Kollege Computer ist noch in Ausbildung

Der Kampf Mensch gegen Maschine wird nach Meinung von Fiona Frick, CEO bei Unigestion, wohl doch zugunsten des Menschen entschieden – zumindest mittelfristig. Warum steht die künstliche Intelligenz noch im Abseits?

So wie Sportler Aufnahmen und Datenanalysen nutzen, um ihre Leistungen zu verbessern, ermöglichen neue Technologien Vermögensverwaltern, ihren Kunden noch bessere Ergebnisse zu liefern. Der Schweizer Asset-Manager Unigestion ist jedoch davon überzeugt, dass die Technologie nicht den Ausschlag gibt: Auch in Zukunft sind es die Menschen, die den Daten Sinn geben und die wichtigsten Entscheidungen treffen.

Die Maschinen werden immer klüger: Letztes Jahr hat einer der weltbesten Go-Spieler gegen AlphaGo verloren, ein von Google DeepMind entwickeltes Programm mit schwacher künstlicher Intelligenz. Im März gab es einen weiteren Durchbruch, als vier professionelle Poker-Spieler in einem 20-Tage-Tunier von einem Programm geschlagen wurden. Sind die Asset-Manager nun die nächsten auf der Verlierer-Liste? Wohl eher nicht: Künstliche Intelligenz spielt zwar bei der Verbesserung von Prozesseffizienz und bei der Qualität von Entscheidungsprozessen eine Schlüsselrolle, doch in der Vermögensverwaltung stößt sie an ihre Grenzen.

Künstliche Intelligenz trifft auf „Blackbox“ Anlageprozess

Ein Problem für die künstliche Intelligenz in ihrem aktuellen Entwicklungsstadium ist die fehlende Transparenz: Computerprogramme können zwar in Finanzmärkten Muster entdecken und auf zukünftige Marktbewegungen schließen. Aber der Anlageprozess selbst bleibt eine „Blackbox“. Es gibt zwar eine klare Aussage bezüglich der finalen Entscheidung, doch wenig Informationen über die Erwägungen, die dazu geführt haben.

Die Asset-Manager müssen also jedes Muster genau prüfen und sicherstellen, dass sie nicht etwa Kausalzusammenhänge von Korrelationen ableiten. So bestand zum Beispiel in den Jahren 1981 bis 1993 eine starke Korrelation zwischen dem S&P 500-Index und der Butterproduktion in Bangladesch. Ein Computer würde dies erkennen und darauf reagieren, obwohl es gar keinen Grund für diese Korrelation gibt. Erst der Asset-Manager kann den Algorithmen einen Sinn verleihen.

Ein weiterer Punkt ist die Komplexität: Im Gegensatz zu Physik, Biologie oder Medizin ist die Analyse der Finanzmärkte eben keine exakte Wissenschaft. Diese werden von menschlichen Verhaltensweisen beeinflusst, was den Wert der Mustererkennung einschränkt. Entscheidungen hängen zum Teil voneinander ab und Marktbewegungen werden von den Emotionen der Teilnehmer beeinflusst. Die künstliche Intelligenz kämpft noch mit der Mehrdeutigkeit und den Mustern, die aus diesen psychologischen Einflussfaktoren entstehen.




Nachricht an die Redaktion

Hier können Sie uns einen Kommentar zu dem Artikel zukommen lassen.
Wir freuen uns auf Ihr Feedback.

]

Bei unseren Lesern momentan beliebt