Kunst kennt keinen Brexit

Kunstsammler haben einst aus Leidenschaft gesammelt, mit den ersten Kunstfonds sind finanzielle Anreize dazugekommen. Global Investor hat mit Philip Hoffman gesprochen. Hoffman ist CEO und Gründer von The Fine Art Group, die den ersten Kunstfonds aufgelegt hat.

Was unterscheidet den Kunstmarkt von anderen Märkten?

Hoffman: Der auffälligste Unterschied zwischen dem Kunstmarkt und traditionellen Investments wie Anlagen in Aktien und Immobilien ist, dass der Wert von Kunst weniger mit geopolitischen Risiken korreliert ist. Die Zeit kurz nach dem Brexit-Referendum war für Londoner Auktionshäuser äußerst erfolgreich, während Immobilien- und Finanzmärkte noch Monate später Schwierigkeiten haben.

Was macht Kunst zu einem guten Investment?

Hoffman: Vor 15 Jahren, als ich den Fonds aufgelegt habe, haben nur sehr wenige daran geglaubt, dass Kunst ein gutes Investment ist. Es war tatsächlich sogar ein Tabu, Kunst und Finanzen in einem Zusammenhang zu erwähnen. Kunst bedeutete Leidenschaft, nicht mehr. Aber seit dem hat sich Kunst als gutes Instrument bewiesen, um Anlagevermögen zu diversifizieren, und gleichzeitig haben Investoren Freude am Sammeln. Viele unserer Kunden nähern sich Investitionen in Kunst mit Neugier, sie wollen etwas über die Werke lernen, in die sie investieren. Sie suchen nach Anleitung und wollen sich weiterbilden. Kunst bietet denen hohe Renditen, die sich gut auskennen und den Markt verstehen oder zumindest mit jemandem zusammenarbeiten, der ein tiefes Verständnis des Marktes hat. Betrachten Sie zum Beispiel Albert Oehlen: Vor zehn Jahren hätte man für seine Werke nur 100.000 britische Pfund bezahlt, vor fünf Jahren schon 300.000 britische Pfund und heute erreichen seine Arbeiten Preise von über einer Million britische Pfund.

Was ist die Schwierigkeit dabei, einen Kunstfonds zu managen?

Hoffman: Das Risiko zu mildern ist eine der größten Aufgaben eines Kunstfondsmanagers. Es ist sehr wichtig zu verstehen, was man falsch machen kann, wenn man Kunst kauft und verkauft. Fälschungen sind ein schon bekanntes Problem, aber auch der Zustand eines Werkes, seine Herkunft und die Dokumentation der bisherigen Eigentümer können problematisch sein. Das gilt sowohl für Sammler als auch für Investoren. Der Vorteil eines Fonds ist, dass das Risiko gestreut wird.

Spezialisieren sich Ihre Fonds auf ein bestimmtes Marktsegment wie Impressionismus oder zeitgenössische Kunst?

Hoffman: Das hängt vom Fonds ab. Die Anlagen unseres ersten Fonds „The Fine Art Fund“ konzentrieren sich auf zeitgenössische- und Nachkriegskunst, Impressionismus sowie moderne und alte Meister. Diese Entscheidung haben wir getroffen, um das Portfolio zu diversifizieren, jedes Segment hat unterschiedliche Vor- und Nachteile. Sie müssen ein Werk eines alten Meisters beispielsweise länger halten, aber die Rückflüsse sind stabiler, während zeitgenössische Kunst hohe Renditen für Kurzzeitinvestments ermöglicht, aber risikoreicher ist. Die Marktpreise für Gegenwartskunst steigen erstaunlich schnell. Für Investoren ist es wichtig, sich auf Künstler zu konzentrieren, deren Werke einen Sekundärmarkt haben, da diese Anlagen liquider sind. Aufstrebende Künstler bieten gute Möglichkeiten, ein Investment ist aber deutlich riskanter.




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