Essen wir bald alle Algen?

Die Weltbevölkerung wächst immer weiter. Um ihre Nahrungsgrundlage zu sichern, müssen Jörg Dehning von DJE zufolge neue Wege erschlossen werden.

Wer Exotik und Ekel sucht, muss nach Schweden: Die Besucher des Disgusting-Food-Museums in Malmö können bis September 2019 für hiesige Gaumen ungewohnte Nahrungsmittel verkosten. Dazu gehört beispielsweise Durian, die berühmte Stinkfrucht aus Thailand, oder Casu Marzu, ein Madenkäse aus Sardinien. Es ist unwahrscheinlich, dass die Lebensmittel, die derzeit in Malmö präsentiert werden, in Deutschland irgendwann breite Akzeptanz finden werden.

Eine Frage aber verlangt zweifellos nach neuen Ideen innerhalb der globalen Nahrungsmittelproduktion: Wie können wir in naher Zukunft bis zu zehn Milliarden Menschen auf der Welt ernähren? Gemäß der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO) steigt der Proteinbedarf in den nächsten drei Dekaden schätzungsweise um mehr als 300 Millionen Tonnen jährlich. Getrieben wird die zusätzliche Nachfrage im Wesentlichen vom Bevölkerungszuwachs in Asien und Afrika, sowie von der fortschreitenden Urbanisierung. Gerade in den Regionen, wo der Bedarf besonders stark wächst, ist eine Ausweitung der Anbauflächen von Getreide und Reis oft kaum noch möglich. In anderen Regionen der Erde sind die Witterungsbedingungen schwierig. Es müssten beispielsweise umfangreich Wälder abgeholzt werden, andernorts fehlt es einfach an der nötigen Infrastruktur.

Fischmehlproduktion am Limit

Folglich verwundert es nicht, dass aufgrund der Flächenrestriktionen zuletzt ein großer Teil des zusätzlichen Proteinbedarfs durch den Ausbau der Fischzucht gedeckt wurde. Während die Weltmeere deswegen überfischt wurden, gelang es vor allem der Aquakultur-Industrie in den letzten Jahren das Angebot kontinuierlich auszuweiten. Allein in Indonesien hat sich das Produktionsvolumen in der Fischzucht seit 2009 auf 31,9 Millionen Tonnen fast versiebenfacht.

Auch hier wird zu Recht die Ökobilanz kritisiert, schließlich nutzen viele Aquakultur-Betriebe im Fischfutter ebenfalls Fischmehl und Fischöl. Das Problem der Überfischung wurde in den letzten Jahren entsprechend kaum gemindert. Dank des relativ niedrigen Preisniveaus weichen mittlerweile viele Fischfarmer auf Sojabohnenmehl aus. Deren Fettsäuren-Profil ist allerdings ungenügend. Deshalb sind ganz neue Lösungsansätze gefragt.

Algen und Insekten als Nahrungsgrundlage

Betrachtet man die vorhandenen Möglichkeiten, scheint es am interessantesten zu sein, Fischmehl durch Insekten zu ersetzen und Fischöl durch Algenöl. So sind seit Mitte 2017 insgesamt sieben Insektenarten in der Europäischen Union zur Verwendung in Fischfutter zugelassen. Gleich mehrere Großanlagen zur Produktion von Insektenmehl auf Basis der „Schwarzen Soldatenfliege“ gehen im laufenden Jahr in Betrieb. Die ursprünglich aus Florida stammende Schwarze Soldatenfliege ist insbesondere aufgrund ihrer Virenresistenz interessant. Damit erfüllt sie wichtige Voraussetzungen im Rahmen der Lebensmittelsicherheit. Zudem sind Insekten in Bezug auf den Ausstoß von Treibhausgasen, dem Flächen- und Wasserverbrauch nahezu unschlagbar. Ähnlich verhält es sich bei der Produktion von Proteinen beziehungsweise Fettsäuren aus Algen. Neben Sonnenlicht und CO2 benötigen Mikroalgen zur Anzucht nur anorganische Nährstoffe wie Phosphat und Stickstoff. Auch verbrauchen sie im Vergleich zu Landpflanzen wenig Wasser sowie keine landwirtschaftlichen Nutzflächen. Die Verwertung der Restbiomasse als Dünger oder als weitere Energiequelle hilft die Produktionskosten zusätzlich zu reduzieren.

Seite zwei – neue Wassersysteme ermöglichen nachhaltige Fischzucht



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