zwischen all jenen verteilt werden, die sie ermöglichen, d. h. zwischen den Arbeitern und Angestellten, dem Unternehmen selbst (Investitionen), den Banken und schließlich dem Staat und den Aktionären. Die beiden Letztgenannten kommen dabei erst nach der zwingenden Befriedigung der drei wichtigsten Produktionsfaktoren.

Diese Erläuterung lässt sich leicht durch Zahlen untermauern. Die volkswirtschaftlichen Kennzahlen erfassen jedes Jahr die Wertschöpfung in einem Land. Wie hat sich diese im Laufe der Zeit entwickelt? Der Wirtschaftsexperte Jean-Marc Daniel erinnert daran, dass 1949 50 % der Wertschöpfung eines Unternehmens auf die Löhne entfielen. Dieser Anteil stieg 1981-1982 auf einen überhöhten Stand von fast 80 %, pendelte sich danach aber wieder auf einem angemesseneren Niveau ein. Seit 2008-2009 tendiert der Anteil der Löhne kontinuierlich aufwärts und erreichte 2014 59 % der Wertschöpfung. Der Anteil des in Form von Dividenden wieder ausgeschütteten Mehrwerts lag 1998 bei 4,6 % und 2015 bei rund 10 %. Dieser Anstieg hing mit den rückläufigen Bankkosten und den Anstrengungen der öffentlichen Hand zusammen, die Steuerlast für Unternehmen nicht weiter zu erhöhen.

Aber ungeachtet dessen verzichtet der Staat nicht darauf, sich den Löwenanteil des Nettogewinns von Unternehmen einzuverleiben, wie der Wirtschaftsmanager und -kommentator Xavier Fontanet vor Kurzem sehr deutlich geschildert hat.3 „Für einen Nettogewinn von 100 EUR benötigt man 153 EUR, auf die der Staat 53 EUR Körperschaftssteuer erhebt. Danach schüttet das Unternehmen 50 EUR Dividende (von der 15 EUR an den Staat fließen) aus, die übrigen 50 EUR bleiben im Unternehmen.“ Der Staat streicht folglich 44 % des Gewinns (68/153) ein, während das Unternehmen 33 % behält und der Aktionär unter dem Strich nur 23 % erhält.

Die Unredlichkeit des Oxfam-Berichts hat aber auch etwas Gutes bewirkt, da sich kluge und informierte Stimmen erheben, um einen Irrglauben auszuräumen: Die Vergütung der Aktionäre stellt keinesfalls den Hauptposten der Unternehmensausgaben dar. Daher müssen wir unablässig kämpfen und erklären, dass Investieren in Unternehmen vernünftig ist, und daran erinnern, dass langfristige Aktienanlagen die beste Option zum individuellen Vermögensaufbau und für die Rente sind.

Die „Bienenfabel“ von Bernard Mandeville veranschaulicht ebenfalls die Stärke der Karikatur. Darin beschreibt Mandeville ein System, das prosperiert, weil „all diejenigen, die sich vor der einfachen Arbeit scheuen, es schaffen, aus der Arbeit ihrer Nächsten Gewinn zu schlagen“. Böse Zungen werden dies als Angriff auf den Kapitalismus werten, obwohl nachgewiesen ist, dass das private Interesse auch dem Allgemeinwohl zugutekommt.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Bitte lasse dieses Feld leer.]

Bei unseren Lesern momentan beliebt