Agribusiness vor Trendwende

Die Menschheit braucht 70% mehr Nahrung bis 2020. Das fordert die Landwirtschaft heraus. Neue Trends zeigen, wo es hingehen soll.

Fest steht: Die Branche steht vor großen Herausforderungen. Es gilt, „mit weniger mehr“ zu produzieren, sprich um den effizienteren Einsatz von Ressourcen. Hierdurch entstehen neue Chancen für Investoren. Neue Lebensmittelmarken drängen auf den Markt. Biologische Pflanzenschutzmittel machen sich auf die Vormachtstellung der Chemie anzugreifen und dank Digitalisierung können Landwirte ihre Produktion neu organisieren.

Zurück zum Ausgangspunkt. Die Nachfrage nach Lebensmitteln wächst schneller als die Weltbevölkerung. Getrieben von der aufstrebenden urbanen Mittelklasse in Entwicklungsländern verändern sich gleichzeitig die Essgewohnheiten. Während in 20 Jahren die Weltbevölkerung um 29% zugelegt hat, ist die Huhn-Population um 77% gewachsen. Mit dem steigenden Konsum tierischer Proteine erhöht sich die Nachfrage nach Futtermitteln exponentiell – 85% der globalen Sojabohnenernte werden bereits für Tierfutter verwendet.

Agribusiness-Sektor mit positiver Rendite

Doch die guten Getreide- und Ölsaatenernten seit 2014 haben das Thema „Food Security“ in den Hintergrund rücken lassen. So liegt das Verhältnis von Bestand zu Verbrauch für Mais in den USA gegenwärtig im langfristigen Mittel bei ca. 16%. Der Ertragsanstieg der letzten Jahre liegt jedoch über dem langfristigen Trend und lässt sich nicht einfach fortschreiben. Der Rückversicherer Munich Re beobachtet seit Jahren eine Zunahme extremer Wetterverhältnisse, was die landwirtschaftliche Produktion mitunter signifikant beeinflusst. So fiel die globale Zuckerproduktion, beeinträchtigt durch das Wetterphänomen El Niño 2016 hinter die Nachfrage zurück. Als Konsequenz hat Indien, eigentlich Zuckerexporteur, für 2017 den Markt für Importe geöffnet.Agribusiness ist jedoch nicht nur am Auf und Ab der Agrarrohstoffpreise zu bewerten. Die weitverbreitete These, der Maispreis zeige die Attraktivität des gesamten Agribusiness-Sektors an, greift zu kurz. Deutlich macht dies ein Vergleich der Anlageerträge: Während das Direktinvestment in Rohstoffe seit der Finanzkrise eine negative Rendite von -20% abwarf, erzielte der Agribusiness-Sektor eine positive Rendite von +162%. Agribusiness ist also nicht gleich Agrarrohstoffe. Die Attraktivität des Sektors besteht in seiner lang zurückreichenden Tradition und heterogenen Zusammensetzung. Produktionsnahe Unternehmen wie Saatgut- oder Düngemittelhersteller verfügen über eine dominante Marktstellung. Grund hierfür sind beträchtliche Vorabinvestitionen in die Gewinnung natürlicher Ressourcen, der Patentschutz von biotechnologischen Innovationen oder seit Generationen bestehende Kundenbeziehungen wie beim Weltmarktführer für Landtechnik John Deere – gegründet 1837.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt