„Zwischen Entspannung und neuen Anspannungen“

Donald Trump macht weiterhin regen Gebrauch von seinen Verhandlungsmethoden, bei denen Drohungen „eher Pokerspiel als echte Absicht sind“, schreibt Olivier de Berranger, Chief Investment Officer (CIO) bei La Financière de l’Echiquier in seiner aktuellen Marktanalyse.

Vergangene Woche erläuterten wir die „Methode Trump“, die aus schlagzeilenträchtigen Äußerungen und verbalen Übertreibungen besteht, auf die dann moderatere Aussagen folgen, was trotz allem eine Verhandlungsmethode darstellt.

Die vergangene Woche brachte hierfür einen neuerlichen Beweis, denn der US-Präsident war gegenüber seinem chinesischen Amtskollegen viel freundlicher und ließ vieles verlautbaren, was die Märkte beruhigen sollte. Er erklärte, dass „mit China alles gut sein wird“, versicherte, dass er ein „großer Freund“ der Chinesen bleibe, und dankte schließlich Xi Jinping für „seine freundlichen Worte“, nachdem dieser versprochen hatte, ausländischen Unternehmen einen besseren Zugang zum Finanzsektor und zum verarbeitenden Gewerbe in China zu gewähren. Zum Ende der Woche ging Trump in der Entspannung mit China noch einen Schritt weiter und kündigte an, die Möglichkeit eines Freihandelsabkommens in Asien prüfen zu wollen. Er beweist somit, was wir schon aus der Ferne analysiert haben: Seine Drohungen, die eher Pokerspiel als echte Absicht sind, zielen vor allem darauf ab, ein Kräftegleichgewicht herzustellen vor Eröffnung möglicher Verhandlungen mit China.

Dennoch geizten die letzten Tage nicht mit geopolitischen Spannungen, und erneut kamen die Pfeile aus den USA. Zu Beginn der vergangenen Woche stürzten der russische Aktienmarkt und der Rubel heftig ab, nachdem die US-Administration Sanktionen gegen russische Staatsangehörige und Unternehmen bekannt gegeben hatte: Letztere verlieren damit jeglichen direkten Zugang zum US-Markt. Teil zwei war dann die Ankündigung von Militärschlägen gegen Syrien als Antwort auf einen vermeintlichen, dem Regime in Damaskus zugeschriebenen Giftgasangriff, und dies ungeachtet russischer Warnungen, die angekündigt hatten, jede auf Syrien abgefeuerte US-Rakete zu zerstören.
Wenngleich der russische Markt stark betroffen war, wirkten sich diese Spannungen doch nur schwach auf die übrigen Aktienmärkte aus. Auf der einen Seite gab es auch schon vor der Präsidentschaft Trumps eine lange Geschichte der Rivalität in den Beziehungen zwischen den USA und Russland. Auf der anderen Seite sind die potenziellen Auswirkungen dieser Spannungen auf den Welthandel trotz der von Russland angedrohten Vergeltung deutlich geringer als die eines möglichen Konflikts mit China. Zu beachten ist überdies der Zusammenhang zwischen der Haltung Trumps und den anstehenden Midterm-Wahlen, die für das republikanische Lager schwierig werden dürften.

In Anbetracht einer schrittweisen Einstellung der geldpolitischen Anreize der Zentralbanken und des möglichen Höhepunktes der großen Globalisierungsbewegung werfen diese gehäuft auftretenden geopolitischen Spannungen für uns als Anleger die Frage nach dem künftigen weltweiten Gleichgewicht auf.




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