Die Politik in die Pflicht nehmen

Der Sustainable Finance Gipfel in Frankreich steht heute an. Gerade in Sachen nachhaltiges Investieren hinkt Deutschland hinterher. Die Politik muss daher in die Pflicht genommen werden, sagt Bertille Knuckey, Head of Sustainable & Responsible Investment bei Sycomore Asset Management.

Deutschland gilt vielen als europäischer Vorreiter bei ökologischen Fragen. Von der Mülltrennung über den Ausstieg aus der Kernenergie bis zu einer Grünen Partei mit Regierungsverantwortung: Hier wurden Umweltfragen nicht nur früh thematisiert. Naturschutz und der Kampf gegen den Klimawandel haben in der Bevölkerung heute parteiübergreifend eine hohe Akzeptanz. Dass eine hohe Windrad-Dichte jedoch kein Indikator für die Nachhaltigkeit der Wirtschaft insgesamt ist, ist das Thema des ersten Sustainable Finance Gipfels, der heute in Frankfurt stattfindet. Denn obwohl viel über nachhaltiges Investieren gesprochen werde, hinken Finanzwirtschaft und Investoren in Deutschland im europäischen Vergleich deutlich hinterher, kritisiert der Veranstalter Hub for Sustainable Finance (H4SF), eine Initiative der Deutschen Börse und des Rats für Nachhaltige Entwicklung. Sie soll die Berücksichtigung nachhaltiger Kriterien im deutschen Finanzsektor vorantreiben.

Gerade in Deutschland wird nachhaltiges Investieren oft noch in der ökologischen Nische verortet. Doch das wird weder der Bedeutung noch dem Beitrag gerecht, den nachhaltige Faktoren heute bei der Risikobewertung und der Rendite von Investments leisten. Denn zum einen können Unternehmen ihre umweltschädlichen Prozesse immer weniger kostenfrei der Gemeinschaft aufbürden, dafür sorgen zum Beispiel strengere Umweltgesetze, Auflagen und auch soziale Medien, über die sich beispielsweise weltweite Lieferketten prüfen lassen. Zum zweiten reduzieren ressourcenschonende Geschäftsmodelle und ein verantwortliches unternehmerisches Handeln die Risiken für Investoren. Und drittens bieten innovative Konzepte und Lösungen für die drängenden Fragen der Welt wie Umweltschutz, Klimawandel, Ernährung, Gesundheit und Bildung auch großes Wachstumspotenzial und damit wirtschaftlich attraktive Chancen für Anleger.

Vorbild Frankreich: Grüne Staatsanleihen und mehr Transparenzpflichten

In Frankreich sei das Thema nicht nur bei den Investoren, sondern auch in der Politik schon stärker angekommen. So ist der Französische Staat nach Polen erst das zweite Land, das seit 2017 grüne Staatsanleihen ausgibt, um nachhaltige und ressourcenschonende Projekte zu finanzieren. Und schon seit 2015 bestimmt der neue Artikel 173 des französischen Gesetzes über den Energiewandel, dass nicht nur Vermögensverwalter, sondern auch institutionelle Investoren darüber berichten müssen, wie genau sie ESG-Kriterien (ESG=Environment, Social, Governance) in ihre Investment-Strategien einbeziehen. Die Veröffentlichungspflichten sind weitreichend und umfassen sowohl eine umfassende Übersicht der genutzten Kriterien, eine detaillierte Beschreibung der Analyse-Methodik und der Auswirkungen auf die Umwelt sowie auf Klimaschutzziele.

Die Pflicht zum Reporting allein reduziert natürlich erst einmal weder den CO2-Ausstoß noch verbessert es die Lage von Zulieferern, Mitarbeitern oder der Gesellschaft insgesamt. Aber Transparenz zu schaffen ist ein wesentlicher Schritt, um nachhaltige Themen überhaupt erst einmal sichtbar zu machen und um in der Diskussion um relevante Kennziffern und Bewertungsmethoden weiterzukommen. Und nur so erhalten Investoren überhaupt die Möglichkeit, sich nicht nur auf der Basis von Finanzkennziffern zu entscheiden, sondern die Nachhaltigkeit zur Grundlage einer Risiko- und Chancenbewertung zu machen und in ihre Anlageentscheidung mit einzubeziehen. Das Interesse gerade bei Institutionellen Investoren ist auf jeden Fall vorhanden. Eine aktuelle Studie von HSBC beziffert das Volumen nachhaltig angelegter Gelder auf weltweit über 20 Billionen US-Dollar. Auch die Unterstützung der UN-Initiative Principles for Responsible Investment PRI hat in den vergangenen 10 Jahren stark zugenommen, von rund 200 auf über 1.700 Unternehmen aus der Finanzwirtschaft mit einem verwalteten Vermögen von rund 70 Billionen US-Dollar.




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