Richtig in erneuerbare Energien anlegen

Der Erfolg von Infrastrukturprojekten im Bereich erneuerbarer Energien ist institutionellen Investoren bekannt. Doch die richtige Diversifizierung ist wichtig für den Erfolg. Thomas Seibel, CEO der Recap Global Investors AG, berichtet über die Komplexität im Segment „erneuerbare Energien“.

Weltweit lag die Erzeugungskapazität erneuerbarer Energien laut Globaldata 2017 bei gerade einmal 949 Gigawatt. Schätzungen zufolge soll sie bis 2030 auf 2.616 Gigawatt steigen. Besonders größere Versicherer wie die Allianz, Munich Re oder Talanx kaufen sich bereits in das Segment ein, weil sie das langfristige Potenzial erkennen.

Erzeugungsarten und Regionen bedürfen Diversifizierung

Die Nachfrage lässt allerdings auch die Preise steigen. Das verschlechtert die Renditeaussichten vieler Projekte. Anleger, die in diesem Umfeld weiterhin fünf bis sechs Prozent Rendite erwirtschaften möchten, müssen die Projekte gezielt auswählen, in die sie investieren wollen, und dürfen sich nicht auf eine Erzeugungsart oder Region beschränken. Sie müssen die Chancen nutzen, die sich aus technischen Innovationen, geografischen Besonderheiten und dynamischen internationalen Märkten ergeben.

Es ist demnach sinnvoll, nicht nur auf eine erneuerbare Energie wie Windkraft zu setzen, sondern ein Portfolio aus unterschiedlichen Technologien zusammenzustellen. Eine Streuung ebnet das Risikoprofil des Portfolios, denn Investoren können von unterschiedlichen Erträgen verschiedener Erzeugungsarten profitieren, die teilweise sogar negativ korrelieren. Analysen der Recap Global Investors AG zeigen, dass die Volatilität des Portfolios durch die Kombination verschiedener Technologien reduziert werden kann. Anleger können entweder in einzelne Spezialfonds investieren, etwa zu Wind- oder Solarenergie, oder auf einen Fonds setzen, der das Anlagevermögen auf unterschiedliche Technologien verteilen kann.

Das Portfolio kann weiter stabilisiert und diversifiziert werden, indem in Projekte investiert wird, die geografisch verteilt sind. Berechnungen zeigen, dass die mittlere Sonneneinstrahlung in Deutschland und die mittleren Windgeschwindigkeiten in Dänemark negativ korrelieren. Mit diesem Wissen konnte etwa der Spezialfonds Wind Infrastructure I mit der Akquisition von finnischen und französischen Windparks die erwartete Schwankungsintensität des Windes im Gesamtfonds um etwa zehn Prozent reduzieren.

Rechtliche Rahmenbedingungen beachten!

Ein weiterer Aspekt, der bei der Diversifikation beachtet werden muss, ist der jeweilige rechtliche Rahmen. Das internationale Umfeld für regenerative Energien wandelt sich kontinuierlich. Ein aktuelles Beispiel ist die Novelle des EEG 2017 in Deutschland, das die Bedingungen auf dem nationalen Markt langfristig verändert hat. Durch die Umstellung auf ein Ausschreibungsverfahren im vergangenen Jahr ist die durchschnittliche Vergütung für Onshore- Wind-Projekte von über acht Eurocent pro Kilowattstunde auf einen durchschnittlichen Zuschlagswert von 3,82 Eurocent pro Kilowattstunde gesunken. Der unerwartete Erfolg von Bürgerenergieprojekten, Gesellschaften, deren Stimmrechte mehrheitlich bei natürlichen Personen liegen, verknappt das Angebot an interessanten Objekten für institutionelle Investoren in den Ausschreibungsrunden zusätzlich. Anleger sollten sich deshalb auch international nach Alternativen umsehen.

Die vorhandene Infrastruktur und Netzintegration zum Transport erzeugter Energie wird immer wichtiger für den langfristigen Erfolg eines Investments. Dabei steht der Ausbau leistungsfähiger Netze zur Fernübertragung von Strom im Vordergrund sowie Lösungen für das Speicherproblem, das bei regenerativen Energien typisch ist.




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