ESG-Kriterien stärken Gesundheitssektor

„Der Gesundheitssektor ist einerseits gut aufgestellt, um zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden beizutragen. Andererseits steht die Branche jedoch wegen einiger ihrer Geschäftspraktiken in der Kritik, vor allem bei den Themen Produktsicherheit, Marketing und Preisgestaltung“, erklärt Julien Foll, Responsible Investment Analyst bei AXA Investment Managers. Ein Kommentar.

Das Streben nach einem längeren, besseren Leben gehört zu den weltweit größten Herausforderungen unserer Zeit. Auf der Suche nach Lösungen stehen Unternehmen aus dem Gesundheitssektor an forderster Front. Unter Berücksichtigung der Kriterien für nachhaltige Anlagestrategien, Umwelt, Soziales und Governance (ESG), erwachsen daraus Chancen und Risiken für professionelle Investoren: „Der Gesundheitssektor ist einerseits gut aufgestellt, um zur Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden beizutragen. Andererseits steht die Branche jedoch wegen einiger ihrer Geschäftspraktiken in der Kritik, vor allem bei den Themen Produktsicherheit, Marketing und Preisgestaltung“, erklärt Julien Foll, Responsible Investment Analyst bei AXA Investment Managers.

Mit Blick auf die Sicherheit von Produkten zeige sich zwar, dass gerade große Unternehmen im Gesundheitssektor in den vergangenen Jahren nennenswerte Verbesserungen erzielen konnten. Dies habe wesentlich dazu beigetragen, Schäden zu minimieren. Dennoch seien bei bestimmten Unternehmen immer wieder Rückrufaktionen und der Versand von Warnschreiben erforderlich.

Produktvermarktung birgt Risiken

Ein weiteres Risiko bestehe in der illegalen oder unangemessenen Vermarktung von Pharmaprodukten: „Die meisten Gerichtsprozesse wegen unangebrachtem Marketing finden in den USA statt, wo sowohl Direktwerbung für verschreibungspflichtige Medikamente als auch Sammelklagen zulässig sind. Zwar sind die Prozesskosten in den letzten Jahren gesunken, aber es gibt Unternehmen, die deutlich stärker im Fokus stehen als andere“, betont Foll.

Anlass zu wachsender Sorge verursache zudem die Preisgestaltung im Gesundheitssektor. Vor allem in den USA sei der öffentliche und politische Druck auf die Unternehmen gestiegen. 2015, als die damalige US-Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton ihre Absicht in Aussicht stellte, die Kosten für verschreibungspflichtige Medikamente für chronisch Kranke zu begrenzen, verloren Aktien aus dem Biotechnologiesektor schnell und immens an Wert. Seitdem habe es zwar Fortschritte bei Preistransparenz und differenzierten Preisstrategien gegeben. Dennoch bestehe weiteres Verbesserungspotenzial.

Schwellenländer treiben Branchenwachstum an

In den etablierten Märkten sehe sich der Gesundheitssektor mit kontinuierlich sinkenden Renditen für Investitionen in Forschung und Entwicklung sowie einem höheren Preisdruck konfrontiert. Dagegen dürften die Unternehmen der Entwicklungsländer künftig der maßgebliche Treiber für das Branchenwachstum sein: „Unternehmen in den Schwellenländern, die sich den Zugang zu Medikamenten und medizinischen Programmen erschließen, sollten rasch an Marktanteilen gewinnen und zu den Profiteuren im Gesundheitssektor zählen“, erklärt der Experte.

„War for Talents“ nimmt zu

Da Innovation für die Leistungsfähigkeit von Gesundheitsunternehmen besonders wichtig ist, steigt auch die Bedeutung von geeigneten Mitarbeitern. „Der Wissenserhalt und die Innovationsfähigkeit zählen insbesondere im Rahmen von Fusions- und Übernahmetätigkeiten sowie von Unternehmensumstrukturierungen zu den Schlüsselfaktoren. Deshalb ist eine angemessene Strategie zur Gewinnung und Bindung von Talenten entscheidend für den langfristigen Erfolg“, sagt Foll. Allerdings gestalte sich der Wettbewerb um geeignetes Personal besonders schwierig, weil gerade im forschungsintensiven Gesundheitssektor hochspezialisierte Fähigkeiten gefragt seien.

Einen besonderen Stellenwert nehme die langfristige Unternehmensstrategie ein, denn die Produktentwicklung im Gesundheitssektor könne über ein Jahrzehnt dauern. „Investoren sollten die langfristige Positionierung des Managements mit Blick auf Forschung und Entwicklung, Megatrends sowie Übernahmen und Fusionen berücksichtigen. Ein weiteres wichtiges Kriterium ist die Erfolgsbilanz der Führungskräfte insbesondere bei den ESG-Faktoren“, lautet das Fazit des Experten.




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