Wie belastet sind die Märkte?

Die Münchner Privatbank Merck Finck hat ihre Aktiengewichtung von „leicht übergewichten“ auf „neutral“ zurückgenommen. „Diesem Schritt liegt unser Drei-Säulen-Ansatz zugrunde, der auf Fundamental-, Sentiment- und Risikoanalyse beruht. In der Herabstufung spiegelt sich eine Verschlechterung aller drei Säulen wider“, erläutert Robert Greil, Chefstratege von Merck Finck.

Auf der Fundamentalseite sei das anhaltend robuste globale Konjunkturbild bereits vollständig in den Märkten eingepreist. Seit gut einem Monat habe sich zudem das Umfeld eingetrübt, weil das Risiko eines Handelskonflikts zugenommen habe. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Aktienmärkte erst einmal weiter konsolidieren, hat deutlich zugenommen. Technische Indikatoren, deuteten zudem auf gestiegene Risiken an der Wall Street hin. Letztendlich hat das geopolitische Risiko deutlich zugenommen, insbesondere im Hinblick auf einen protektionistisch motivierten weltweiten Handelskrieg. Aufgrund dieser Unsicherheiten sowie angesichts der Unberechenbarkeit der jüngsten Kursentwicklungen ist die erwartete Volatilität stark gestiegen. Im April seien neben der ab Monatsmitte anlaufenden Quartalszahlensaison insbesondere gute, das solide Bild bestätigende Konjunkturdaten wichtig.

Aktuelle Entwicklungen: Handelskonflikt, Konjunktursorgen, Notenbankpolitik belasten Märkte

Nach einer zwischenzeitlichen Erholung in der zweiten März-Hälfte sind die Aktienmärkte zuletzt erneut unter Druck geraten. Dafür gibt es drei Gründe: Erstens haben die USA ihre Zolldrohungen verschärft. Damit einhergehend bestehen zweitens Ängste hinsichtlich des weltweiten Wirtschaftswachstums; die Unternehmensstimmung hat sich in Europa, aber auch in anderen Regionen bereits verschlechtert. Drittens hält die Normalisierungspolitik der Notenbanken weiter an.

Dabei hatte das Jahr vielversprechend begonnen. Der Euroraum verzeichnet weiter überdurchschnittliches Wachstum, wenngleich einige Umfragen – vor allem hinsichtlich Frühindikatoren – etwas schwächere harte Daten andeuten. So hatte sich auch Chinas Unternehmensstimmung zu Jahresbeginn etwas abgeschwächt – genauso wie die Dynamik der Einzelhandelsumsätze. Die japanische Wirtschaft wird durch das solide globale Wachstum getragen und dürfte weiterhin über ihrem Potential zulegen.

Der Inflationstrend gibt nach wie vor Rätsel auf. Europa meldete erneut unerwartet geringe Preissteigerungen. In den USA schlagen sich die Erwartungen eines anziehenden Inflationstrends noch nicht in den Daten nieder. In Japan bewegte sich die Inflationsrate (ohne Nahrungsmittel und Energie) in den zwölf Monaten bis Januar hartnäckig auf einem äußerst niedrigen Niveau von maximal 0,1 Prozent, bevor sie im Februar leicht anzog.

Aktien: vorsichtigere Positionierung // Anleihen: weiterhin untergewichtet

Weltweit tendieren die Unternehmensgewinne weiterhin nach oben, wenngleich die Gewinnrevisionen für Europa seit Jahresbeginn nachgelassen haben. Mit Blick auf die Zahlen erscheint Japan global als die beste Region. Das Gesamtbild liefert derzeit kein überzeugendes Argument dafür, Europa noch gegenüber den USA zu bevorzugen. Mit unserer insgesamt vorsichtigeren Aktienpositionierung halten wir jetzt zudem ein ausgewogeneres Verhältnis von zyklischen zu defensiven Werten für angebracht. Innerhalb Europas bevorzugen wir weiterhin Small Caps gegenüber Large Caps.

Anleihen sind insgesamt teuer. Unternehmensanleihen bleiben attraktiver als Staatsanleihen, haben aber gegenüber dem Vorjahr ein wenig von ihrer Attraktivität eingebüßt. Die größten Risiken sind politischer Natur – wie etwa ein möglicher Handelskrieg – oder bestehen in der Gefahr einer aus dem Ruder laufenden Verkaufswelle an den Anleihenmärkten, wenn die Zentralbanken keine Liquidität mehr bereitstellen. Zusammen mit dem Risiko steigender Renditetrends bleiben wir daher in Anleihen untergewichtet, vor allem in Staatsanleihen.

Währungen: Dollar-Schwäche dürfte mittelfristig anhalten // Rohstoffe: Preisrückgänge bei Industrierohstoffen

Die jüngsten Marktturbulenzen haben den kurzfristigen Ausblick für den US-Dollar in Frage gestellt. Der Greenback hat es nicht geschafft, als Reaktion auf die robusteren US-Wachstumsaussichten und die Marktturbulenzen deutlich zuzulegen. An der Schwäche des US-Dollars und der Stärke des Euros dürfte sich daher wenig ändern.

Einige Industrierohstoffe, wie beispielsweise Kupfer, verzeichneten Preisrückgänge, aber nicht in einem Maße, das Anlass gibt, sich über eine nachlassende weltweite Nachfrage Gedanken zu machen. Im Gegensatz dazu hat der Ölpreis zwischenzeitlich seinen höchsten Stand seit gut drei Jahren erreicht.




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