Bitcoin & Co. – Zwischen Hype und Disruption

Blockchain und Kryptowährungen bekommen vermehrt Aufmerksamkeit. Global Investor hat sich mit dem Krypto-Enthusiasten und Szene-Kenner Dr. Julian Hosp über die Faszination an der neuen Technologie, Kursentwicklungen und Risiken unterhalten.

Du hast eine interessante Vita: promovierter Mediziner, professioneller Kitesurfer und seit einigen Jahren Enthusiast im Bereich der Kryptowährungen und Blockchain. Wie kam es dazu, dass das du ein Interesse für Bitcoin & Co. entwickelt hast und was fasziniert dich daran?

Am Anfang habe ich Kryptowährungen weniger als Herausforderung betrachtet. Für mich war das damals eher Scam. Zum ersten Mal, dass ich es wirklich verstanden habe, war dann Ende 2014. Da begann es mit der Faszination für Blockchain, von Bitcoin per se war ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht überzeugt. Ich war allerdings immer davon überzeugt, dass die Blockchain noch etwas anderes unterstützen sollte als eine reine Währung. Diesen Standpunkt vertrete ich auch heute noch. Es muss etwas dahinter stehen wie diverse Assets, die es in früheren Jahren noch nicht in dem Umfang gegeben hat, wie es heute der Fall ist. Dennoch glaube ich, dass es zu einer digitalen Währung kommen wird, ob es Bitcoin ist, wird sich dann zeigen. Diese Herausforderungen faszinieren mich. Es ist sehr spannend, wie hier etwas Neues entsteht, das die Welt verändern kann.

Wo siehst du die Blockchain-Technologie sich hin entwickeln?

Ich denke, es wird sich ähnlich wie mit dem Internet verhalten: Zunächst ist es ein Phänomen für das sich nur die Nerds und Geeks interessieren. Dann wird es sich wie eine „Hockeystick“-Formation entwickeln, und für jeden plötzlich spürbar werden, weil es in alle möglichen Bereiche eindringt. Bis es schlussendlich nicht mehr wegzudenken ist. Wann der Durchbruch der Technologie endgültig erfolgt, ist schwer zu beurteilen. Ich glaube aber, er kommt früher, als wir damit rechnen.

Blockchain-Experten sprechen auch den Hype-Zyklus an. Der Einführung einer Technologie folgt dabei eine übertriebene Erwartungshaltung, die über eine Phase der Enttäuschung irgendwann in ein „Plateau der Produktivität“ münden kann. Vor allem Banken scheinen sich nach Meinung einiger Beobachter gerade in der ersten Phase zu befinden. Wie bewertest du die Rolle von Banken beim Thema Blockchain?

Ich gehe davon aus, dass sich die Bedeutung der Banken in den nächsten Jahrzehnten verändern wird, wie wir das auch bei Telekommunikationsanbietern, Medienhäusern oder Produktionsfirmen in Bezug auf das Internet beobachten konnten. Das traditionelle Bankengeschäft wird sich transformieren: Banken werden weniger Geldverwalter sein, als vielmehr Servicegesellschaften werden. Der Zugang zu Geld wird unwichtiger, allerdings wird es weiterhin eben Serviceleistungen brauchen. Es wird noch einige Zeit benötigen, bis eine reine Maschine diesen Service übernehmen kann, selbst wenn wir heute schon mit Algorithmen und Lösungsansätzen experimentieren. Ich sehe gegenwärtig noch nicht den Algorithmus, der dazu in der Lage ist. Auch wenn es in einigen Jahren der Fall sein könnte, dann stellt sich immer noch die Frage, ab wann die Menschen diesen Systemen ihr Vertrauen schenken.      




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