Milliarden für die Milchstraße

80.000 US-Dollar für eine Flasche Wasser – das ist kein Sonderwunsch eines abgehobenen Superstars. Bis vor Kurzem war das der Preis, den man einkalkulieren musste, um Astronauten im Weltall mit Flüssigkeit zu versorgen. Doch die Branche entwickelt sich weiter. Lesen Sie hier den zweiten Teil des exklusiven Gastbeitrags.

Im ersten Teil des Beitrags ging es um technische Fortschritte in der Satellitentechnik und Tourismus im Weltall.

Weltweit gibt es fünf sogenannte pure-plays, die ihre Einnahmen aus teuren, satellitenbasierten Services erzielen. Obwohl viele hoch verschuldet sind, standen zumindest Inmarsat und Viasat schon im Visier möglicher Käufer. Die Wachstumsschwäche der Betreiber großer Satellitenflotten in nahen oder mittleren Entfernungen zur Erde bietet der Telekom-Branche einen Ausweg aus einem akuten Dilemma: erstere haben die teuren Investitionen schon getätigt, können aber – je nach Geschäftsmodell – nicht mehr genug daran verdienen. Für den Ausbau der Handynetze sind diese Assets jetzt hochinteressant und relativ günstig einzukaufen.

Breitband für alle

Die Mobilfunkindustrie erzielt weltweit pro Jahr eine Billion Dollar, obwohl sie bisher nur zehn Prozent unseres Planeten abdeckt. Funkmasten in den entwickelten Ländern haben ihre wirtschaftliche Kapazität erreicht. Damit kann die Mobilfunkabdeckung dort nicht weiterwachsen und in den Schwellenländern verlangsamt sich ihre Expansion rapide. Weil sich eine breitere Abdeckung derzeit nicht rechnet, konzentrieren sich die globalen Mobilfunkbetreiber mit ihren Investitionen darauf, Menschen die eigentlich schon mit schnellen Mobilnetzen versorgt sind, eine noch bessere Netzqualität zu bieten. Dies ist ein echtes Problem in einem Geschäft dieser Dimension und eine große Chance für Satelliten. Der adressierbare Markt für die Bereitstellung von Konnektivität für die anderen 90 Prozent des Planeten, die terrestrischer Mobilfunk wirtschaftlich nicht bedienen kann, wird auf etwa 300 Milliarden bis 400 Milliarden Dollar pro Jahr geschätzt.

Genau dieses Segment haben die nicht börsennotierten Unternehmen OneWeb, SpaceX und Telesat im Visier. Dafür werden sogenannte High Throughput-Satelliten (HTS) im All platziert. Sie übertragen die hundertfache Datenmenge traditioneller geostationärer Satelliten. Kombiniert man viele HTS-Systeme in einer mittleren Entfernung zur Erde, decken sie fast den gesamten Globus ab. Doch nach den neuesten Plänen sollen sich tausende kleinerer Satelliten noch näher an der Erde bewegen, wo sie – ähnlich den Funkzellen der Handy-Netze – einzeln nur wenig Oberfläche abdecken. In ihrer Gesamtheit bilden sie jedoch ein zusammenhängendes Netz für die Übertragung großer Datenmengen, das doppelt so schnell ist wie ein Glasfasernetz. Ist dieser Schritt vollzogen, sind auch die Voraussetzungen für ein ‚Internet of Things‘ geschaffen. Der zukünftige Kommunikationsbedarf von Maschinen wird den der Menschen um ein Vielfaches übertreffen.

Zwischen Mond und Erde

Ein Haupttreiber für den zukünftigen Informationsaustausch der Maschinen ist die Automobilindustrie. In der Branche rechnet man schon 2025 mit Autobahnfahrten ohne Fahrer. Für einen ausgereiften Einsatz im Straßenverkehr müssten die Verkehrsteilnehmer idealerweise permanent ihre Position austauschen. Die herkömmlichen Mobilfunknetzte bieten auch dafür nicht genug Kapazität. Sie benötigen bis zu 200 mal mehr Übertragsungskapazität, damit autonome Fahrzeuge in der Breite nutzbar werden.

Im Zuge all dieser neuen Investitionen etabliert sich noch ein neues Geschäftsmodell: die Satellitenbildanalyse. Sie wird dank des Angebots von günstigen und häufigen Starts in den kommenden Jahren profitabel. Ein wichtiges Einsatzfeld ist die Agrarwirtschaft, denn das Bevölkerungswachstum, aber auch ungewöhnliche Wetterlagen setzen Landwirte unter Druck. Eine optimale Bewirtschaftung großer Ackerflächen basiert auf gezielter Erdbeobachtung. Satelliten liefern schon heute Daten über die Erde kostengünstiger und unterliegen weniger Vorschriften als Drohnen.

In ein paar Jahren liefern sie auch Informationen über andere Planeten und die Lebensbedingungen dort. So liegt eine Besiedlung des Mars noch weit in der Zukunft. Aber Chris Hadley hat das nächste Ziel schon im Blick: eine feste Kolonie auf dem Mond. Bis dahin bleibt dem pensionierten Astronauten wohl nur eine Buchung bei Jeff Bezos oder Richard Branson. Beide arbeiten an Raumschiffen, mit denen Weltraum-Trips so komfortabel wie Flugreisen werden. Vielleicht begrüßen sie Hadley bald als ersten Passagier.




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