E-Mobilität: Wie fährt die Zukunft?

Der Dieselskandal ist eine Gefahr für die deutsche Automobilbranche. Allerdings birgt die Diskussion darüber auch Potenziale für neue Wege, meint Adrian Daniel, Fondsmanager des MainFirst Absolute Return Multi Asset.

Es wird immer klarer, dass die Automobilindustrie vor einer grundlegenden Neuerung steht. Ein Anzeichen ist, dass der Elektroautohersteller Tesla bereits jetzt mit einer Marktkapitalisierung von 61 Milliarden US-Dollar auf Rang vier der wertvollsten Automobilunternehmen der Welt liegt. Damit reiht sich der US-amerikanische Elektroautohersteller unmittelbar hinter Toyota, Volkswagen und Daimler ein. Mittlerweile ist das Unternehmen nicht nur höher bewertet als seine heimischen Wettbewerber Ford und General Motors, sondern befindet sich auch auf Augenhöhe mit BMW. Und das, obwohl Tesla 2016 mit 76.2305 verkauften Fahrzeugen gerade einmal drei Prozent der Absatzzahlen von BMW vorlegen kann. Dies zeigt auch, dass die Börsen von einer fundamentalen Veränderung der Automobilindustrie ausgehen.

Mit dem derzeitigen Fortschritt der Elektroantriebe könnten sich nach Prognosen verschiedener Sektor-Analysten die bisherigen Kostenvorteile von Verbrennungsmotoren gegenüber Stromern bereits innerhalb der kommenden fünf Jahre umkehren. In einer Studie des ADAC aus dem Mai 2016 wurde auf Basis einer Vollkostenbetrachtung bei einigen Hybrid-Modellen eine günstigere Kostenbasis im Vergleich zum Verbrenner festgestellt, dank der Kaufprämie der Bundesregierung in Höhe von 4.000 Euro. Für Diesel dürfte sich dieser Vergleich in Europa zunehmend negativ entwickeln, da die Restwerte der Dieselfahrzeuge bei der aktuell niedrigen Nachfrage unter Druck stehen.

Der größte Kostenfaktor bei Elektroantrieben sind Batterien. Tesla scheint der Konkurrenz in Bezug auf Batteriekosten und Reichweite voraus zu sein. Besonders spannend ist Teslas sogenannte Gigafactory in Nevada. Bei diesem Projekt wird sich herausstellen, ob Skaleneffekte bei der Fertigung reiner Elektrofahrzeuge bereits in Kürze zu einer Konkurrenzfähigkeit gegenüber konventionellen Motoren führen können. Sollten sich mit diesem Projekt Kosten von unter 150 US-Dollar pro Kilowattstunde erreichen lassen, scheint für die Automobilindustrie der Weg zur Erreichung der CO2-Vorgaben gegeben.

China plant die Produktionsquote bis 2018

Weitere Zeichen kommen aus China. Die chinesische Regierung hat sich auf die Fahne geschrieben hat, den technologischen Wandel der Automobilität intensiv voranzutreiben. Hier wird aktuell eine feste Produktionsquote an Elektrofahrzeugen geplant, die bereits ab 2018 in Kraft treten soll. Hersteller, die diese Quote nicht erfüllen, wären zum Kauf sogenannter Kreditpunkte gezwungen, um ihr Produktionsniveau aufrechtzuerhalten. Dieser entschlossene Kurs der Regierung in Bezug auf strenge Vorgaben für den Ausstoß von Abgasen ist nachvollziehbar, denn die Luftverschmutzung sorgt in der Bevölkerung für großen Unmut. Zudem sieht China im Elektroantrieb die Chance auf eine führende Rolle der eigenen Automobilindustrie im globalen Markt. Entsprechend fördert die Regierung den Aufbau notwendiger Technologien. Umso weniger überrascht es, dass ein chinesischer Autohersteller wie BYD mit 100.000 verkauften Fahrzeugen die globale Absatzstatistik für Elektrofahrzeuge in 2016 anführte. Der chinesische Technologieriese Tencent hat sich zuletzt eine Beteiligung in Höhe von fünf Prozent an Tesla gesichert. Entsprechend hoch liegt bei Tesla die Gewichtung des chinesischen Marktes. Nicht nur im Hinblick auf das enorme Nachfragepotenzial, sondern auch als günstige Fertigungsstätte. Mithilfe der staatlichen Förderung entwickelt sich derzeit die komplette globale Wertschöpfungskette rund um die Fertigung von Batterien im Reich der Mitte. Lithiumproduzenten wie Tianqi oder Jiangxi Ganfeng erweitern ihre Produktionskapazitäten bereits massiv. Ein weiterer guter Grund für eine eigene Produktion vor Ort ist zudem der chinesische Importzoll in Höhe von 25 Prozent.




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