„Weltweites Wachstum wird vom Euroraum getragen“

Jean Charles Meriaux, CIO von DNCA Investment, stellt seine Investmentstrategie vor und kommentiert die aktuelle Marktsituation.

Das Wachstum im Euroraum hält wieder Schritt mit den USA

Das Weltwirtschaftswachstum befindet sich auf einem 10-Jahres-Hoch und gibt Anlass für weiterhin positive Prognosen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat ihre Prognose für den Euroraum für 2018 von 1,8% auf 2,3% angehoben, während die US-Notenbank (Fed) ihre Schätzung für das Jahr von 2,1% auf 2,5% angehoben hat. Die Vorlaufindikatoren deuten nach wie vor auf einen starken Trend hin und bieten eine hervorragende Visibilität für das erste Halbjahr, wobei der Ifo beispielsweise auf einem Allzeithoch verharrt.

Die Produktionslücke hat sich geschlossen und der Arbeitsmarkt zeigt bereits erste Anzeichen von Spannungen in den stärksten Ländern (USA und Deutschland, aber auch in den Nachbarländern wie Polen, Ungarn usw.). Die Arbeitslosigkeit wird weiter sinken, und fast 100.000 Arbeitslose in der Eurozone werden jeden Monat eine Arbeit finden und einen Beitrag zum Wirtschaftswachstum leisten.

Auch in Europa sind die Produktionskapazitäten gut ausgelastet, und wir werden erhebliche Investitionen getätigt sehen. Wir stehen der Wirtschaft des Euroraums, insbesondere Frankreichs, sehr positiv gegenüber. Das Wachstum im Euroraum hat die USA seit Ende 2015 überflügelt, und auch für 2018 werden beide wohl wieder Kopf an Kopf liegen. Im Jahr 2018 werden die Wertentwicklungen, im Gegensatz zu den USA und Japan, zum ersten Mal seit 25 Jahren nicht von Haushaltsdefiziten oder Konjunkturmaßnahmen bestimmt.

Frankreich bietet die deutlichste politische Transparenz, und wir erleben eine Dynamik und einen seit mehr als zehn Jahren unerreichten wirtschaftlichen Kontext, bei gleichzeitig hohen Vertrauenswerten.

Auch das japanische Wachstum scheint sich zum ersten Mal seit 25 Jahren wieder nachhaltig zu erholen. Inzwischen verlangsamt sich das Wachstum in China zwar allmählich, wird aber immer noch geschickt gesteuert. In den Schwellenländern hat sich die Situation zwar verbessert, aber das Wiederaufleben protektionistischer Tendenzen stellt in einigen Märkten nach wie vor eine potenzielle Bedrohung dar.

Das Thema Inflation, das in den letzten zehn Jahren von den Märkten untergewichtet wurde, wird 2018 im Mittelpunkt stehen. Die Preise werden allmählich steigen, wobei der Anstieg in den USA, die im Konjunkturzyklus weiter vorne liegen, voraussichtlich stärker ausfallen wird. Eine leichte Wiederbelebung der Inflation dürfte es den Zentralbanken wahrscheinlich ermöglichen, den Nachweis zu erbringen, dass sie die richtige geldpolitische Rahmenentwicklung gewählt haben, und ihre bisherigen Maßnahmen zu rechtfertigen. Jetzt ist die Stunde der Wahrheit gekommen, in der sie ihre Glaubwürdigkeit weiter stärken können.

Die Zentralbanken führen eine vorsichtige geldpolitische Normalisierungspolitik mit wachstumsfördernder Tendenz durch.

Alle Kapitalabflüsse aus dem Euro-Währungsgebiet sind mit Risiken behaftet, das war auch in den vergangenen zwei Jahren unsere Haltung. Mit einem Doppeldefizit von mehr als 6% des BIP in den USA könnte der Dollar in zwölf Monaten schwächer werden. Im gesamten Euroraum, mit Ausnahme von Frankreich, verzeichnen wir einen nahezu doppelten Überschuss – Leistungsbilanz und Fiskalpolitik. Der Euro ist stark und wird mittelfristig an Wert gewinnen.

“Chi va piano va sano e va lontano”. Der langsame, aber stetige Trend zur monetären Restriktion ist ein Zeichen dafür, dass sich die Dinge wieder normalisieren. Die Zentralbanken versuchen sicherzustellen, dass das Öl, das sie in die Zahnräder des Wachstumsapparates geben, nicht ein Feuer anfacht, und ihre Herausforderung wird vielleicht darin bestehen, etwas weniger vorhersehbar zu werden, um aufkommende Asset-Blasen abzuwehren.

Das Risiko-Rendite-Verhältnis ist für Anleihen wenig attraktiv. Obwohl wir nicht davon ausgehen, dass es zu einem Crash an den Rentenmärkten kommen wird, bleiben wir bei dieser Anlageklasse, die eine Untergrenze bei den Renditen nahezu erreicht zu haben scheint, weiterhin vorsichtig. Staatsanleihen werden jedoch angesichts ihrer Sicherheit und Knappheit teuer bleiben, aber ihre Entkopplung von Aktien verleiht ihnen im Hinblick auf die Portfoliodiversifikation einen verdienten Platz in jeder Asset Allocation. Inflationsgebundene Wertpapiere sollten im Vorlauf einer erneuten, wenn auch moderaten Inflation begünstigt werden.

Bei Unternehmensanleihen kommt es zu einem Aufbau von Liquidität, Volatilität und Ausfallrisiko: So weist beispielsweise die sicherere Investment-Grade-Kategorie7 bei kurzen Laufzeiten von drei bis fünf Jahren nur eine Nominalrendite von 0,2% auf. Der Schlüssel zur Wertsteigerung im Jahr 2018 liegt in der Flexibilität, insbesondere bei den Emittenten von Wandelschuldverschreibungen.

Umgekehrt dürfte die fortschreitende allmähliche Normalisierung der Geldpolitik die Anleger ermutigen, an den Aktienmärkten weitere Risiken einzugehen. Außergewöhnliche wirtschaftliche Fundamentaldaten sind gute Nachrichten für Aktien aus dem Euroraum. Die Aktienbewertungen sehen nicht übertrieben aus, mit einem geschätzten P/E8 von 14,5x im Jahr 2018. Wir sind nach wie vor fest davon überzeugt, dass Value-Aktien, die zu einem EV/EBITDA9 unter dem historischen Durchschnitt gehandelt werden, eine gute Ausgangsposition haben.




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