„Privatkreditgeschäft gewinnt wieder an Attraktivität“

Fintech-Lösungen können allen Beteiligten Vorteile bieten – vor allem im Privatkreditgeschäft, meint Robin Buschmann, CEO bei Giromatch. Profitieren können Banken, Investoren und Kunden gleichermaßen. Warum das so ist, erklärt er am Beispiel des Deutschlandportfolios.

Verbraucherkredite sind ein Wachstumssegment. Das hat vor allem zwei Gründe: Steigender Wohlstand hat steigenden Konsum zur Folge. Gerade bei hochpreisigen Wirtschaftsgütern, wie z.B. Möbel, aber auch Gebrauchtwagen und Reisen steigt dadurch auch die Zahl der Kreditfinanzierungen. Zweitens haben Fintech-Unternehmen bereits damit begonnen, das bislang als bürokratisch geltende Kreditgeschäft zu digitalisieren – und somit für Verbraucher und Banken attraktiver zu machen. Von dieser Entwicklung können jetzt auch Investoren profitieren. Denn die Digitalisierung eröffnet auch privaten und institutionellen Anlegern Chancen, sich an diesem Wachstumsgeschäft zu beteiligen.

Bislang galt das Kreditgeschäft nicht gerade als attraktiv: Verbraucher mussten sich vor Auszahlung der Kreditsumme auf lange Wartezeiten einstellen. Antragsformulare mussten ausgefüllt werden und die Bonitätsprüfung verzögerte quälend den Prozess. Auch die Banken kämpfen mit hohen Kosten, was die ohnehin geringen Margen vor dem Hintergrund der Niedrigzinspolitik der EZB umso mehr schmälert. Europaweit liegt die Profitabilität des deutschen Kreditgeschäfts einer Studie von ATKearney zufolge mit 153 Euro pro Kunde weit unter dem Durchschnitt.

Das Potential der Digitalisierung nutzen

Fintech-Unternehmen haben diese Probleme erkannt und bieten seit einiger Zeit innovative Lösungen an, welche das volle Potential der Digitalisierung ausschöpfen. Diese können durch API-Schnittstellen an Partner angebunden werden. So eröffnen sich ganz neue Kooperationsmöglichleiten im Finanzbereich, von denen alle Seiten profitieren können. Im Kreditbereich wurde der gesamte dahinterstehende Prozess von Fintechs in einzelne Bausteine zerlegt, welche Banken gezielt auswählen und in ihren Prozess integrieren können. Über Schnittstellen erfolgt auch die Integration der Prozesse unter das Dach der Bank. Daher der Name: Application Programming Interface, kurz: API, oder auch schnittstellenbasiertes Banking. Während der Prozess bei einer Bank stets als Gesamtheit betrachtet wird, was die Innovationsfähigkeit mindert, können Fintechs Lösungen für Teilprozesse schnell und effektiv herstellen. Die Möglichkeit, Einzelprozesse isoliert zu betrachten und komplett neu zu denken, ist ein großer Vorteil, den Fintechs gegenüber etablierten Banken aufweisen, die stets alle Geschäftsfelder gleichzeitig im Blick haben müssen und aufgrund ihrer Historie auch eine gewisse Pfadabhängigkeit aufweisen. Beide Parteien profitieren stark davon. Künftig wird man immer mehr Fintech-Bank-Kooperationen sehen. Die dadurch erzeugten Kosteneinsparungen von bis zu 80 Prozent kommen sowohl Verbrauchern als auch den Banken selbst zugute. Das Privatkreditgeschäft gewinnt dadurch wieder an Attraktivität, nicht zuletzt auch für Investoren. Diese hatten bislang nur die Möglichkeit, im Peer-to-Peer-Verfahren in Einzelkredite zu investieren. Entsprechend hoch war das Ausfallrisiko. Das Deutschlandportfolio sammelt alle Kreditanfragen. Jeder Investor erhält einen Anteil aus der Gesamtheit aller Kreditanfragen, was einen größtmöglichen Diversifizierungsgrad gewährleistet. Innerhalb des Portfolios findet eine vollautomatische Streuung nach allen Kreditkriterien statt, so dass der Investor in Kredite unterschiedlichster geographischer Herkunft, Laufzeit, Kreditsumme oder Verwendungszweck investiert. Zusätzlich gibt es einen ständig aus dem Kreditgeschäft gespeisten Sicherungspool für den Fall, dass es einmal mehr Zahlungsausfälle geben sollte, als für das Modell berechnet worden sind.

Für das Deutschlandportfolio wird eine besonders strenge Bonitätsprüfung angewendet, um die Qualität der Anlageklasse besonders hoch zu halten. Die prognostizierte Rendite von bis zu vier Prozent mag zwar im Vergleich zu anderen Anlageklassen niedrig erscheinen; sie spiegelt aber auch das hohe Sicherheitsmaß wider, das bei der Erstellung dieser Anlageklasse im Vordergrund steht. Über die Hälfte der vergebenen Kredite entfielen auf die beiden höchsten Bonitätskriterien A und B, nur 12 Prozent wurden in der niedrigsten Bonitätsstufe F vergeben. Zudem wird ein hohes Maß an Sicherheit durch den für das Deutschlandportfolio typischen Diversifizierungsgrad hergestellt, den es im Peer-to-Peer-Lending nicht gibt. Für jeden Anlageauftrag berechnet ein Algorithmus gesondert Höhe und Anzahl der Anteile aus den aktuell vorhandenen Krediten, so dass sich für den Anleger eine optimale Streuung mit geringem Konzentrationsrisiko ergibt.

Fazit: Technologische Innovation ermöglicht die Anlage in ein Geschäftsmodell, das bislang oft nur Banken vorbehalten war, sich aber aufgrund seiner hohen Sicherheit sehr gut für private und institutionelle Investoren jenseits des Bankensektors eignet.




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