Deutsche vertrauen weiter auf aktives Management

Investoren nutzen Anleihen für das Risikomanagement, denn für aktives Management stehen die Chancen aktuell gut, meint Matthew Weisser, Managing Director Europe bei MFS Investment Management.

Gemäß der aktuellen Global Fixed Income Sentiment Survey von MFS vertrauen erheblich mehr deutsche Finanzberater auf aktives als auf passives Anleihemanagement. Fast die Hälfte der befragten Berater geht davon aus, dass aktiv gemanagte Anleiheinvestments ihre Ertragserwartungen erfüllen. Nur 29% erwarten dies auch von passiven Anlagen.

47% halten die Zusammenarbeit mit aktiven Anleihemanagern für die beste Möglichkeit, Mehrertrag unabhängig vom Marktumfeld zu erzielen, und 48% sind der Meinung, dass aktive Anleihestrategien auch der beste Weg sind, um mit Festzinsanlagen langfristige Ziele zu erreichen.

Bei Festzinsanlagen hängt der Erfolg vor allem von der Marktdynamik ab. Weil die Zinsen in Europa und weltweit schon sehr lange sehr niedrig sind, könnten Finanzberater versucht sein, weniger auf aktives Management zu setzen. Doch weil die Zinsen steigen, der Konjunkturzyklus in die Jahre kommt und die Volatilität zunimmt, ist eine angemessene Allokation in aktive Anleihestrategien für Investoren sinnvoll. Nachdem sich Aktien zehn Jahre lang gut entwickelt haben, wünschen sie jetzt wieder mehr Risikomanagement.

Aktive Anleihestrategien sind sehr gefragt

Obgleich deutsche Finanzberater für die Konjunktur in ihrem Land und weltweit optimistisch sind, werden sie vorsichtig. Sie fürchten politische Instabilität, volatile Aktien und steigende Zinsen. Deshalb interessieren sie sich zunehmend für Anleihen – um ihre Portfolios zu diversifizieren (75% der Befragten) und um die Volatilität zu senken (68%).

Diese beiden Ziele stellen Finanzberater aber vor ein Risikodilemma: Fast 60% der Befragten gaben an, in den letzten drei Jahren höhere Risiken eingegangen zu sein, um mit Anleihen ihre angestrebten Erträge zu erzielen.

50% der deutschen Finanzberater planen, in den nächsten drei Jahren ihr Engagement in Emerging-Market-Anlagen – die als überdurchschnittlich risikoreich gelten – stärker zu erhöhen als das Engagement in jeder anderen festverzinslichen Assetklasse. Deshalb ist das Risikomanagement bei der Auswahl von Anlageprodukten und Portfoliomanagern besonders wichtig.

Weil die Anleiherenditen in den letzten Jahren so niedrig waren, mussten Finanzberater überlegen, welche Kreditrisiken sie eingehen wollen, um vernünftige Renditen zu erzielen. Volatilität und Zinsen steigen. Deshalb müssen Finanzberater sehr genau auf die Risikomanagementansätze ihrer Investmentmanager achten. Sie müssen sicher sein können, dass nur beabsichtigte Risiken eingegangen werden.

Risikokennzahlen im Auge behalten

Bei der Auswahl von Festzinsanlagen und ihrer Manager kommt es Finanzberatern vor allem auf das Risikomanagement an. Sie bevorzugen risikobewusste Ansätze. Fast 70% gaben an, langfristig großen Wert auf die risikoadjustierte Performance zu legen.

Aber möglicherweise berücksichtigen Berater bei der Einschätzung der Qualität des Risikomanagements nicht alle Risikokennzahlen gleich stark. Deutsche Finanzberater sagten, sie würden vor allem auf Folgendes achten: Performancestabilität (67%), relative Performance gegenüber einer Benchmark (62%) und absolute Performance/Gesamtertrag (42%). Absolutes Risiko (28%), relatives Risiko/Tracking Error/Beta (21%) und Portfolioumschlag (10%) hielten weniger Berater für wichtig.

Es ist gut, dass die Berater bei der Einschätzung aktiv gemanagter Festzinsanlagen sehr viele Risikokennzahlen betrachten. Aber in einigen Bereichen gibt es noch Verbesserungspotenzial. Der lange und stetige Aufschwung bei anhaltend niedrigen Zinsen könnte einige Berater sorglos gemacht haben. Da die Volatilität steigt, könnte es mit der Stabilität vorbei sein. Deshalb müssen Finanzberater immer gut informiert sein, sodass sie ihren Kunden helfen können, auf Kurs zu bleiben.

Aktive Steuerung von Duration und Risiko besonders wichtig

Finanzberatern ist bewusst, dass aktives Management für die Portfolios ihrer Kunden von Vorteil sein kann, vor allem im Anleihebereich. Nach der Umfrage interessieren sich Berater für aktive Manager insbesondere für die Steuerung von Duration (79%) und Risiko (73%).

Wir sind überzeugt, dass man mit einem aktiven Anleiheansatz Mehrwert für Investoren schaffen kann. Es gibt erste Anzeichen für ein mögliches Ende des aktuellen Zyklus. Investoren werden deshalb einen größeren Teil ihres Portfolios in Festzinsanlagen umschichten wollen. Ein genaueres Verständnis der aktuellen Anleiherisiken und ihrer Ursachen ist deshalb ein Muss für jeden Finanzberater und seine Kunden.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt