Frauenquote: Je mehr Frauen, desto besser.

Je mehr Frauen, desto besser. Das ergeben mehrere Studien, die einen Zusammenhang zwischen dem Erfolg eines Unternehmens und einem verhältnismäßig hohen Frauenanteil feststellen. Viel Aufmerksamkeit bekommt diese Marktnische noch nicht – doch sie bietet attraktive Chancen. Dag Rodewald, Head Passive and ETF Specialist Sales Deutschland und Österreich bei UBS Asset Management, erklärt, warum sich eine Quote auf für Investoren auszahlt.

„Die Quote wirkt“, sagt Bundesfamilienministerin Fanziska Giffey immer wieder, wenn sie über die Frauenquote spricht. Die gilt in Deutschland seit 2015 und verpflichtet börsennotierte und mitbestimmungspflichtige Unternehmen, ihren Aufsichtsrat zu 30 Prozent mit Frauen zu besetzen. Auch Franziska Giffeys Vorgängerinnen im Amt, Katharina Barley und Manuela Schwesig wiederholten diese Aussage regelmäßig. Die Zahlen geben ihnen recht: Seit das Gesetz in Kraft ist, ist die Frauenquote in den betroffenen Aufsichtsräten um rund neun Prozent gestiegen.

Doch Ministerin Giffey reicht das nicht. Die gesetzliche Quote wirke nur in ihrem unmittelbaren Geltungsbereich, sagte sie auf dem diesjährigen Forum der Organisation Frauen in die Aufsichtsräte (FidAR). Der Frauenanteil in den Vorständen derjenigen Unternehmen, deren Aufsichtsräte unter das Gesetz fielen, liege lediglich bei sechs Prozent.

Giffey kritisiert fehlende Zielgrößen für Vorstände

Die Quote gilt derzeit für rund 100 Unternehmen in Deutschland. Zusätzlich dazu sind etwa 3.500 weitere Firmen gesetzlich verpflichtet, sich Zielgrößen für den Frauenanteil in Aufsichtsrat, Vorstand und obersten Führungsebenen unterhalb des Vorstandes zu setzen. Von den Unternehmen, die sich selbst Zielvorgaben für den Vorstand gesetzt haben, gaben rund 70 Prozent die Zielgröße Null an – keine Frauen im Vorstand also. „Zielgröße Null ist weder zeitgemäß noch gerecht. Zielgröße Null ist schlicht und einfach dumm“, sagte Franziska Giffey ebenfalls auf dem FidAR-Forum. „Frauen in den Führungsspitzen der Wirtschaft sind gut fürs Geschäft. Gemischte Teams sind einfach erfolgreicher. Das lässt sich an den Geschäftszahlen vieler Firmen ablesen. Wer sich als Unternehmen dieser Chance verschließt, schöpft nicht alle Möglichkeiten aus, um erfolgreich zu sein.“

Das gilt auch für Investoren. Mehrere Untersuchungen deuten daraufhin, dass sich eine ausgeglichene Geschlechterquote positiv auf den Erfolg eines Unternehmens auswirkt. Credit Suisse beispielsweise kommt in ihrer Studie „The CS Gender 3000“ zu dem Ergebnis, dass Unternehmen mit einem höheren Anteil an Frauen in Entscheidungspositionen höhere Gewinne erzielen – bei einer ausgeglichenen Bilanz. Rund 3.000 Firmen weltweit wurden für die Studie analysiert. Diejenigen Unternehmen, in denen Frauen sogar die Mehrheit im Management stellen, stechen durch überdurchschnittliche Umsatzsteigerungen, hohe Cashflow Returns on Investment sowie eine geringere Verschuldung hervor. Die Studie ergab zudem: Wer in Unternehmen mit Geschlechtervielfalt als wichtigem Faktor investierte, wurde mit Überschussrenditen belohnt, bei einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 3,5 Prozent.

Erste Indizes erfassen Gleichberechtigung

Entsprechend interessant sind diese Unternehmen für Anleger. Das gilt besonders für Anleger in passive Produkte. Mittlerweile gibt es die ersten Indizes, die Unternehmen listen, die sich für Gleichberechtigung engagieren. Auf diesem Weg machen sie machen das neue Marktsegment leicht und in der Breite zugänglich. Dazu gehört beispielsweise der Solactive-Equileap-Global-Gender-Equality-100-Leaders-Index, der die 100 Unternehmen abbildet, die nach einer Analyse der Firma Equileap die besten Quoten bei der Geschlechtergerechtigkeit zeigen. Equileap hat sich das Ziel gesetzt, die Gleichberechtigung von Frauen und Männern im Beruf voranzutreiben und dieses Engagement profitabel zu gestalten. Essenzieller Teil dessen ist der „Gender Equality Global Report & Ranking“ des Unternehmens. Der jährliche Bericht untersucht mehr als 3.000 börsennotierte Unternehmen aus 23 Nationen weltweit, die anhand von 19 Kriterien auf ihre Gleichberechtigung von Männern und Frauen analysiert und eingeordnet werden. Die 100 besten Unternehmen, die dabei das höchste Ranking erreichen, schaffen es in den Index, der in Zusammenarbeit mit der Solactive AG erstellt wird.

Es geht dabei nicht nur um eine ausgeglichene Geschlechterquote in Vorstand oder Aufsichtsrat. Die Equileap-Analyse folgt einem ganzheitlicheren Ansatz. Die 19 untersuchten Kriterien werden in vier Kategorien unterteilt: Geschlechterquoten im gesamten Unternehmen, Bezahlung und Work-Life-Balance, Engagement für Gender Equality sowie Einsatz für Transparenz und Verantwortlichkeit. Die beiden ersten Kategorien sind ausschlaggebend und machen rund zwei Drittel der Bewertung aus.

Kategorien: Aufstiegsmöglichkeit, Bezahlung und Work-Life-Balance

In der ersten Kategorie, die mit 42 Prozent in die Bewertung einfließt, analysiert Equileap die Besetzung von Aufsichtsräten und Vorständen, sämtlichen Führungsebenen sowie die Geschlechterquote in der gesamten Belegschaft. Zusätzlich werden die Quoten auf den einzelnen Ebenen ins Verhältnis zur Quote im gesamten Unternehmen gesetzt und bewertet. Hat eine Firma beispielsweise eine ausgeglichene Zusammensetzung von Männern und Frauen auf den untersten Ebenen, das Management ist jedoch ausschließlich oder überwiegend mit Männern besetzt, deutet das darauf hin, dass Frauen nicht die gleichen Aufstiegsmöglichkeiten haben wie Männer. Solche Unternehmen werden in der Equileap-Analyse entsprechend schlechter bewertet.

Die zweite Kategorie, Bezahlung und Work-Life-Balance, fließt die zu 25 Prozent in das Ranking ein. Hier werden Firmen auf vier Aspekte geprüft. Gleiche Bezahlung von Männern und Frauen bei vergleichbaren Tätigkeiten ist ein wichtiger Faktor, ebenso aber auch eine insgesamt faire Entlohnung sämtlicher Angestellter. Das gilt auch für Länder, in denen es keinen gesetzlichen Mindestlohn gibt. Zusätzlich untersucht Equileap, welche Angebote Angestellte in Anspruch nehmen können, um Familie und Beruf gut unter einen Hut zu bringen. Dazu zählen beispielsweise Elternzeit, Pflegezeit oder flexible Arbeitszeiten. Die Kriterien der dritten Kategorie sind relativ weit gestreut. Interne Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten werden ebenso berücksichtigt wie Hinweise auf Diskriminierungen jedweder Art oder die Geschäftspraktiken von Zuliefer- oder Partnerfirmen. In der vierten Kategorie können Unternehmen Punkte sammeln, wenn sie beispielsweise zu den Unterzeichnern der UN Women’s Empowerment Principles zählen.

Auch harte Ausschlusskriterien existieren

Unternehmen werden grundsätzlich nicht berücksichtigt, wenn gegen sie ein Urteil oder eine Anklage wegen Diskriminierung, Belästigung oder unethischen Geschäftspraktiken vorliegt. Außerdem ausgeschlossen sind Firmen, die den ESG-Kriterien widersprechen. ESG steht für Environmental, Social und Governance. Nachhaltigkeit wird im Investmentbereich üblicherweise anhand von Kriterien aus diesen drei Bereichen Ökologie, Soziales und Unternehmensführung beziehungsweise Governance quantifiziert. Unternehmen werden also darauf geprüft, ob es sozial vertretbar ist, in sie zu investieren. Klassische Beispiele für Unternehmen, die ausgeschlossen werden, sind beispielsweise Waffenhersteller oder Firmen aus der Tabakindustrie.

Der Bereich Gender Equality ist innerhalb der nachhaltigen Anlagen noch relativ neu. Doch ebenso wie andere nachhaltige Geldanlagen gewinnen auch Gender Investments an Bedeutung. In diesem Bereich gibt es noch große unerschlossene Potenziale. Im Equileap-Ranking konnte kein Unternehmen eine bessere Beurteilung als die Note B erhalten, bei einem bestmöglichen Ergebnis von A+. Selbst das fünftbeste Ergebnis B erreichten lediglich sechs Unternehmen, die meisten Unternehmen wurden mit C+ bewertet. Entsprechend glauben die Experten von Equileap, dass die Unternehmen ihren Erfolg noch weiter steigern können. Außerdem schätzen sie, dass der Markt den Faktor der Gender Equality noch nicht angemessen eingepreist hat. Das bietet Anlegern interessante Möglichkeiten, ihre nachhaltigen Investitionen zu erweitern oder neu in den Bereich einzusteigen. Die Quote wirkt – auch für Investoren. //




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