Wie geht es weiter für grüne Anleihen?

Grüne Anleihen sind gefragt wie nie, doch sie müssen noch einige Probleme überwinden. Nun hat die weltweite Ausgabe grüner Anleihen die 500-Milliarden-Dollar-Marke durchbrochen. Wohin wird der Markt sich entwickeln?

Für einen Markt, der nicht viel älter als zehn Jahre ist, beeindruckt das Volumen der ausgegebenen grünen Anleihen durchaus. Investoren fragen die Anlageklasse immer stärker nach. Laut Credit Agricole machen grüne Anleihen inzwischen über fünf Prozent des gesamten Angebots in Euro aus, ohne Berücksichtigung von Staatsanleihen. Das ist erfreulich angesichts der Hoffnungen, grüne Anleihen könnten eine zentrale Rolle bei der Schließung der großen Finanzierungslücke spielen, etwa um Klimaschutzziele zu erreichen. Allein in der EU werden schätzungsweise zusätzliche 180 Milliarden Euro pro Jahr für Energieeffizienz und erneuerbare Energien benötigt, um die Klimaziele 2030 zu erfüllen.

Der Weg dorthin ist noch weit. Seit der Marktentstehung für grüne Unternehmensanleihen im Jahr 2013 beschäftigen wir uns mit diesem Markt und investieren in ihn. Die schwierigen frühen Jahre dürften darüber entscheiden, ob der Markt sein Potenzial voll entfalten kann.

Forderung nach „zusätzlichem Kapital“

Quantität ist nicht gleich Qualität. Wenn der Zweck von grünen Anleihen darin besteht, die Finanzmittel für umweltverträgliche Investitionen aufzustocken, um die Wirtschaft nachhaltiger zu machen, ist die Enttäuschung groß, wenn die Marktteilnehmer diesen Anspruch nicht erfüllen können. Ein zentraler Aspekt dieser Problematik ist die Zusätzlichkeit – also die Frage, ob die von grünen Anleihen finanzierten Aktivitäten auch ohne deren Ausgabe umgesetzt worden wären und ob diese Anleihen entscheidend zur Bewältigung von Problemen wie dem Klimawandel beitragen.

Diese Überlegungen mögen offensichtlich erscheinen, aber sie beginnen gerade erst damit, zu den wichtigsten Marktteilnehmern vorzudringen. Der Schwerpunkt auf Zusätzlichkeit bei der letzten jährlichen Green Bond Principles (GBP) Consultation war daher begrüßenswert. Auffällig ist jedoch, dass mehr als drei Viertel der GBP-Mitglieder glauben, dass grüne Anleihen zusätzliches Kapital liefern. Bei den allgemeinen Beobachtern der GBP sinkt diese Zahl dagegen auf etwas mehr als die Hälfte der Befragten. Die Akteure, die nicht direkt zur Branche gehören, sind also doppelt so häufig der Meinung, Defizite bezüglich der Zusätzlichkeit überwinden zu müssen. Da tut sich eine besorgniserregende Glaubwürdigkeitslücke auf; zu einem Zeitpunkt, zu dem die langfristigen Zukunftsziele des Marktes im Fokus stehen.

Wissend um diese Problematik erklärte die Technical Expert Group, die zur Umsetzung des EU-Aktionsplans für nachhaltige Finanzierungen geschaffen wurde, bei Aufnahme ihrer Arbeit, dass Zusätzlichkeit und Anreize für die Ausgabe grüner Anleihen einer weiteren Bewertung unterzogen würden. Die beiden Themen Zusätzlichkeit und Anreize sind eng miteinander verbunden. Die Wahrscheinlichkeit, dass die Anreize für die Ausgabe grüner Anleihen nicht mit den übergeordneten Nachhaltigkeitszielen in Einklang stehen, ist groß, wenn man zuvor nicht die Möglichkeit eines „Greenwashings“ einschränkt. Doch dieser Aspekt soll gemäß des Aktionsplans gezielt angegangen werden.

Langfristige Klimaziele im Fokus

Bei der nächsten Ausgabewelle können diese Probleme gar nicht früh genug gelöst werden. Im Telekommunikationssektor haben Telefonica und Verizon kürzlich grüne Anleihen ausgegeben. Dort tragen die Erlöse zur Finanzierung der Umstellung der Telekommunikationsinfrastruktur von Kupfer auf Glasfaser und zur Modernisierung des Netzes auf 5G bei. Obwohl die Anleihen in beiden Fällen an den Green Bond Principles ausgerichtet sind, dürften sie wenig dazu beigetragen haben, die Finanzierungslücke zu verkleinern, die die EU schließen will. Wahrscheinlich werden die geschätzten 137 Milliarden Euro, die für den Anschluss der EU-Haushalte an Glasfaser-Breitbandnetze erforderlich sind, vollständig finanziert, und zwar unabhängig von nachhaltigen Finanzierungsinitiativen wie dem Markt für grüne Anleihen.

Seite zwei – Zusätzlichkeit als Wachstumstreiber




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