Die heimlichen Gewinner der Fußball-WM 2018

Die Fußball-Weltmeisterschaft in Russland kurbelt die weltweite Konsumfreude an. Ken Van Weyenberg von der Candriam Investors Group sieht besonders bei einigen Unternehmen großes Potenzial – dank hoher Absatzprognosen.

Nächste Woche beginnt die Fußball-Weltmeisterschaft und Unternehmen auf der ganzen Welt hoffen auf zusätzliche Nachfrage. In der Tat ist die Fußball-WM eines der wichtigsten Sportereignisse der Welt. Oft gilt sie als kurzfristige Stütze für Tourismus, Einzelhandel sowie den Lebensmittel- und Getränkesektor.

Sektoren, die von der WM profitieren

Insbesondere dem Lebensmittel- und Getränkesektor dürfte das große Interesse an der Fußball-WM entgegenkommen. Fußball und Bier, aber auch alkoholfreie Getränke und Snacks passten schon immer gut zusammen, man denke nur an das Sponsoring durch Anheuser-Busch InBev und McDonald’s. Natürlich rechnet man damit, dass die WM den Konsum steigen lässt, und das nicht nur in Russland. Deutsche Brauereien profitierten beispielsweise davon, dass die Nationalmannschaft 2014 Weltmeister wurde. Das Statistische Bundesamt registrierte einen deutlichen Anstieg des Bierkonsums mit Beginn der Weltmeisterschaft in Brasilien. Davor war der Bierkonsum in Deutschland (im Vorjahresvergleich) letztmals 2006 gestiegen, als Deutschland Gastgeber war, schreibt der Deutsche Brauer-Bund, kurz DBB. Zweifellos dürfte der Absatz von Getränken, alkoholischen wie nicht-alkoholischen, von der Fußball-WM in diesem Jahr profitieren. Dies ist sicherlich gut für den WM-Sponsor Budweiser, eine der Marken von Anheuser-Busch InBev. Allein im Juni 2006, dem ersten Monat der Fußball-WM in Deutschland, wurden im Gastgeberland fast 10 Millionen Hektoliter Bier verkauft, 14 Prozent mehr als im gleichen Monat des Vorjahres.

Ein Sportereignis hat positive kurzfristige Auswirkungen auf jene Sektoren, die unmittelbar von der Anreise und der Unterbringung der Zuschauer profitieren. Daher wird die Fußball-WM der russischen Zivilluftfahrt guttun, die schon in den letzten Jahren boomte. Nach Angaben der OAG, einem der weltgrößten Netzwerke für Flugreisedaten, sind die russischen Flugzeugkapazitäten um 14 Prozent gestiegen. Man rechnet damit, dass aufgrund der Weltmeisterschaft zusätzliche 3,5 Millionen Besucher ins Land kommen (Bruttowerte für alle zwölf Austragungsorte). Dies wird auch für internationale Fluggesellschaften und den lokalen Tourismus – Hotels und Restaurants – gut sein.

Die Sponsoren

Natürlich werden in erster Linie die WM-Sponsoren von der Weltmeisterschaft in Russland profitieren, die FIFA-Premiumpartner ebenso wie die übrigen Förderer. Hier landen wir schnell bei den üblichen Verdächtigen wie Coca-Cola und Adidas: Adidas rechnet mit einem starken Anstieg des Absatzes von Fußballtrikots durch die WM. 2014 verkaufte Adidas mehr WM-Trikots als je zuvor, über acht Millionen, und verzeichnete in seiner Fußballsparte einen Rekordabsatz. Adidas ist bei solchen Sportereignissen eindeutiger Weltmarktführer und sponsert dieses Jahr elf von 32 Mannschaften. Nike sponsert zehn, darunter Frankreich und Brasilien. Puma sponsert lediglich zwei Turnierteilnehmer.

FIFA-Partner Coca-Cola hat jede WM seit 1978 gesponsert und wird dies bis 2022 weiter tun. Das Unternehmen hatte einen guten Jahresbeginn 2018, und die Fußball-WM könnte ihm weiteres Geschäft bescheren. Während der WM 2014 führten die Sponsoring-Aktivitäten des Getränkeherstellers zu einem deutlichen Absatzanstieg. Außerdem dürfte die wachsende Markenbekanntheit durch die WM Coca-Cola langfristig nützen. Nach Angaben von AffinityAnswers ist Coca-Colas Popularität bei den Fans zweimal so schnell gestiegen wie die des Wettbewerbers Pepsi. Coca-Cola war 2014 der bevorzugte Softdrink der Fans und profitierte noch Wochen nach dem Turnier von diesem Effekt.

Schließlich nutzt auch Visa die WM, um seine Innovationskraft unter Beweis zu stellen. Das Unternehmen führte zuletzt in 16 Ländern weltweit die Payment-Technologie Visa Checkout ein. Außerdem bietet Visa tragbare Zahlungstechnologien an, etwa eine mobile Bezahlmöglichkeit und einen Ring mit Zahlungsfunktion. Beides gab es erstmals bei den Olympischen Spielen in Rio 2016. Visa dürfte davon profitieren, denn das Unternehmen erwartet höhere Ausgaben während der WM. Beispielsweise gaben die Besucher der Fußball-WM 2014 in Brasilien 31 Prozent mehr je Kreditkarte aus als klassische Touristen.




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