Generika – Segen oder Fluch?

Sind Generika ein Segen für die Gesundheitsausgaben aber ein Fluch für Investoren? Maximilian Benedikt Köhn analysiert den Markt.

Vergleicht man die globalen Gesundheitsausgaben, zeigt sich, dass die USA das Land mit den höchsten Ausgaben weltweit ist. Der Anteil der Ausgaben, die in den USA für Gesundheit anfallen, entspricht mehr als 17 Prozent des Bruttoinlandsproduktes des Landes. Dabei spielen Medikamentenausgaben zwar eine wichtige, aber im Vergleich zu anderen Gesundheitsausgaben eher eine untergeordnete Rolle. Nur 12 Prozent der gesamten US-Gesundheitsausgaben wurden 2016 für Medikamente aufgewendet. Damit liegen die Kosten in den USA unter dem EU-Durchschnitt von knapp 16 Prozent. Eine der wichtigsten Maßnahmen, die Medikamentenkosten und damit die Gesundheitsausgaben zu reduzieren, ist der Einsatz von Generika. Biologisch sind die Nachahmer äquivalent zu den Originalen und können diese daher medizinisch ersetzen. Sie unterscheiden sich allerdings in einem wesentlichen Punkt von den jeweiligen Erstanbieterpräparaten: Sie sind wesentlich preiswerter, teilweise mit Preisnachlässen von bis zu 90 Prozent. Der Hauptgrund sind entfallende Forschungsausgaben. Von der ersten Idee bis zum marktreifen und zugelassenen Medikament können diese mehrere Milliarden US-Dollar betragen.

Generikaanteil an der Arzneimittelversorgung steigt

Der Generikaanteil an der gesamten Arzneimittelversorgung stieg in den vergangenen Jahren stetig an. Aktuell liegt er in Deutschland bei 77 Prozent, 2006 lag er bei knapp 60 und 1996 waren es ca. 38 Prozent. Ein ähnliches Bild ist auch in den USA zu finden. Dort liegt der Generikaanteil bereits bei über 88 Prozent, 2006 waren es knapp 63 und 1996 ca. 43 Prozent. Obwohl die Generika somit den Großteil der Arzneimittelversorgung ausmachen, halten sich die Kosten hierfür in Grenzen. So wurden 2016 in den USA gerade einmal 21 Prozent der gesamten 420 Milliarden US-Dollar an Medikamentenausgaben für Generika verwendet oder umgedreht entfielen 79 Prozent auf patentgeschützte Arzneimittel.

Fallende Preise bei Generika

Dennoch leiden seit fast zwei Jahren die Aktienkurse der weltweiten Generikahersteller gegenüber dem Gesamtmarkt besonders stark. Einer der Hauptgründe ist die Preisentwicklung der Generika. Laut Aussagen des Government Accountability Office, dem Rechnungshof der USA, sind die Preise für generische Medikamente im Zeitraum zwischen 2010 und 2015 um über 60 Prozent in den USA gefallen. Dieser Trend könnte zudem weiter andauern. Zusätzlich will der neue Chef der US-Arzneimittelaufsicht (FDA), Dr. Scott Gottlieb, den Wettbewerb für Generika intensivieren: Durch geringere Eintrittsbarrieren und schnellere Genehmigungsverfahren sollen Medikamentenpreise noch weiter gesenkt werden. Denn im Gegensatz zu innovativen Pharma- und Biotechunternehmen produzieren Generikahersteller die gleichen Wirkstoffe wie Erstanbieter und haben somit keinen wesentlichen Wettbewerbsvorteil gegenüber anderen Herstellern. Dies führt letztendlich zu einem Preiswettbewerb.

Außerdem gibt es auch genügend hausgemachte Probleme, etwa teure Übernahmen und den damit verbundenen Schuldenabbau, sowie extrem hohe Managementfluktuationen. Trotz solcher hausgemachten Probleme der Generikahersteller sind die langfristigen Perspektiven intakt. Haupttreiber wie die demografische Entwicklung und der Unmut der Selbstzahler über teure verschreibungspflichtige Medikamente sprechen für die positive Entwicklung von Generika in der Zukunft. Ein Beispiel setzte jüngst Japan. Angesichts seiner alternden Bevölkerung und der wachsenden Staatsverschuldung steht die japanische Regierung stark unter Druck, die wachsenden Gesundheitsausgaben unter Kontrolle zu halten. Sie setzt dabei auf die Förderung des Generikageschäfts. Bis Ende 2020 soll der Generika-Marktanteil von derzeit rund 60 Prozent auf 80 Prozent erhöht werden.

Unser Fazit:

Die entscheidende Frage für Anleger ist, ob der Zeitpunkt gekommen ist, wieder in das Generikasegment zu investieren. Dafür sprechen niedrige Bewertungen und steigende Nachfrage, zumal das Sentiment weiterhin sehr negativ gestimmt ist. Das sind Punkte, die für einen Value Investor einen guten antizyklischen Ausgangspunkt für tiefere Analysen darstellen. Aus unserer Sicht überwiegen jedoch derzeit noch die Risikofaktoren wie Preisverfall, Schulden und zunehmender Wettbewerb. Daher bevorzugen wir einstweilen weiterhin innovative Pharma- und Biotech-Unternehmen.




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