Wo die schwarzen Schwäne schwimmen

Welche schwarzen Schwäne könnten den globalen Finanzmärkten gefährlich werden? Der US-Starökonom Nouriel Roubini hat fünf Risiken ausgemacht, die die Weltwirtschaft destabilisieren könnten.

In einem kürzlich veröffentlichten Artikel auf dem Kommentarportal “Project Syndicate” warnt der US-Starökonom vor fünf Risiken, die sich zu sogenannten “schwarzen Schwänen”, also unerwarteten Ereignissen mit dramatischen Konsequenzen, entwickeln könnten:

1. Handelskriege
Nach Ansicht von Roubini war der Sieg von Emmanuel Macron in Frankreich zwar ein Etappensieg für Europa, die Gefahren für die Europäische Einheit und den Euro seien damit aber nicht gebannt.

Der vorherrschende Populismus werde durch Macrons Wahlsieg nicht eingedämmt und die Gefahr von Protektionismus, Handelskriegen und Immigrationsbeschränkungen sei weiterhin real. Der Brexit könne immer noch zu einer Desintegration der Europäischen Gemeinschaft führen – trotz Macrons Triumph.

2. Unruhestifter Russland
Dem Starökonom zufolge unterschätzen die Finanzmärkte das russische Gebaren im Baltikum, der Ukraine, auf dem Balkan und in Syrien.

3. Der Nahe Osten als Pulverfass
Sogenannte “failed states” wie der Irak, der Jemen, Libyen und der Libanon trügen zur Destabilisierung der ganzen Region bei. Zudem gingen weitere Gefahren von den Stellvertreterkriegen der Regionalmächte Iran und Saudi-Arabien aus.

4. Trump versus Kim
Außerdem stiegen die Spannungen im ohnehin vergifteten Verhältnis zwischen den USA und Nordkorea.

5. China gießt Öl ins Feuer
Das Reich der Mitte wirke in Asien destabilisierend, da es die territorialen Streitigkeiten mit seinen Nachbarstaaten fortsetze und sie zum Teil sogar bewusst eskalieren lasse.

In den Augen von Roubini haben all diese Konflikte das Potenzial, zu schwarzen Schwänen zu werden. Umso erstaunlicher sei es, dass die Finanzmärkte diese real existierenden Risiken weitgehend ignorierten und immer neue Höhen erreichten.

Der Faktor Unsicherheit

Als mögliche Erklärung führt er ihre bislang fehlende globale Wirkung und den Faktor Unsicherheit an. So seien die Konflikte im Nahen Osten momentan noch auf diese Region beschränkt und hätten bislang nicht zu globalen Preisschocks, wie beispielsweise bei den Ölpreisschocks, geführt. Auch eine direkte Konfrontation zwischen Großmächten habe bisher vermieden werden können. Schlussendlich sei es für die Finanzmärkte unmöglich, “schwarze Schwäne” einzupreisen.

Für Roubini stellen die oben erwähnten fünf Risiken allerdings “verdrängte geopolitische Gefahren” dar, die nicht ignoriert werden sollten, auch wenn man ihnen keine Eintrittswahrscheinlichkeit zuordnen kann.




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