Protektionismus – Made in USA

Trump setzt auf protektionistische Maßnahmen. Populistische Politiker anderer Staaten kokettieren mit ähnlichen Ideen. Wo die Probleme für Anleger liegen, erklärt Witold Bahrke von Nordea AM.

America first – diese Leitlinie verfolgt US-Präsident Donald Trump konsequent in den ersten Monaten seiner Amtszeit. Erst vor wenigen Wochen hat Trump öffentlich das „Buy American“-Dekret unterzeichnet und damit nach Jahrzehnten der voranschreitenden Globalisierung ganz offiziell einen Paradigmenwechsel in der Handelspolitik der USA eingeleitet. Setzt er diesen Kurs weiter fort, wird dies Auswirkungen auf die gesamte Weltwirtschaft haben, zumal er wiederholt angekündigt hat, die internationalen Handelsbeziehungen der weltgrößten Volkswirtschaft unter die Lupe zu nehmen.

Trump hält sein Wort

Zweifellos liefert die Wirtschaftspolitik des neuen US-Präsidenten derzeit viel Diskussionsstoff. Denn ökonomisch gesehen dreht er das Rad der Geschichte zurück. Dabei ist Trump zunächst zugute zu halten, dass er Wort gehalten hat: Ein Schwenk in der Handelspolitik der USA war ein zentrales Thema seines Wahlkampfs – und nun scheint er zu liefern. Wohlwissend, dass ihn eine große Zahl der US-Bürger genau deswegen gewählt hat. Mit dem jüngsten Dekret hat er die Umrisse seines Konzepts klarer erkennbar gemacht: Die US-Regierung behandelt zukünftig heimische Firmen bevorzugt bei der Vergabe staatlicher Aufträge, während auf der anderen Seite die Hürden für Zuwanderer und hochqualifizierte Arbeitskräfte aus dem Ausland heraufgesetzt werden. Importe will Trump mit höheren Einfuhrzöllen eindämmen und Steuern für die US-Bürger senken. Auf diese Weise will er den Absatz heimischer Unternehmen auf dem Binnenmarkt stimulieren und Arbeitsplätze im Land halten oder sogar zurückholen. Dafür ist er bereit, schwächere Wachstumsimpulse durch den Außenhandel in Kauf zu nehmen. Das ist insofern bemerkenswert, als dass die US-Wirtschaft stark auf Importe angewiesen ist. Bei einer Schwächung der Ausfuhren droht das ohnehin hohe Handelsbilanzdefizit weiter auszuufern. Doch dieser Gedanke scheint zumindest zum jetzigen Zeitpunkt für Trump zweitrangig.

Die Frage indes ist, wie andere große Player in der Weltwirtschaft auf dieses neue Dogma in der US-Handelspolitik reagieren werden. Dass von den G-7-Staaten allen voran China, Deutschland und Japan, nicht müde werden, die Vorteile des Freihandels zu betonen, wundert nicht. Das Geschäftsmodell aller drei Volkswirtschaften basiert ganz wesentlich auf einem starken Export. Ein weltweiter Auf- und Ausbau von Handelsbeschränkungen würde dem Wachstum in diesen drei Ländern einen empfindlichen Dämpfer verpassen. Dennoch reagieren zumindest deutsche Unternehmen bislang noch gelassen auf eine restriktive US-Handelspolitik. Eine Mitte März vom ifo-Institut veröffentlichte Umfrage unter 2700 Firmen kommt zu dem Ergebnis, dass nur 18 Prozent der Befragten als Folge einen Umsatzrückgang erwarten. Über drei Viertel (76 Prozent) sehen keine Änderung.

Für diese mehrheitliche Einschätzung spricht die ökonomische Ausgangslage. Nicht wenige Experten rechnen damit, dass die US-Regierung früher oder später wird zurückrudern muss, weil die heimischen Unternehmen trotz aller Vorteile nicht ausreichend wettbewerbsfähig sind und zumindest in Schlüsselbranchen auf Zulieferungen und Knowhow aus dem Ausland angewiesen sind.




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