Die Gefahr des eigenen Verhaltens

Anlageentscheidungen werden von unterbewussten Mechanismen gelenkt und können falsch sein. Die Erkenntnisse der Behavioral Finance helfen, Fehlern vorzubeugen und von denen anderer Anleger zu profitieren. Dr. Guido Baltussen, Head of Quant Association bei Robeco Asset Management, klärt auf.

Vor Kurzem erhielt Richard H. Thaler den Wirtschaftsnobelpreis für seine herausragenden Leistungen auf den Gebieten der Behavioral Economics und der Behavioral Finance. Er gilt als Begründer der Behavioral Finance. Das Forschungsgebiet entstand in den 1980er-Jahren und entwickelte sich schnell so weit, dass Investoren interessante Erkenntnisse daraus gewinnen konnten.

Investoren handeln irrational

Die Disziplin wendet Konzepte der Psychologie und anderer Sozialwissenschaften an, um Entwicklungen an den Finanzmärkten und Anlageentscheidungen zu erklären. Sie beschreiben ebenfalls, wie sich Menschen in Alltagssituationen grundsätzlich verhalten. Häufig lässt sich dadurch auch das Verhalten von Anlegern an Finanzmärkten erklären. Der Großteil der Investoren verhält sich nicht immer rational, sondern begeht leichtsinnige Fehler und fällt psychologischen Fallstricken zum Opfer. Das kann sich stark auf die Finanzen eines Anlegers auswirken. Die Erkenntnisse der Behavioral Finance können die Anlageentscheidungen von Investoren verbessern und ihnen dabei helfen, neue Anlagemöglichkeiten zu identifizieren.

Die Verhaltensweisen, die Anleger zu falschen Entscheidungen verleiten, können in drei Kategorien unterteilt werden. Erstens, wie werden Entscheidungen verarbeitet? Zweitens, wie bilden Investoren Erwartungen über die Entwicklung von Anlagen oder Märkten? Drittens, wie hoch ist ihre Risikobereitschaft?

Entscheidungen sind oft komplex, zu zahlreich oder zeitaufwendig, um sie detailliert zu analysieren. Eine wichtige Einsicht aus der Psychologie ist, dass die menschliche Fähigkeit begrenzt ist, Informationen und Auswahlmöglichkeiten zu verarbeiten und abzuspeichern. Geht es um alltägliche Entscheidungen, ähnelt das menschliche Gehirn einem Computer, dessen Speicherkapazität auf seiner Festplatte begrenzt ist und dessen Arbeitsspeicher nur eine bestimmte Anzahl an Informationen verarbeiten kann.

Daumenregeln werden zu Fallen

Obwohl es ihnen häufig nicht bewusst ist, nutzen Menschen daher Daumenregeln oder Heuristiken, um sich zu entscheiden. Beides ist nützlich, um in vielen Situationen die richtige Wahl zu treffen. Doch sie können auch zu Fallen werden und zu Fehlern führen. Eine wichtige Daumenregel für Investitionsentscheidungen ist zum Beispiel die bedingte 1/n Heuristik. Sie besagt, dass Investoren ihr Portfolio in zwei Schritten konstruieren sollten. Erst sollen sie sich einen Überblick über alle verfügbaren Alternativen verschaffen und sie anschließend beurteilen. Dabei tendieren sie dazu, sich auf die Ergebnisse einzelner Anlagemöglichkeiten zu konzentrieren. Sie achten dabei auf einen möglichst geringen Verlust und einen möglichst hohen Gewinn. Dieser Ansatz ignoriert die Vorteile der Streuung des Portfolios, etwa geringere Risiken, die sich ergeben, wenn man Assets aufnimmt, die eine geringe Korrelation mit den übrigen Investments aufweisen. Dabei ist Diversifizierung der einzig mögliche Free Lunch an den Finanzmärkten.

Zudem verteilen Investoren ihr investiertes Kapital relativ gleichmäßig auf die ausgewählten Anlagestrategien. Kaufen sie vier Aktien, tendieren Sie dazu, jeweils 25 Prozent in jeden Titel anzulegen. Das ist eine weit verbreitete Praxis bei privaten und institutionellen Anlegern, Fondsmanagern und Verwaltern von Pensionsfonds. Diese Allokation scheint besonders in unsicheren Märkten sinnvoll, doch ist sie oft zu wenig ausgereift. Investoren legen oft zu naiv an. Sie wählen erstens zu wenige Aktien für ihr Portfolio aus, sodass sie nicht gut diversifiziert sind. Zweitens führt die 1/n Heuristik zu einer suboptimalen Titelauswahl und drittens entgeht Anlegern, die ihre Anlagebeträge gleichmäßig auf alle Titel verteilen, der Vorteil eines diversifizierten Portfolios. Alle diese Verhaltensweisen führen einzeln und im Verbund zu ineffizienten Portfolios.




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