Investieren nach Zahlen

„Value Investing“ ist ein kontroverser Begriff, da er unterschiedliche Dinge bezeichnen kann. Welche Fallstricke gibt es und was meint „Value“ in Verbindung mit dem Trendthema „Factor Investing“? Alexandra Morris, Investment Director bei der norwegischen Fondsgesellschaft SKAGEN Funds, erläutert, welche Charakteristik Value-Investing ausmacht.

Der Begriff „Factor Investing“ beschreibt den Aufbau eines Portfolios auf Grundlage quantitativer Faktoren, die in der Vergangenheit zu hohen Renditen geführt haben. Zu diesen Faktoren zählen sowohl der value-orientierte als auch der growth-orientierte Investmentansatz.

Unabhängig vom Markt agieren

Wenn Anleger auf „Value Investing“ setzen, dann legen sie vor allem ihren Fokus auf günstige Preisfaktoren wie Kurs-Gewinn-Verhältnis oder Kurs-Buchwert-Verhältnis. Geldanlagen in Unternehmen, die zu niedrigen Kursen gehandelt werden und daher auf den ersten Blick preiswert erscheinen, werden deshalb als „Value Investing“ bezeichnet. Laut Definition stehen Value-Aktien sogenannte Growth-Aktien gegenüber. Sie werden oftmals zu höheren Preisen gehandelt, da sie bessere Wachstumsaussichten bieten. Im Allgemeinen sind Value Investoren von Marktgeschehnissen unabhängiger als andere, da sie sich bei ihrer Anlagestratgie auf eine Auswahl von marktunabhängigen Unternehmensdaten stützen.

In „Value“ steckt auch immer ein bisschen „Growth“

Skagen beispielsweise handelt nach einer Anlagephilosophie, die für das ungeschulte Auge als wertorientiert erscheinen mag. Und tatsächlich weisen viele der in unseren Fonds enthaltenen Positionen vergleichsweise niedrige Kosten auf, die für Firmen in Value-Fonds charakteristisch sind. Allerdings basiert diese Art der Portfoliokonstruktion nicht nur auf einer einfachen quantitativen Berechnung der Preisfaktoren.

Stattdessen ermitteln wir den Unternehmenswert anhand von fünf unterschiedlichen Daten: Die bisherige Leistung sowie die Gewinnaussichten, der Einsatz der Geschäftsleitung für den Aktionärsgewinn, die Nachhaltigkeit der Firmenstruktur und das Engagement gegenüber anderen Stakeholdern. Sobald eine solide Einschätzung des Unternehmenswerts vorliegt, prüfen Portfoliomanager, ob der aktuelle Kurs so weit unter dem Firmenwert liegt, dass ein Investment mit ausreichender Sicherheit möglich ist. Dieses Vorgehen kann man zwar durchaus als Value Investing bezeichnen, dennoch lassen wir uns nicht allein von Zahlen leiten. Investmententscheidungen fällen wir auch aufgrund unserer langjährigen Expertise und Erfahrung im Markt. Denn unserer Auffassung nach sind die Faktoren Value und Growth untrennbar miteinander verbunden. Das Wachstum spielt bei der Wertermittlung immer eine Rolle, auch wenn es zwischen „vernachlässigbar“ und „extrem hoch“ schwanken kann, und seine Auswirkungen sowohl positiv als auch negativ sein können.




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