Das sind die Trends am Automarkt der kommenden Jahre

Wie entwickelt sich der Automarkt in der nahen Zukunft? Wir haben IHS Markit in den USA gefragt und deren Prognosen zusammengefasst. Neben der Elektrifizierung der Antriebstechnik rangiert ein Trend ganz oben, den man wohl so nicht erwartet hätte.

Ein Blick auf die globalen Marktdaten verrät, dass zwischen 2017 und 2025 einige Regionen eine wachsende Produktion bei Personenkraftwagen (Pkw) erwarten können. 2018 geht IHS Markit von geschätzt 96,99 Millionen Fahrzeugen aus, 2025 soll das Volumen nach unseren Prognosen auf 110,31 Millionen Fahrzeuge anwachsen – eine Differenz von 15,1 Millionen Einheiten. Dieses Wachstum ist allerdings alles andere als gleich verteilt. Der Löwenanteil wird in den Produktionsstätten Chinas und Südasiens produziert, so werden etwa sechs Millionen Einheiten in China und 5,2 Millionen Einheiten aus Südostasien stammen. In Europa dürfte das Produktionsvolumen um zwei Millionen Einheiten zulegen, Südamerika wird voraussichtlich mit etwa 1,7 Millionen Einheiten aufwarten. Das Schlusslicht ist Nordamerika, denn hier erwarten wir nur rund 290,000 Einheiten. Wenngleich Europa weiter die zweitgrößte Region für Pkw-Produktion bleibt, sinkt der globale Anteil zugunsten Asiens. Unsere Prognosen gehen davon aus, dass der globale Anteil Europas von 23,4 Prozent im Jahr 2017 auf etwa 22 Prozent im Jahr 2025 fallen wird.

Das Wachstumsplus in Europa geht in erster Linie auf steigende Umfänge bei Geländelimousinen (SUV) und Softroader/Crossover zurück, während andere Fahrzeugtypen Rückgänge verzeichnen könnten. Die europäische Produktion erreichte 2017 22,21 Millionen Einheiten und wächst 2025 auf etwa 24,26 Millionen Einheiten. Unsere Prognosen gehen von einer signifikanten globalen Verschiebung im Nachfrageverhalten aus, Käufer bevorzugen demnach vermehrt Softroader-Modelle. Das Minus in der Produktion von Kombilimousinen sowie Kompaktvans kann durch die wachsende Produktion bei Softroadern kompensiert werden. Weitere Gewinner in der europäischen Produktion dürften zudem die Stufenhecklimousinen und mit einem leichtem Plus auch die Roadster sein.

Elektrifizierung von Fahrzeugen wirkt sich stark auf Produktionslandschaft aus

Ein Trend der nächsten Jahre ist die Elektrifizierung von Fahrzeugen und Antriebstechniken, was sich stark auf die Produktionslandschaft auswirkt. IHS Markit geht davon aus, dass die Hersteller eine von drei Plattformansätze wählen, um den Wandel hin zu batterieelektrische Fahrzeuge, international beschrieben als Battery Electric Vehicle (BEV), zu vollziehen. Hersteller können zwischen drei Ansätzen in der Produktion wählen: Entweder setzen sie auf die bereits vorhandenen Plattformen, etablieren neue Multi-Energy-Plattformen oder entwickeln dezidierte BEV-Plattformen. Jeder Ansatz hat für sich genommen Vorteile und Nachteile.

Die erste Option ermöglicht Herstellern Batterien in die Standard-Plattform zu integrieren, ohne dabei die Architektur an die spezifische Montage von batterieelektrischen Fahrzeugen anzupassen. Das spart zunächst Kosten, es kann allerdings auch zu kostenintensiven Momenten kommen, zum Beispiel, wenn wichtige Nachrüstungen notwendig werden. Außerdem besteht die Gefahr, dass sich mangelnde Skalierung und Effizienz im Vergleich zu BEV-Plattformen nachteilig auswirken.

