Mehr Wettbewerb unter Internetkonzernen

Der Konkurrenzdruck auf dem Technologiemarkt steigt, Small-Caps performen teilweise besser als Large-Caps und Kommunikationsausrüster laufen Internetwerten den Rang ab. Trotzdem bleibt der Sektor attraktiv für Anleger.

Bei der Performance der Technologiewerte hatten die ganz großen Börsenwerte im letzten Jahr die Nase vorn. Die Märkte waren und sind noch immer zum großen Teil momentumgetrieben. Doch die Favoriten haben gewechselt: Kommunikationsausrüster, Software-Titel und IT-Dienstleister liegen in diesem Jahr bisher in Führung. Internetwerte sind dagegen zurückgefallen, und Small-Caps laufen inzwischen besser als Large-und Mega-Caps.

Verschärfter Wettbewerb zwischen Alphabet und Amazon

Bei den Mega-Caps spreizt sich die Performance zunehmend. So legen Netflix und Amazon weiter kräftig zu, während Tencent, Alphabet und Facebook schwächer abschneiden. Besonders Facebook leidet unter wachsenden Sorgen über mögliche negative Folg en einer schärferen Regulierung. Das sind fundamental solide Unternehmen, doch das ist schon voll in die Bewertungen eingepreist. Auch der Wettbewerb untereinander wird schärfer. Alphabet und Amazon konkurrieren zunehmend um Werbeerlöse und Cloud-Einnahmen, während Facebook mit seiner Marketplace-App im E-Commerce-Bereich expandiert und Alphabet-Tochter YouTube im Videobereich Konkurrenz macht. Viele Anleger unterschätzen den Rückgang der Kapitalrenditen dieser Unternehmen, der durch die wachsende Konkurrenz zu erwarten ist. Immer höheren Investitionen stehen sinkende Renditen auf das eingesetzte Kapital gegenüber. Zudem treibt die zunehmende Regulierung die Compliance-Kosten in die Höhe.

Die Bewertungen im Technologiesektor sind mit einem durchschnittlichen Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 23 immer noch angemessen. Das gilt im langfristigen Vergleich ebenso wie im Verhältnis zu den aktuellen Bewertungen an den weltweiten Aktienmärkten. Darüber hinaus sind die Wachstumsraten in dem Sektor mehr als doppelt so hoch wie das Wachstum der globalen Wirtschaftsleistung. Teurer sind Internet- und Software-Mega-Caps, aber auch Initial Public Offerings, die von der Liquiditätsschwemme und den anhaltend niedrigen Zinsen – außer in den USA – profitieren.

Steigende Qualität im Sektor

Die lockere Geldpolitik hat zudem bei vielen Unternehmen zu einer laschen Kapitaldisziplin geführt. Das Aufkommen des Cloud-Computing ermöglicht es diesen Firmen zudem, Kapazitäten günstig einzukaufen. Von einer strafferen Geldpolitik sollte die Aktien qualitativ hochwertigerer Unternehmen mehr profitieren als andere. Auf steigende Kapitalkosten dürften die Anleger nämlich reagieren, indem sie stärker auf die Cashflows und die Solidität der Bilanzen achten. Dieses Umfeld ist für Wachstums- und Momentumwerte wahrscheinlich weniger günstig. Im Sektor an sich steigt die Qualität tendenziell. Die Gewinnmargen und Kapitalrenditen sind höher als an den globalen Aktienmärkten insgesamt.

Insgesamt bewegen sich damit die IT-Investitionen weiter auf hohem Niveau. Viele Unternehmen wollen ihre Betriebsprozesse umstellen und die Früchte der Digitalisierung ernten. Dadurch erhält der Sektor sowohl in zyklischer als auch in struktureller Hinsicht Auftrieb. Der starke US-Dollar und die Schwäche der Schwellenländer-Währungen in Kombination mit einer Abkühlung der Konjunktur in den Schwellenländern – besonders in China – stellt ein kurzfristiges zyklisches Problem dar. Allerdings hat die Aufwertung des US-Dollar bereits erste Auswirkungen auf die Unternehmensgewinne. Während der kommenden drei Jahre wird  der Sektor jedoch weiterhin unterstützt durch Faktoren wie die Digitalisierung, Investitionen in Datenzentren, neue Technologien wie Künstliche Intelligenz und autonome Fahrzeuge sowie IT-Investitionen von Unternehmen.




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