Doch smarter als der Markt

Wer ETFs kauft, vertraut darauf, dass der Index besser performt als ein aktiv gemanagter Fonds. Smart-Beta ETFs weichen von der reinen Kapitalmarktgewichtung ab.

Der europäische ETF-Markt hat sich in weniger als zehn Jahren mehr als verdoppelt. Während in europäischen börsengehandelten Indexfonds – kurz ETFs – im Jahr 2010 noch 210 Milliarden Euro angelegt waren, sind es heute 551 Milliarden Euro. Indexfonds sind inzwischen sowohl bei institutionellen Investoren als auch bei Privatanlegern als flexibel einzusetzende, günstige und transparente Anlageprodukte etabliert.

Wachstum von 20 Prozent erwartet

Experten zufolge soll das Wachstum der in ETFs verwalteten Mittel weiter anhalten. So erwartet Amundi zum Beispiel, dass der europäische Markt in den nächsten fünf Jahren um jährlich 20 Prozent zulegt. Angetrieben wird das Wachstum dabei vor allem durch den Ausbau der Vertriebskanäle, sinkenden Vertriebskosten und das bessere Know-how der Anleger.

Auch der Jahresbeginn 2017 war für die europäische ETF-Branche erfolgreich: Mit Zuflüssen in Höhe von 34,4 Milliarden Euro von Januar bis April. Dies entspricht 80 Prozent der Zuflüsse des gesamten Jahres 2016. 22,3 Milliarden Euro entfielen auf Aktien- und 10,2 Milliarden Euro auf Anleihe-ETFs. Nachdem 2016 Renten-ETFs deutlich mehr Mittel einsammelten, hat sich nun das Blatt wieder zugunsten von Aktien-ETFs gewendet. Hinsichtlich der regionalen Anlageschwerpunkte dominieren in Europa seit Jahresbeginn globale Aktien mit Zuflüssen in Höhe von rund 4,1 Milliarden Euro. Es folgen europäische Aktien, die ein Plus von 3,7 Milliarden Euro verbuchten, und US-Aktien mit Zuflüssen von 2,3 Milliarden Euro. Hintergrund ist die Konjunktur, die – vor allem in den USA, der Eurozone und Japan – durch eine starke Binnennachfrage und leicht anziehende Investitionen sowie vor allem in Asien durch gute Außenhandelszahlen angetrieben wurde.

Nachdem Aktien der Eurozone 2016 noch hohe Abflüsse hinnehmen mussten, hat das Interesse in jüngster Zeit wieder angezogen. Zwar stehen in Deutschland und Italien Wahlen an, von denen einige politische Risiken ausgehen. Doch haben besser als erwartete Wirtschaftsindikatoren und die im Vergleich zu den USA günstigere Phase im Wirtschaftszyklus, in der ein geringerer Inflationsdruck droht, Anlagegelder angezogen. Neben den sehr günstigen Bewertungen europäischer Aktien ist ein wichtiges Argument für Europa-Aktien-ETFs, dass die Europäische Zentralbank – im Gegensatz zur US-Notenbank – wahrscheinlich noch eine Weile an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten wird, um den Aufschwung nicht zu gefährden.

So ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des MSCI Europe Indexes niedriger als vor drei Jahren, während das KGV des MSCI- USA-Indexes im gleichen Zeitraum um 20 Prozent gestiegen ist. Der US-Aktienmarkt ist folglich nach Ansicht vieler Experten historisch relativ teuer, während die Bewertungen in Europa bislang hinter der wirtschaftlichen Lage zurückgeblieben sind. Amundi erwartet jedoch, dass sich diese Bewertungslücke in den nächsten Monaten schließen wird.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt