Büro der Zukunft: Wachstum ohne zusätzliche Flächen?

Der Büroalltag wird immer digitalter, trotzdem sehen Büroräume seit Jahrzehnten nahezu gleich aus. Sogar Computer beeinflussen Raumkonzept und Flächengestaltung nur wenig. Verschenkt man damit Potenzial?

Können Sie etwas mit dem Wort Rolodex anfangen? Falls nicht, stellen Sie sich ein Büro in einer alten Fernsehserie vor: Der rotierende Karteikartenordner ist einer der ersten Gegenstände, die der Digitalisierung der Arbeitsprozesse zum Opfer gefallen sind – in diesem Fall aufgrund der Einführung des Tastentelefons mit digitaler Adressdatenbank. Dass unser Büroalltag zunehmend digital wird, ist also grundsätzlich keine neue Entwicklung. Bemerkenswert ist allerdings, wie wenig sich dadurch die Büroflächen selbst lange Zeit geändert haben. Sogar der Siegeszug des PC hatte nur wenig Einfluss auf Raumkonzept und Flächengestaltung.

Wenn jedoch heute von der Digitalisierung der Arbeitswelten gesprochen wird, geht es genau um diese konzeptionellen Umstrukturierungen. Der derzeitige Arbeitsalltag ist geprägt durch die vierte industrielle Revolution, den Technologiewandel, die zunehmende Informationsflut und durch Generationen, die neue Anforderungen an Freizeit, Flexibilität und den Sinn der Arbeit stellen. Ein „Smart Worker“ zu sein bedeutet, sich kontinuierlich anpassen zu können, neue Methoden zu erlernen und die Wissensflut managen zu wissen. Es müssen viele Prozesse gleichzeitig koordiniert werden, meist projektbasiert und unter Zeit- und Kostendruck.

Neue Konzepte – neues Vokabular

Das Büro hat sich zur Schnittstelle zwischen der virtuellen und realen Welt entwickelt. Es muss Emotionen transportieren, zu neuen Ideen inspirieren und den Mitarbeiter in seinem Engagement und seiner Leistungsbereitschaft fördern. Oder anders gesagt: Das Büro wird zu einem Ort, der den Mitarbeitern eine Vielzahl an Möglichkeiten zum Arbeiten, Kommunizieren und Kreativsein bietet. Auch starre Organisationsstrukturen lösen sich zunehmend auf. Flache Hierarchien sowie flexible Arbeitszeiten und -orte finden Einzug in die Unternehmenskultur.

Daraus resultiert ein neues Bürokonzept – mit vielen verschiedenen Arbeitsmöglichkeiten und der Aufteilung der Bürofläche in unterschiedliche, individuell ausgestattete Zonen für einzelne Arbeitsprozesse. Mit diesem Konzept sind eine Vielzahl von Fachbegriffen verbunden, an die sich deutsche Unternehmer unbedingt gewöhnen sollten: Es entsteht ein non-territoriales, reversibles Büro mit Desk Sharing, Clean Desk Policy und farblich markierten Zonen, die für unterschiedliche Tätigkeiten ausgelegt sind. Ein solches Desk-Sharing-Konzept, das auf die Ideen des Smart Working einzahlt, ist mit dem gleichen Flächenbedarf wie früher verbunden. Jedoch auf die Anzahl der Mitarbeiter gerechnet und nicht, wie klassisch, auf die Anzahl der vorhandenen Arbeitsplätze. Des Weiteren minimieren sich Umzugskosten und es wird möglich, neue Mitarbeiter zu integrieren, ohne in zusätzliche Arbeitsplätze investieren zu müssen. Das Büro kann also gewissermaßen mitwachsen – zumindest in einem gewissen Rahmen, bis die räumlichen Kapazitäten ausgereizt sind.

Well-being und Coworking spielen eine große Rolle

Auch soziale Faktoren wie Wohlbefinden und Zufriedenheit fließen in diese Überlegungen ein. Der Nutzer muss in den Mittelpunkt des Konzepts gestellt werden. Dies bedarf eines umfangreichen Change-Managements durch Spezialisten etwa aus dem Bereich Soziologie und durch Fachplaner für bauphysikalische Wohlfühlaspekte wie Licht, Akustik, Ergonomie und Raumklima, die unter dem Begriff Well-being zusammengefasst werden.




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