Fintechs im Auge des Sturms

Eine Kombination aus Trump-Effekt und normalisierender Geldpolitik führte zu einem Ansturm auf zyklische Finanzwerte – vor allem bei Banken. Die Leidtragenden dieser Entwicklung waren Unternehmen, die sich auf den weltweiten Zahlungsverkehr spezialisiert haben sowie Fintechs. Guy de Blonay, Fondsmanager des Jupiter Global Financials SICAV bei Jupiter Asset Management, kommentiert die aktuellen Entwicklungen.

Kürzlich hat die US-Notenbank ihre Pläne zum Bilanzabbau bekannt gegeben und die Federal Funds Rate um 0,25 Prozent erhöht. Dies ist der zweite und voraussichtlich auch nicht der letzte Schritt dieser Art in sechs Monaten. Ein zunehmend angespannter Arbeitsmarkt hat Fed-Präsidentin Janet Yellen dazu veranlasst, die geldpolitischen Zügel anzuziehen.

Bankaktien konnten zuletzt aus gutem Grund zulegen, denn Zinserhöhungen schlagen sich in einer verbesserten Nettozinsmarge nieder. Was Anleger aber hinterfragen sollten ist die Tatsache, dass Fintechs reflationsbedingt ins Hintertreffen geraten sind. In meinen Augen bedarf es eines ausgeglichenen Investmentansatzes, da zyklisches Wachstum in dem einen Bereich nicht zwingend strukturellem Wachstum in einem anderen Bereich widerspricht.

Zu groß für Veränderung?

Im Zuge der Finanzkrise wurde die Frage laut, ob Großbanken „too big to fail“ seien, also zu wichtig, um zu scheitern. Der Fintech-Sektor wirft eine andere Frage auf: Sind die Großbanken „too big to change“ – sprich zu groß für Veränderung? Jahrzehntelang haben Großbanken von der Kundenträgheit profitiert, die sie quasi wie ein Schutzwall umgeben hat. Die Gründe hierfür waren mangelnde Transparenz sowie praktische Produktpakete, die es den Banken ermöglichten, Finanzdienstleistungen aus einer Hand anzubieten. Technologische Entwicklungen, neue Regelungen für verbesserte Transparenz sowie die große Zahl digital versierter Millennials, die bereits nicht-klassische Zahlungsdienstleister wie Apple, Google, PayPal und Facebook nutzen, läuten jedoch das Ende der Bankenträgheit ein.

In einigen Ländern haben Aufsichtsbehörden bereits Maßnahmen zur Wettbewerbsförderung eingeführt. So soll zum Beispiel die Open-Banking-Initiative, die von der britischen Wettbewerbs- und Marktaufsichtsbehörde ins Leben gerufen wurde, zu erheblichen Veränderungen der Interaktion zwischen Kunde und Bank führen. Diese Initiative vereinfacht den Datenaustausch und ermöglicht Kunden mehr Freiheit bei der individuellen Anpassung ihrer Bankdienstleistungen. Die oftmals genutzten Produktpakete dürften für Banken künftig weniger rentabel sein. Dies wird sich auf die derzeitige Praxis auswirken, wonach margenstarke Produkte genutzt werden, um margenschwache Produkte zu subventionieren.




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