Das Comeback der aktiven Manager

Die Korrelation zwischen den Anlageklassen hat praktisch ihren Normalwert erreicht. Der Zinsanstieg und die geldpolitische Normalisierung haben zu viel grösseren Variationen punkto Verhalten und Wertenwicklung der Anlageklassen geführt. In normaleren Marktsituationen fungiert ein aktiver Anlagestil wieder als Mehrwertquelle. Nicolas Faller, Executive Managing Director, Co-Chief Executive Officer of Asset Management & CIO Group at Union Bancaire Privée, kommentiert.

Im Fahrwasser der Finanzkrise erfreute sich die passive Verwaltung, und mit ihr sogenannte Index-Tracker, grosser Beliebtheit. Der hohe Korrelationsgrad zwischen den Anlageklassen in den Jahren 2008 bis 2016 wirkte ebenfalls zu Gunsten dieses Anlagestils. Während dieser langen Erholungsphase, die den Ausstieg aus der Rezession markierte, veranlassten der Liquiditätsüberfluss an den Märkten, der von der ultralockeren Politik der Zentralbanken ausging, und niedrige Obligationenrenditen die Investoren, sich in Scharen passiven Instrumenten zuzuwenden.

Auf der Jagd nach Renditen pumpten die Anleger ziemlich willkürlich Kapital in Segmente, von denen sie glaubten, dass sie einen höheren Ertrag als traditionell risikofreie Investitionen abwerfen würden. Die Folge war eine Vorliebe für risikoreichere Obligationen und Aktien. Als die Indizes sich von ihren Tiefständen erholten, nahmen die Anleger ihre Aktieninvestitionen vorwiegend über Index-ETFs vor. Zwischen 2008 und 2016 kletterten die weltweit in ETFs verwalteten Vermögen von USD 750 Milliarden auf nahezu USD 3‘500 Milliarden. Die Outperformance der grossen Indizes nährte sich gewissermassen selbst, nicht dank der Fundamentaldaten, sondern in erster Linie, weil massenweise Kapital in ETFs floss. Doch das Blatt hat sich gewendet: Gingen noch bis vor kurzem von sechs investierten Euro fünf an passive Investmentfonds, liegt heute das Verhältnis bei 1:1.

Rückkehr zu ‚normalerer‘ Marktentwicklung und Dekorrelation

Heute ist für Aktienanlagen wieder ein aktiver Ansatz gefragt. Viele Aktien wurden allein wegen ihrer Gewichtung in den Indizes auf übertrieben hohe Niveaus gedrückt. Lag die Korrelation der US-Aktien untereinander im vergangenen Jahr noch bei 60, hat sie sich seither auf einen normaleren Wert von 20 zurückgebildet. Dies bedeutet, dass sich die Titelselektion als Mehrwertquelle profilieren kann, die Anleger von Sektorrotationen profitieren oder einen bestimmten Stil bevorzugen können.

Nehmen wir ein Beispiel zur Hand: Steigt der Preis einer sogenannten Value-Aktie, wird sich ihr Profil bei ansonsten gleichen Bedingungen mechanisch demjenigen einer Growth-Aktie annähern. Deshalb muss ein Portfolio-Manager zur Aufrechterhaltung eines reinen Value-Stils einen recht dynamischen Ansatz entwickeln. Dazu wird er eine regelmässige Erneuerung des Portfolios vornehmen, indem er regelmässig über Gewinnmitnahmen jene Aktien abstösst, die zu Growth-Aktien wurden und im Gegenzug in Titel investiert, die zu einem ungerechtfertigten Abschlag gehandelt werden. Passive Manager werden diese Art der ertragsfördernden Umschichtung lediglich einmal im Jahr, anlässlich des Rebalancing des Index, vornehmen.

Positives Momentum für amerikanische Mid Caps – aktive Verwaltung ist gefragt

Die neue politische Landschaft in den USA wird ebenfalls die Art beeinflussen, wie die Anleger das Marktgeschehen einschätzen. Steuersenkungen, massive öffentliche Ausgaben in die Infrastruktur und die Wiederbelebung der amerikanischen Konjunktur dürften vor allem mittlere und kleine Gesellschaften begünstigen, die seit jeher stärker auf die einheimische Wachstumsentwicklung reagieren. Die zehn seit 1926 getätigten Zinserhöhungszyklen der US-Notenbank, die synonym mit einer wirtschaftlichen Erholung sind, führten zu einer Outperformance der Small Caps gegenüber gross kapitalisierten Blue Chips. In den zwölf Monaten nach einer Anhebung der Fed-Funds erzielten Small Caps eine Steigerung von 14,5% verglichen mit 10,5% für Grosskonzerne. Wer aber im Segment der kleinen und mittleren Gesellschaften erfolgreich investieren will, muss sich unweigerlich der aktiven Verwaltung zuwenden. Ihr Comeback wird nicht lange auf sich warten lassen.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Bitte lasse dieses Feld leer.]

Bei unseren Lesern momentan beliebt