Was Europas Mittelstand denkt

Wie bewertet der europäische Mittelstand seine Situation? Eine aktuelle PwC-Studie ging der Frage nach – das Ergebnis spiegelt eigentlich ein positives Geschäftsklima wider. Aber drei Risiken könnten sich allerdings als starke Wachstumsbremsen erweisen.

Sowohl in Deutschland als auch in anderen europäischen Staaten ist der Mittelstand ein wichtiger Gradmesser für die wirtschaftliche Situation der Volkswirtschaften. Grund genug, um die Frage zu stellen, was den europäischen Mittelstand aktuell besonders bewegt.

Dazu befragte die Beratungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers (PwC) für den European Private Business Survey 2.447 Unternehmer aus 31 europäischen Ländern, darunter befanden sich auch 371 deutsche. Die Studie untersuchte im Wesentlichen die Einschätzung mittelständischer Gesellschafter zum Geschäftsklima, Wachstumsstrategien und Risiken für die eigenen wirtschaftlichen Tätigkeiten.

Unternehmer sehen Geschäftsklima optimistisch

Der europäische Mittelstand bewertet seine Wirtschaftslage als außerordentlich positiv, somit liegt das Geschäftsklima wieder auf dem Vorkrisenniveau. Der Mittelstand aus Staaten, die durch die Finanzkrise besonders betroffen waren, schaut ebenso zuversichtlich auf die eigene Geschäftslage. Demnach schätzen 97 Prozent der europäischen Mittelständler ihre Lage als positiv ein.

Etwa 70 Prozent der befragten Unternehmer gehen davon aus, dass sie in den nächsten sechs Monaten ihre Geschäfte weiter ausbauen. Mittelfristig schwindet diese Zuversicht allerdings. Demnach sinkt der zuversichtliche Anteil europäischer Unternehmer auf durchschnittlich etwa 65 Prozent.

Europäer setzen auf Heimatmärkte    

Europäische Unternehmen setzen auf ihre Heimatmärkte sowie den EU-Binnenmarkt als Wachstumstreiber. Allein britische Unternehmen schätzen den Weltmarkt als wichtigsten Impulsgeber ein. Deutsche Unternehmen sehen die Chancen am Weltmarkt am ehesten pessimistisch. Diese Einschätzungen rühren

Wachstumsstrategien: Digitalisierung auf Platz 3

Die Studie zeigt außerdem, dass der europäische Mittelstand im Bereich Digitalisierung noch Nachholbedarf hat. Die digitale Transformation liegt in der Präferenz bei der Wahl der Wachstumsstrategie hinter einem erweiterten Produkt- oder Leistungsportfolios und dem Fokus auf das inländische Umsatzwachstum.

„Mittelständische Unternehmen unterschätzen noch immer die disruptive Kraft des digitalen Wandels. Die Digitalisierung ist kein ,Kann‘, sondern ein ,Muss‘ – jedes Unternehmen ist davon betroffen. Unternehmen, die das volle Potenzial der Digitalisierung ausschöpfen wollen, müssen ihr Geschäftsmodell ganzheitlich hinterfragen, aber dabei auch die Risiken im Blick behalten“, kommentiert Olaf Acker, PwC EMEA Digital Services Leader, die Situation.

Die drei größten Wachstumsrisiken

Das positive Geschäftsklima wirkt sich auf den Arbeitsmarkt aus: Die Arbeitslosenzahlen sind die letzten Monate gesunken. Der europäische Mittelstand hat daran einen signifikanten Anteil, denn er treibt die Nachfrage nach Fachkräften. 48 Prozent der europäischen und 57 Prozent der deutschen Unternehmen planen, in den nächsten zwölf Monaten ihre Mitarbeiterzahl um mindestens drei Prozent zu erhöhen.

Mit der steigender Nachfrage nach qualifizierten Mitarbeitern steigt auch die Sorge keine Fachkräfte finden zu können. Der Fachkräftemangel wird als zentrales Wachstumsrisiko eingeschätzt. In Deutschland gaben gar 60 Prozent der Unternehmen an, dass es der Mangel an Fachpersonal die Wachstumspotenziale drosseln könnte.

„Der Mangel an Top-Talenten ist ein erheblicher Wettbewerbsnachteil für den Mittelstand. Er braucht sie dringend, um seine Innovationskraft zu stärken und die Digitalisierung voranzutreiben“, sagt Dr. Peter Bartels, Vorstand für Familienunternehmen und Mittelstand PwC Europe.

Die Umsatzverluste durch Fachkräfte können auch quantifiziert werden. Demnach gehen den Unternehmen in den EU-Staaten sowie Norwegen, Schweiz und der Türkei rund 324 Milliarden Euro an Umsätzen verloren.

Als weitere Wachstumsbremsen gelten die Defizite beim Ausbau des Breitbandinternets als auch strenge regulatorische Normen und Bürokratie.




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