„Keine generelle Blase bei Tech-Aktien“

Die Dotcom-Blase ist bei vielen Anlegern noch immer im Hinterkopf, vor allem mit Hinblick auf die heutige Marktlage. Dabei gibt es einige unterschiedliche Ausgangspunkte in der Risikobewertung. Warum die Marktlage heute anders aussieht, erläutert Quirien Lemey, Portfoliomanager International Equities bei Degroof Petercam Asset Management (DPAM).

Alte Wunden heilen nur langsam

Fast zwei Jahrzehnte sind nun schon vergangen, als die sogenannte Dotcom-Blase platzte. Dass dieses traumatische Erlebnis in den Köpfen vieler Finanzmarktakteure noch präsent ist, zeigen die wieder immer aufflackernden Diskussionen um das Entstehen einer neuen Blase bei Technologieaktien. Insbesondere dann, wenn Börsengänge von einer großen öffentlichen Aufmerksamkeit begleitet werden oder aufstrebende Technologie-Start-Ups den erfolgreichen Abschluss ihrer Mittelbeschaffung bekannt geben. Auch mit den niedrigen Volatilitäten bei den Aktien der US-Tech-Giganten Facebook, Amazon, Apple, Microsoft und Google – kurz FAAMG genannt – verbindet derzeit mancher Marktbeobachter eine übertriebene Euphorie.

Das globale Universum an Technologieaktien ist heute fundamental betrachtet ein ganz anderes als zu Beginn des Jahrtausends. Damals basierten die Bewertungen vielfach auf heißer Luft. Im Durchschnitt waren die Bewertungen im Tech-Sektor dreimal höher als heute. Viele Tech-Unternehmen verloren Geld anstatt welches zu verdienen. Heute hingegen gehören Technologiefirmen zu den ertragsstärksten Unternehmen. In der Folge stimmen dann auch häufig die anderen Kennzahlen.

Solide „Old Techs“

Als Beispiele lassen sich die FAAMG-Unternehmen anführen. Ein Großteil ihrer starken Aktienperformance sei fundamental gerechtfertigt: ‘Old Techs‘, wie Apple, Microsoft und auch andere Softwareentwickler sind in der Regel etablierte Unternehmen und neigen dazu, wahre Cash-Cows zu sein, und das bei relativ niedrigeren Bewertungen. Bei stark wachsenden jungen Technologieunternehmen, wie zum Beispiel Uber, ist allerdings Vorsicht geboten. So lassen sich im Segment der „New Techs“ tatsächlich in einigen Teilen Merkmale einer sich möglicherweise abzeichnenden Bewertungsblase beobachten. Beim Börsengang wurden die Aktien von Snap zu utopischen Preisen gehandelt. Besonders in Sub-Sektoren des Technologieuniversums, in denen es wenige vergleichbare Player gibt, können sich so auch irrationale Bewertungen aufbauen. Denn niemand will das nächste ‚Amazon‘ oder ‚Netflix‘ verpassen. Schließlich beträgt zum Beispiel der Wert der Amazon-Aktie aktuell mehr als das 50-fache als zum Zeitpunkt des Börsenganges des Unternehmens im Jahr 1997.




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