Das globale Start-up

Die richtige Strategie zur Internationalisierung und Expansion ist für Wachstumsunternehmen zentral. Ein Erfahrungsbericht von Dominic Wilhelm (e.ventures), wie es funktionieren kann.

Während seiner Lebensdauer durchschreitet ein Start-up normalerweise verschiedene Phasen. Die Finanzierungsrunden in jeder Phase werden jeweils angeführt von passenden Investoren aus der Community, seien es Individuen oder auch institutionelle Fonds. Zu Beginn investieren meist Familie und Freunde in das Projekt, um die Gründer dabei zu unterstützen, am Business Plan zu feilen. Sowohl Acceleratoren als auch Inkubatoren können ebenso als mögliche Partner genannt werden. In diesen Fällen kommen nebst einer kleinen Summe an monetärer Unterstützung auch operative Betreuung sowie die Öffnung des wertvollen eigenen Netzwerkes dazu. Ein wenig später folgt meist die Seed-Finanzierung des Unternehmens, in der mehrere Hunderttausend Euro eingesammelt werden. Dieses Geld wird typischerweise von Business Angels oder kleineren VC-Fonds beigesteuert, damit die Gründer das Produkt fertigstellen, im besten Fall erste Kunden gewinnen und Traction aufbauen können. Während nun für die nächste Runde, die Series A, Ticket-Größen zunehmen, treten mehr und mehr institutionelle Investoren in den Vordergrund. Die Runden, in denen größtenteils zwischen zwei bis fünf Millionen Dollar eingesammelt werden, werden meist von spezialisierten Venture-Capital- Fonds wie e.ventures angeführt, sobald eine Firma einen ersten Product-Market-Fit erreicht sowie erste Traktion in Form von Downloads, Umsatz und dergleichen. Normalerweise beginnt die Firma nun auch nach dieser Runde zum ersten Mal, das investierte Geld direkt in die Skalierung der operativen Prozesse zu stecken und in manchen Fällen auch in die (inter-)nationale Expansion. Die darauffolgenden Series B, C und weiteren Finanzierungsrunden werden nun noch genutzt, um Ausbreitung und Skalierung zu verstärken, neue Produkte auf den Markt zu bringen und die Kundenbasis soweit zu vergrößern, bis die Firma aufgekauft wird oder an die Börse geht.

„Ein guter VC ist in der Lage, ein vielseitiger Partner zu sein“

Unabhängig davon, ob ein VC in früheren oder späteren Runden investiert, stellt Geld nur eine Art der Unterstützung dar, die für den Gründer von Bedeutung sein kann und meist ist es auch nicht zwangsläufig die wichtigste Form. Ein guter VC ist in der Lage, ein vielseitiger Partner zu sein, der Portfolio- Firmen in unterschiedlichsten Belangen zu unterstützen vermag. Dadurch dass erfahrene Investoren bereits eine große Anzahl von Unternehmen erleben durften, seien diese nun erfolgreich gewesen oder nicht, wissen sie genau, was es heißt, Firmen in relativ kurzer Zeit aufzubauen und Kunden nicht nur zu gewinnen, sondern auch zu halten. Dies kann auf Dauer nur funktionieren, wenn ein Produkt auf den Markt gebracht wird, das nachhaltigen Mehrwert bietet. VCs können durch ihre Zeit als Investor und/oder als Gründer im eigenen früheren Unternehmen somit sowohl in operativen Fragen im tagtäglichen Business als auch in Fragen zur strategischen Ausrichtung eines Start-ups von großem Wert sein. Weiterhin verfügen sie über ein großes Netzwerk innerhalb der Industrie und vermögen so, ihren Portfolio-Firmen im Bereich Talent Scouting und HR zu helfen sowie die Firmen mit möglichen Lieferanten, Multiplikatoren und neuen Investoren zu verbinden. Zu guter Letzt haben VCs in der Vergangenheit bereits eine Anzahl an Firmen verkauft und haben Erfahrung darin, diesen Prozess in Absprache mit den Gründern einzuleiten, beziehungsweise auf mögliche Akquisitionspartner zuzugehen. Das Gleiche gilt ebenso für den Fall, dass das betreute Unternehmen darüber nachdenkt, eine kleinere Firma aufzukaufen.

Viele der bereits genannten Punkte stellen für ein Start-up einen enormen Mehrwert dar, insbesondere zu dem Zeitpunkt, an dem die Firma versucht, neue Märkte anzugehen und zu expandieren. Schauen wir uns daher diesen spezifischen Fall ein wenig genauer an: Stellen Sie sich eine Firma vor, die eben ihre Series A Runde abgeschlossen hat. Das Produkt ist fertiggestellt und das Unternehmen ist dazu in der Lage, auf dem Heimatmarkt genügend Endkunden für sich zu gewinnen, um im Jahr eien Million US-Dollar Umsatz zu generieren. Wäre das jetzt nicht der richtige Moment, um neue Märkte zu attackieren, und worauf achten VCs in diesem Fall eigentlich? Zuallererst muss man verstehen, was die Ziele einer solchen Expansion sind, auf welchem Weg Start-ups international expandieren und welche Hindernisse sich oft im Verlauf in den Weg stellen können. Der Weg der internationalen Expansion wird aus ganz verschiedenen Gründen gegangen: Mit der wichtigste Grund ist oft, zusätzliche Kunden zu gewinnen und damit mehr Umsatz zu generieren. Das klingt nun eventuell trivial, aber es kommt häufig vor, dass Gründerteams das Potenzial des Heimatmarktes übersch.tzen und sich zu lange auf denselben verlassen, ohne einen Gedanken an den Ausbau der Märkte zu verschwenden. Weiterhin heißen mehr Märkte auch oft mehr nutzbare Ressourcen. Diese Ressourcen können sowohl neue Lieferanten sein als auch neue Partner, aber auch neue dort angesiedelte Investoren. Ein weiterer Beweggrund für Gründerteams, international skalieren zu wollen, ist auch, somit automatisch aus einem größeren Bewerberpool schöpfen zu können. Dadurch wird die globale Präsenz sowie die Vielfalt innerhalb der Belegschaft weiter verstärkt.




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