Heute schon gehackt worden?

Die Digitalwirtschaft legt zu. Dabei dominieren Trends wie Blockchain, Big-Data und Künstliche Intelligenz die Diskussion. IT-Sicherheit wird seltener thematisiert, obwohl sich der Markt durch die Digitalisierung wachsender Beliebtheit erfreut – wie aktuelle Untersuchungen zeigen.

Virus, Ransomware, Rootkit, Botnet – Was zur Hölle? Die Liste möglicher Schadsoftware ist lang, die technischen Möglichkeiten werden ebenso komplexer. Dort wo heute digitale Anwendungen Prozessabläufe überwachen und steuern, eröffnen sich neue mögliche Ziele für technisch versierte Angreifer und Cyberkriminelle.

Wenn Botnetze einen ganzen Staat lahmlegen

Welches Ausmaß Cyberangriffe auf Infrastrukturen haben können, zeigte das Beispiel Estland aus dem Jahr 2007. Der baltische Staat gilt als digitaler Vorreiter bei E-Governance. Das technisch moderne Verwaltungssystem erlaubt es seinen Bürgern über die Internetverbindungen einen Großteil an Behördengänge als auch Wahlen digital abzuwickeln.

Das ist innovativ und bequem. Es bietet allerdings im Zeitalter digitaler Eigentumsdelikte und Cyberkriege auch neuartige Gelegenheiten für böswillige Aktivitäten.

Im Falle Estlands kam es ab dem 26. April 2007 zu mehrwöchigen Angriffen gegen estnische Infrastrukturen von staatlichen Institutionen, Banken und Internetdienstleistern durch sogenannte Denial-of-Service-Attacken (DoS). Eine estnische Bank berichtete von einem wirtschaftlichen Schaden von geschätzt einer Million US-Dollar.

Enorme wirtschaftliche Schäden durch Cyberkriminalität

Angriffe über das Internet treffen Privatpersonen, Staaten und Unternehmen gleichermaßen. Pro Tag, so schätzen Experten, finden etwa vier Millionen Angriffe auf vernetzte Informationssysteme statt – Tendenz steigend.

Allein in Deutschland schätzte das Bundeskriminalamt (BKA) die Schäden von Hackerangriffen auf über 51 Milliarden Euro. Dabei dürfte es sich hierbei lediglich um die Spitze des Eisbergs handeln, da das Dunkelfeld bei derartigen Delikten als besonders groß gilt. Viele Angriffe blieben unentdeckt, warnen Sicherheitsexperten regelmäßig.

Der Präsident des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI), Arne Schönbohm, äußerte bereits bei einem Interview mit der „Bild“-Zeitung im Jahr 2016 seine Sorge: „Volkswagen gibt die Zahl der Cyber-Attacken auf sein IT-Netz mit 6000 Fällen pro Tag an. Und wir stellen jeden Tag allein mehr als 20 hochspezialisierte Angriffe auf das Regierungsnetz fest. Die Zahl der Cyber-Attacken ist also sehr hoch.“

Abbildung 1: Was wird angegriffen?

Quelle: „Angriff aus dem Cyber Space: So gefährdet sind mittelständische Unternehmen“ (2015), pwc.de

Bewußtseinswandel stellt sich langsam ein – auch bei Finanzdienstleistern und Asset Managern

Die Verunsicherung ist groß. Trotzdem schien das Thema IT-Sicherheit bei Unternehmen lange Zeit nicht besonders viel Aufmerksamkeit zu bekommen.  Der Global Threat Intelligence Report aus dem Jahr 2016 legte offen, dass viele Unternehmen immer noch unvorbereitet seien, käme es zu einem Ernstfall. Doch die Chefetagen sind zunehmend sensibilisiert, zeigen Untersuchungen.

„Die meisten Unternehmen haben erkannt, dass Cyberattacken jeden treffen können und die Angriffsgefahr mit jedem Jahr zunimmt“, sagt Dr. Axel Pols, Geschäftsführer der Bitkom Research. „Finanzdienstleister stehen dabei ebenso im Fokus der Attacken wie Unternehmen aus sensiblen Berechen wie Energie, Verkehr oder dem Maschinenbau“, schließt der Experte an.

Investitionen in IT-Sicherheit soll stark zunehmen

Eine kürzlich veröffentliche Studie von PricewaterhouseCoopers (PwC), die auf der weltweiten Befragung von 126 CEOs aus dem Bereich Asset & Wealth Management basiert, zeigt eindrucksvoll, dass das Thema Cybersicherheit ernst genommen wird. Demnach sind 73 Prozent der befragten CEOs über die Sicherheitslage besorgt.

Das bestätigen auch Untersuchungen von Bitkom Research im Auftrag des IT-Sicherheitsunternehmens F-Secure. 41 Prozent der befragten Unternehmen aus der Versichtungs- und Finanzdienstleistungsbranche gaben an, dass Investitionen in IT-Sicherheit im Jahr 2018 im Vergleich zum Vorjahr stark zunehmen werden.

Aktuell seien 30 Prozent lediglich unterdurchschnittlich sicher aufgestellt, fand die Live Security Studie von Bitkom Research heraus. Ingesamt wollen rund 47 Prozent aller befragten Unternehmen mit derzeit mangelhafter Sicherheitsarchitektur Investitionen bereitstellen, um Cyberkriminellen das. Klaus Jetter, Deutschlandchef von F-Secure, warnt hingegen vor der Vernachlässigung des Themas: „Wer nicht die Mittel für eine bessere IT-Sicherheit im Unternehmen bereitstellen will, handelt fahrlässig.

Wie in einem vorangehenden Artikel dargestellt, profitieren auch externe Beratungsunternehmen zunehmend von den Trends der Digitalisierung.

 

 




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

Bitte lasse dieses Feld leer.]

Bei unseren Lesern momentan beliebt