Eine zweite Option, die sogenannte Multi-Energy-Plattform, ermöglicht es, sowohl Batterielösungen als auch konventionelle Antriebsstränge in der Montage zu integrieren. Dieses Verfahren wird bereits in den BMW-Werken bei der Produktion der Modelle BMW i3 und BMW i8 praktiziert. Der Ansatz bietet mehr Flexibilität verglichen mit der ersten Option, minimiert auch einige der Risiken und ermöglicht größere Kapazitäten. Gleichzeitig schlagen deutlich höhere Entwicklungskosten zu Buche, was sich auf die komplexeren Montageabläufe zurückzuführen ist.

Die dritte Option ist eine maßgeschneiderte Plattform für batteriegetriebene Fahrzeuge (BEV-Plattform). Dieser Montageansatz ist angepasst an die spezifischen Eigenheiten von Elektrofahrzeugen mit Batterien. Die Batterien werden tiefer in der Karosserie eingebaut. Das erlaubt größere Batteriemodule, sorgt für mehr Platz im Innenraum und verbessert die Fahreigenschaft durch einen niedrigeren Schwerpunkt. Dieser Lösungsansatz bietet Kostenvorteile, da auf konventionelle Antriebe verzichtet wird und die Flexibilität bei der Produktion verschiedener Fahrzeugtypen vergrößert werden kann. Hierbei könnte aber ein zu geringes Volumen negative Effekte auf die Skalierung nehmen, in diesem Fall ist die Profitabilität nicht gesichert.

Volkswagen führt den Trend bei BEV-Personenfahrzeugen an

Den Prognosen zufolge sollte die europäische Produktion bei BEV-Personenfahrzeuge von 131.000 Einheiten im Jahr 2017 auf mehr als zwei Millionen Einheiten bis 2025 anwachsen. Angeführt wird dieser Trends von Volkswagen (VW), es folgen die Renault-Nissan-Allianz, Daimler und BMW.

Bis 2025 werden noch mehr als die Hälfte der produzierten Fahrzeuge in Europa Verbrennungsmotoren besitzen, doch der Anteil sinkt beständig. Den stärksten Anstieg werden voraussichtlich Mild-Hybrid-Fahrzeuge verzeichnen, die bis 2025 über 30 Prozent der produzierten Fahrzeuge ausmachen könnten. Voll-Hybrid-Fahrzeuge stellen rund acht Prozent an der Gesamtproduktion.

Der deutsche Autobauer VW hat die Elektrifizierung zu seiner Zukunftsstrategie erhoben, was die europäische Automobilproduktion nachhaltig beeinflusst. 12 Prozent der europäischen BEV-Produktion wollen die Wolfsburger in naher Zukunft stellen, heute sind es lediglich 0,5 Prozent. Renault-Nissan wird nach Ansicht von IHS Markit seinen Anteil von zwei Prozent auf 14 Prozent bis 2025 steigern.

Wie erwähnt, sehen die Prognosen einen klaren, von Nachfrage getriebenen Trend zu Softroader-Modellen. Gegenwärtig liegt der Anteil dieser Modelle bei 28 Prozent an der gesamten europäischen Automobilfertigung, dürfte aber 37 Prozent bis zum Jahr 2025 ausmachen. Dieses Wachstum erwarten wir für alle Preissegmente, wobei gerade bei SUVs das stärkste Potenzial in den Einsteigermodellen gesehen wird. Doch auch das Luxussegment verzeichnet Wachstum: Premiummarken wie Ferrari, Lamborghini und Rolls-Royce steigen ebenfalls in den Wettbewerb der Hersteller ein. Bei den Fahrzeugklassen dominieren Mittelklassen vor den Kleinwagen.

Auf der globalen Ebene gewinnt die asiatische Automobilfertigung deutlich an Fahrt. Entwickelte Märkte, wie Nordamerika, sehen eher stabilen Verhältnissen entgegen. Während der traditionelle Softroad-Heimatmarkt USA hier weitestgehend gesättigt ist, können europäische Hersteller hier noch auf Wachstum hoffen. Es sei allerdings Vorsicht geboten, denn das Angebot in den Segmenten nimmt zu und der Preisdruck kann damit deutlich steigen.

 




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