Industrie 4.0: Wo Deutschland wirklich steht

Wo Deutschland steht, wenn es um Industrie 4.0 geht, wird heiß diskutiert. Ein Beitrag zum Stand der Fortschritte – und wo es noch stockt.

Die Boston Consulting Group attestiert in einem aktuellen Bericht Deutschland Nachholbedarf in Sachen digitaler Unternehmensentwicklung. Keine wirklich neue Erkenntnis könnten kritische Stimmen behaupten. Doch es gibt eben auch Fortschritte.

Der deutsche Begriff Industrie 4.0 etablierte sich vor allem dank der Hightech-Strategie der Bundesregierung. Die Politik definiert mit diesem Strategiepapier die Schwerpunkte zukünftiger Forschungspolitik. Heute findet eben diese Strategie weltweit Aufmerksamkeit, wie ein Blick nach China verrät, wo das deutsche Konzept Industrie 4.0 für die eigene Strategie der chinesischen Regierung Made in China 2025 eine Vorbildfunktion einnimmt.

Für eine Industrienation wie Deutschland, die den Außenhandel mit hochwertigen Industriegütern als Zugpferd ihrer Wirtschaftskraft begreift, wäre es fatal, die vierte industrielle Revolution zu verschlafen. Daran dürften auch gut gefüllte Auftragsbücher nichts ändern. „Alte Geschäftsmodelle funktionieren noch gut, gerade in Hochkonjunktur-Zeiten wie jetzt“, sagt Bitkom-Verbandspräsident Achim Berg. Der Experte gibt allerdings auch zu bedenken: „Das Geschäft von morgen ist aber ausschließlich digital und darauf müssen wir uns jetzt entschlossen vorbereiten.“

Warum Industrie 4.0 wichtig ist

Die Vernetzung von Maschinen, etwa in einer smarten Fabrik, ist aus verschiedenen Aspekten von wachsender Bedeutung. Zunächst bieten innovative Datenverarbeitungsmodelle die Möglichkeit Arbeitsprozesse effizienter zu gestalten, und somit letztendlich Kosten zu sparen.

Die Digitalisierung bedroht etliche Arbeitsplätze? Das mag stimmen. Richtig ist aber auch: Gerade Länder deren Standortnachteil in der Vergangenheit die hohen Lohnkosten waren, könnten durch die Rückverlagerung von Produktionsstätten profitieren. Der deutsche Modelleisenbahn-Hersteller Märklin etwa kehrt nun wieder nach Deutschland zurück und verlässt China. Die Automatisierung macht es möglich.

Zudem kann Industrie 4.0 im Zusammenspiel mit anderen digitalen Trends wie Big Data, digitalen Plattformkonzepten und künstlicher Intelligenz eine ganz neue Flexibilität zwischen Fertigungsprozessen von Produkten und Kundenwünschen ermöglichen. Der Kunde kann etwa bei der individuellen Gestaltung eines Produktes von zu Hause aus mitwirken.

Die deutsche Bilanz

Laut einer Studie des Branchenverbandes Bitkom vom April 2018 beschäftigen sich rund 71 Prozent der deutschen Industrieunternehmen mit Industrie 4.0. Etwa 49 Prozent der Unternehmen nutzen bereits Industrie-4.0-Anwendungen.

Branchenexperte Achim Berg sieht allerdings reichlich Potenzial für den Ausbau der smarten Anwendungen: „Auch wenn sich viele Unternehmen mit Industrie 4.0 auseinandersetzen, so zeigt unsere Studie doch, dass oft nur einzelne Projekte in Angriff genommen werden“. Es sei zwar ein „guter Anfang“, dass das Thema angegangen werde, doch es müssten alle Bereiche konsequent digital aufgestellt werden. Schließlich gehe es auch darum, den Kunden neue Smart Services anzubieten.

Als Hemmnisse für die Industrie 4.0 sehen die Verantwortlichen der Unternehmen allen voran die Investitionskosten. Im Schnitt werde fünf Prozent des Gesamtumsatzes in technologische Neuerungen rund um Industrie 4.0 investiert. Als weitere Hürden werden Datenschutz, Datensicherheit und der Fachkräftemangel genannt.

Der Kampf um Fachkräfte hat begonnen

Alexander Matthies, geschäftsführender Gesellschafter der Hamburger Personalberatung GET AHEAD Executive Search, sieht den Mangel an Fachkräften als grundsätzliches Problem: „Deutsche Unternehmen sind Perfektionisten. Für Ingenieure ist die Optimierung des physischen Produkts quasi ein Selbstzweck. Der Blick für das große Ganze, den tatsächlichen Kundennutzen und neue digitale Geschäftsfelder geht dabei oft verloren“, so Matthies.

Insbesondere der Mangel an Data Scientists und digital-affine Business-Developer sei ein großes Problem für die Unternehmen.

 




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