Blockchain: Eine disruptive Technologie oder Hype?

Dr. Patrick Kolb, Fondsmanager bei Credit Suisse, erläutert die Blockchain-Technologie, ihre Auswirkungen und mögliche Risiken.

Die Blockchain-Technologie hat viel Aufmerksamkeit erhalten, hauptsächlich aufgrund der Bedeutung von Bitcoin, dem zunehmenden Interesse und der steigenden Investitionen in Finanztechnologie, auch „FinTech“ genannt. Viel ist über das Konzept der Distributed-Ledger-Technologie geschrieben worden, wie auch zum Beispiel über ihr Potenzial zur Lösung von Unternehmensproblemen. Zurzeit beläuft sich der Gesamtwert aller Bitcoins in der Blockchain auf schätzungsweise USD 20 Mrd. oder nahezu 0,027 % des globalen BIP (USD 74 Bio.). Der Datenumfang der Blockchain liegt bei geschätzten 197 GB. Laut einer Umfrage des World Economic Forum (WEF) rechnen 57,9 % der Befragten damit, dass bis 2025 rund 10 % des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP) in der Blockchain gespeichert sein werden.

Es überrascht nicht, dass die Finanzindustrie darauf erpicht ist, diese Technologie für sich zu erschließen: Banken rechnen damit, dass die Blockchain die Infrastrukturkosten bis 2022 um USD 15–20 Mrd. pro Jahr senken könnte. Hinzu kommt, dass diese Technologie die Möglichkeit bietet, bestehende IT-Infrastrukturen zu überholen, den Zeitaufwand für die Abwicklung von Transaktionen zu verringern und die Wertpapierbörsen zu vereinfachen.

Einige der Marktteilnehmer weisen darauf hin, dass die Möglichkeiten wesentlich umfassender sind. Die Anwendungen reichen dabei von der Speicherung von Kundenidentitäten über Abwicklung des grenzüberschreitenden Zahlungsverkehrs bis hin zum Clearing und Settlement von Anleihen- und Aktiengeschäften sowie zur Ausführung von Smart Contracts, wie zum Beispiel Kreditderivaten mit automatischer Auszahlung bei Insolvenz eines Unternehmens oder Anleihen, die regelmäßig Coupons an ihre Inhaber ausschütten. Auch gibt es bereits Anwendungsbeispiele auf Grundlage der Blockchain-Technologie außerhalb der Sphäre der Finanzdienstleistungen:

  • Am 4. Oktober 2014 wurde die erste Ehe auf Blockchain-Basis registriert. Der Governance-Service wurde durch Bitnation bereitgestellt, einem dezentralen Governance-Dienstleister, der seine Dienste grenzenlos und dezentralisiert anbietet.
    • Die Hochschule von Nikosia akzeptiert nicht nur Bitcoins zur Zahlung von Studien- und sonstigen Gebühren, sondern war auch die erste Bildungseinrichtung, die akademische Zeugnisse ausstellt, deren Echtheit per Blockchain überprüft werden kann.
    • Das Amt für Wirtschaftsentwicklung der Isle of Man kündigte Pläne für ein erstes staatliches Blockchain-Testprojekt an. Das Amt will ein Register aller digitaler Währungsunternehmen entwickeln, die auf der Insel tätig sind.

Unserer Meinung nach ist die wichtigste Erkenntnis, dass es bei der Blockchain nicht nur um die Umgehung des Intermediärs geht. Vielfach hat sie das Potenzial, dank der Automatisierung von arbeitsintensiven Prozessen Kosteneinsparungen zu ermöglichen. Wir sind außerdem der Auffassung, dass eine robuste IT-Sicherheit von größter Bedeutung ist, da ansonsten das Potenzial dieser Technologie massiv eingeschränkt werden wird.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt