„Xi Jinping ist der globale Wachstumstreiber – nicht Donald Trump“

Mathilde Lemoine, Group Chief Economist bei Edmond de Rothschild, gibt eine Marktanalyse zur Entwicklung der Weltkonjunktur: China und die USA können mit ihrer Wirtschaftspolitik wichtige Akzente setzen, ein struktureller Wandel dürfte allerdings von der Eurozone ausgehen.

Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der USA schürte weltweit Hoffnungen auf ein bedeutend rascheres Wirtschaftswachstum. Inzwischen haben die Zinsen und Wechselkurse aber wieder zur Normalität zurückgefunden. Effektiv ging der „Reflationstrend“ zum Teil auf den Richtungswechsel der chinesischen Wirtschaftspolitik zurück, die sich nun zyklisch und temporär gestaltet. Dies ist die eine Seite der Medaille. Die andere zeigt, dass der anziehende Wechselkurs des US-Dollars und die steigenden Zinsen das Wachstum in den USA im laufenden Jahr gehemmt haben, während die Umsetzung der Steuersenkungen auf sich warten lässt. Und schließlich belastete der Anstieg des Ölpreises um 39 Prozent zwischen Sommer 2016 und Februar 2017 das Konsumverhalten der Haushalte in der ganzen Welt.

In den nächsten Quartalen könnte das Wachstum weltweit seinen Höhenflug fortsetzen, obwohl sich die rückläufigen Rohstoffpreise negativ auf die Schwellenlandexporte auswirken. Die Binnennachfrage dürfte zudem vom Nachlassen der Inflation profitieren. Dennoch werden die Konsumentenpreise weiterhin steigen, allerdings langsamer als zu Beginn des Jahres. Die Inflation dürfte somit höher ausfallen als im Jahr 2016, sodass die Zinsen auf tiefem Niveau verharren sollten. Wie wir bereits vorausgesagt hatten, dürfte sich allerdings erst Anfang 2018 zeigen, ob sich die angekündigten Steuersenkungen des US-Präsidenten effektiv auf die Realwirtschaft auswirken.

Daher belassen wir unsere Wachstumsprognose für 2017 bei 2,1 Prozent und bei 2,5 Prozent für 2018. Im Jahr 2016 betrug das Wirtschaftswachstum 1,6 Prozent. Der Euroraum dürfte nach wie vor von einer sehr lockeren Geldpolitik, zunehmenden Staatsausgaben und insbesondere der neuen Autonomie der Europäischen Zentralbank (EZB) bei der Festlegung der Leitzinsen profitieren. Trotz des langsameren Anstiegs der Rohstoffpreise dürften die Schwellenländer nach unseren Prognosen 2017 ein Wirtschaftswachstum von 4,6 Prozent vorlegen. Im Jahr 2016 lag es bei 4,1 Prozent. Weltweit nimmt die Schuldenlast allerdings nach wie vor zu und dämpft das Wirtschaftswachstum. Die Kerninflation würde sich in diesem Fall im Rahmen halten, sodass die Zentralbanken ihre lockere Geldpolitik fortsetzen und zugleich einen übermäßig raschen und/oder übermäßig hohen Zinsanstieg vermeiden könnten. Zum Abschluss sei bemerkt, dass die eigentliche Kunst seit Beginn der Krise immer darin lag, die Lücke zwischen dem aktuellen und dem potenziellen Bruttoinlandsprodukt (BIP), die sogenannte Output-Lücke, korrekt einzuschätzen. Effektiv tritt kein wachstumsbedingter Inflationsdruck auf, solange das aktuelle BIP sein Potenzial nicht erreicht hat. In diesem Fall können die Zentralbanken ihre Geldpolitik nach und nach normalisieren. Die Output-Lücke lässt sich aber nur „ex post“ mit Sicherheit ermitteln. Diese Tatsache sorgt für Instabilität.




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